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Freudenstadt In Weißware steckt jede Menge Arbeit

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Bei der Vernissage (von links): Lissi Hediger und Angelika Wenzelburger von der Frauengeschichtswerkstatt, Margret Nübel (Kreisarchiv), Waltraut Dewitz ( Frauengeschichtswerkstatt), Karoline Adler, Rosemarie Oettling und Renate Völter (Frauengeschichtswerkstatt), Petra Weinbrecht und Anja Staubitz (Stadtarchiv). Fotos: Schwarz Foto: Schwarzwälder Bote

Der "Weißnäherei um 1900" widmet sich die Ausstellung der Frauengeschichtswerkstatt in Kooperation mit dem Stadt- und Kreisarchiv.

Freudenstadt (mos). Wäsche aus gebleichtem Baumwoll-und Leinengewebe – ungefärbt und unbedruckt – spielt heute kaum noch eine Rolle in den Haushalten. Im 19. Jahrhundert war das anders. Weißware und die Weißnäherei gewannen in jener Zeit sogar zunehmend an Bedeutung: Tisch-, Bett- und Leibwäsche aus Flachs (Leinen) und Hanfgewebe waren ein fester Bestandteil der Aussteuer und damit eines jeden Haushalts.

Die Frauengeschichtswerkstatt hat das Thema deshalb in Kooperation mit dem Kreis-und Stadtarchiv aufgegriffen und dank zahlreicher Leihgaben aus der Bevölkerung jetzt dazu auch eine Ausstellung konzipiert.

Noch bis zum 21. Juni ist diese im Schweizer-Saal des Stadthauses zu sehen. Neben zahlreichen Ausstellungsstücken vom Nachtgewand bis zur Tischdecke bekommt der Besucher auch interessante historische Informationen rund um die Weißnäherei.

Seitens der Stadt eröffnete Amtsleiterin Petra Weinbrecht die Ausstellung und nutzte zunächst die Gelegenheit – wie auch nach ihr Angelika Wenzelburger von der Frauengeschichtswerkstatt – an die kürzlich verstorbene Margarete Wolf zu erinnern. Sie hatte die Ausstellung als jahrelanges Mitglied der Frauengeschichtswerkstatt noch wesentlich mit vorbereitet, war im Januar während der Vorbereitungen aber plötzlich verstorben und habe im Kreis der Akteurinnen eine große Lücke hinterlassen.

Möglichkeit auf gewisse Selbstständigkeit

Noch im Dezember hatte bei ihr Zuhause ein Arbeitstreffen zur Vorbereitung der Ausstellung stattgefunden. Weinbrecht erinnerte sodann an die "Hoch-Zeit" der Weißnäherei im Lauf des 19. Jahrhunderts und an die Möglichkeit für Frauen, damit auch selbstständig Geld zu verdienen. In Freudenstadt habe es zur Vorbereitung darauf sogar eine eigene Frauenarbeitsschule gegeben.

Den Frauen der Frauengeschichtswerkstatt dankte sie für die "wichtige historische Bildungsarbeit", die mit dieser – und auch schon vorherigen Ausstellungen – geleistet wurde. Bei der geschichtlichen Aufarbeitung solcher Themen fließe dabei immer auch die weibliche Perspektive mit ein. Weinbrecht erinnerte an der Stelle auch an den Heimatpreis, den die Frauengeschichtswerkstatt im vorigen Jahr für ihr Engagement im Kloster Maulbronn bekam. Ihr Dank galt all den privaten Leihgeberinnen, die eine solche Ausstellung erst ermöglicht haben.

Stücke wurden damals gepflegt und geschont

Karoline Adler, die Leiterin des Kreis- und Stadtarchivs, sprach von kostbaren Stücken, die nun in den Vitrinen zu sehen sind. Gut erhalten vor allem deshalb, weil man die Stücke damals geschont habe. Um sie herzustellen, wurde zunächst der Flachs gesät, geerntet, getrocknet, gebrochen, gehechelt, zu Zöpfen gedreht, zu Garn gesponnen, zu Leinwand gewoben und schließlich das Wäschestück genäht – und all das von Hand, so Adler.

Sie erinnerte in ihrer Ansprache auch an die Hungerkrisen der damaligen Zeit und an die Bemühungen des Staates, den Untertanen Erwerbsmöglichkeiten zu verschaffen. In Freudenstadt habe man deshalb im Jahr 1817 eine Industrieschule eingerichtet, in der Frauen und Mädchen das Stricken und Nähen erlernten, um Geld zu verdienen.

Nach Reutlinger Vorbild folgte 1869 eine Fortbildungsschule für Mädchen und 1890 schließlich eine Frauenarbeitsschule, in der die Kunst des Weißnähens gelehrt wurde. 20 Frauen hatten seinerzeit ihr eigenes Gewerbe angemeldet und wurden im Freudenstädter Gewerberegister aufgeführt.

Zuvor waren darin allenfalls und sehr vereinzelt Handwerkerwitwen verzeichnet, die das Gewerbe ihres Mannes weiterführten. Stetig zugenommen habe im Laufe der damaligen Zeit auch die Aussteuer, die Bräute mit in die Ehe brachten. Die Zahl der Tischtücher stieg beispielsweise von zwei im 18. Jahrhundert auf ein Dutzend im Jahr 1900. Hinzu kamen 30 Zwehlen (Handtücher), zehn Leintücher, 20 Haipfel (überbreite Kopfkissen) und weiteres.

Die Geschichte der Weißnäherei spiegle insoweit auch die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der damaligen Zeit wider und sei zudem zu einem Kapitel der Kulturgeschichte geworden. Den Frauen der Frauengeschichtswerkstatt dankte Adler für die kreative Zusammenarbeit.

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