Erika Scheck aus Pfalzgrafenweiler mit einem Bild von Julius Hartmann, das wohl eine spanische Finka zeigt. Der Künstler schenkte ihr das Werk, weil sie als Nachbarin öfter auf seine zwei Töchter aufgepasst hatte. Foto: Erb Foto: Schwarzwälder Bote

Biografie: Nichte bringt Licht ins Dunkel um den Freudenstädter Künstler / Erika Scheck erhielt ein Bild von ihm als Geschenk

Der Künstler Julius Hartmann war ein Lebemann. Das geht aus den Schilderungen seiner Nichte Sabine Schemberger hervor, die sich nach einem Aufruf bei unerer Zeitung gemeldet hat.

Freudenstadt. Der Fund von zahlreichen Gemälden des Freudenstädter Künstlers Julius Hartmann hatte unsere Zeitung im April dazu veranlasst, einen Leseraufruf zu starten, um mehr über die Person und dessen Wirken zu erfahren. Daraufhin meldeten sich bereits mehrere Leser, die mit Bekannten Hartmanns zu tun hatten, darunter auch Hotelier Michael Kaltenbach, der den Künstler sogar persönlich kennenlernte.

Kürzlich erreichte den Schwarzwälder Boten eine E-Mail von Julius Hartmanns Nichte Sabine Schemberger. Sie lebt mittlerweile in Wuppertal und hatte über einen Bekannten von dem Leseraufruf erfahren.

Nach ihren Schilderungen kam Julius Hartmann als eines von fünf Kindern von Marie und Andreas Hartmann auf die Welt. Sein Vater, Sabine Schembergers Opa, sammelte als Kupferschmied nach dem Krieg viel Altmetall, um daraus neben Alltagsgegenständen wie Wärmflaschen oder Kochtöpfen auch dekorative Gegenstände wie Schalen und Kannen zu fertigen. Marie und Andreas Hartmann betrieben darüber hinaus zusammen das Möbelhaus Hartmann, Neu- und Gebrauchtmöbel in der Reichsstraße, das sich über die Grenzen von Freudenstadt hinaus einen Namen gemacht habe, erzählt Sabine Schemberger. Sie vermutet, dass sich daraus auch Julius Hartmanns künstlerische Ader entwickelte.

Generell liegt eine Faszination für die Kunst wohl in der Familie Hartmann, sodass sich auch Sabine Schemberger selbst in ihrem Leben künstlerisch versucht hat. Ihr Onkel begann seine Laufbahn in der Ulmer Keramikfabrik. Aus dieser Zeit besitze sie auch heute noch einige Werke. In den Folgejahren war Julius Hartmann als Verkaufsdirektor tätig. Aus diesem Abschnitt seines Lebens stamme auch ein Großteil der Mittelmeermotive, die er während seiner Reisen angefertigt habe, so Schemberger. An vieles kann sich seine Nichte nicht mehr erinnern, doch eine Aussage ist für sie immer noch präsent: "Du musst noch Licht ins Bild bringen." So habe Julius Hartmann ihr in Jugendjahren Tipps beim Malen gegeben.

Einfluss des Lichtsals wichtiges Element

Der Einfluss des Lichts sei für den Künstler immer ein wichtiges Element gewesen,. Aus Erzählungen wisse sie zudem, dass ihr Onkel einen bewegten Lebensstil verfolgt habe. "Julius hat in seinem Leben viel Geld verdient, aber es auch genauso schnell wieder ausgegeben", sagt Sabine Schemberger.

Neben Schemberger meldete sich auch Erika Scheck aus Pfalzgrafenweiler. Sie lebte in den 70er-Jahren in Dietersweiler und war damals die Nachbarin von Julius Hartmann. Aus dieser Zeit besitzt sie auch ein Bild des Künstlers, das er ihr als Geschenk überreicht habe. Die Pfalzgrafenweilerin passte fast täglich auf Hartmanns zwei Töchter auf. Zu sehen ist auf dem Bild vermutlich eine spanische Finka. Unterschrieben ist das Werk vom Maler selbst und zudem von dem Schauspieler Theo Lingen. Erika Scheck erinnert sich vor allem noch an die vielen Male, als sie Hartmanns Töchtern dabei half, ihre Jeans heller zu schrubben.

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