Thomas Adrian, Sekretär des Lionsclubs Freudenstadt, und Präsident Herbert Igel begrüßten Carmina Brenner, Präsidentin des statistischen Landesamts, zu einem Vortrag. Foto: Privat Foto: Schwarzwälder-Bote

Carmina Brenner: Alternde und schrumpfende Bevölkerung zwingt zum Umdenken

Freudenstadt. Die Präsidentin des statistischen Landesamts, Carmina Brenner, war zu Gast beim Lions-Club in Freudenstadt, dessen Präsident Herbert Igel sie zu einem Vortrag über den demografischen Wandel und seine Folgen für die Stadt und den Kreis Freudenstadt eingeladen hatte.Carmina Brenner stellte essentielle Aspekte ihrer Arbeit in den Vordergrund. Bei einer ständig steigenden Weltbevölkerung sei man hierzulande bereits jetzt mit einem ständigen Bevölkerungsschwund konfrontiert. In den nächsten Jahrzehnten werde es immer weniger und immer ältere Menschen geben. Bis 2016, so erläuterte Brenner, werde die Zahl der unter 20-Jährigen um 16 Prozent und der 20- bis 60-Jährigen um 46 Prozent zurückgehen, während die Zahl der Hochbetagten über 85 Jahren deutlich ansteigen werde. Seit 30 Jahren fehle jedes Jahr ein Drittel der Geburten, die notwendig wären, um die Bevölkerung wenigstens nicht schrumpfen zu lassen. Verschiedene Gründe für den Bevölkerungsrückgang führte Brenner auf. Dazu zählten Zukunftsoptimismus versus Pessimismus, Wertewandel, die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die finanzielle Situation von Familien, das Thema verlässliche Partnerschaft sowie die gesellschaftliche Akzeptanz berufstätiger Mütter. Eine Folge des Geburtenrückgangs sei auch eine deutlich geringer werdende Zahl von Kindergartenkindern und Schülern. Parallel zur Zunahme der älteren und hochbetagten Menschen werde auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigen, kündigte Carmina Brenner an. Auch im Bereich des Wohnungsbaus werde es deutliche Veränderungen geben. Eindringlich wandte sich die Präsidentin des statistischen Landesamts daher an die Adresse der Gemeinderäte und Gemeindeverwaltungen mit der Planung und Umsetzung neuer Baugebiete vorsichtig und realistisch am zu erwartenden Bedarf orientiert umzugehen.

Große Bedeutung maß Brenner der Förderung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund zu. Diese brächten alle Voraussetzungen mit, um wesentlich mehr und intensiver als bisher zu Fachkräften ausgebildet zu werden. Dies sei eine zwingende Notwendigkeit, da es in den nächsten Jahren einen enormen Fachkräftemangel geben werde. 40- bis 60-jährige Arbeitnehmer bildeten schon jetzt die Mehrzahl der Beschäftigten und würden an Bedeutung noch zunehmen.

Carmina Brenner zog ein nüchternes, sachliches Fazit. Keiner müsse vor der demografischen Entwicklung Angst haben. Sie habe nämlich auch etwas Gutes, denn sie werde die Menschen in vielen Bereichen zum Umdenken zwingen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: