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Freudenstadt Häkeln und Stricken macht süchtig

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Elfi Kuball, Angelika Abraham, Ida Hampel, Tanja Beitlich und Susanne Jeremias (von links) sind dem Häkel- und Strickfieber verfallen. Fotos: Lajko Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Cassandra Lajko Freudenstadt. Fünf feste Maschen, eine Zunahme und weiter geht’s mit drei halben Stäbchen – das ist kein moderner Morsecode sondern eine Häkelanleitung. Denn Häkeln und Stricken ist wieder voll im Trend."Ich glaub, wenn einen das Fieber einmal gepackt hat, hört man einfach nicht mehr auf", lacht Claudia Reich. Sie ist eine von sechs Damen, die sich zum "StrickKaffee" im Elektrozentrum Kurz getroffen haben, um gemeinsam zu häkeln und zu stricken. Das "StrickKaffee" gibt es seit mehreren Jahren, doch die aktuelle Häkel- und Strickleidenschaft ist neu. Seit Oktober kämen immer mehr junge wie ältere Damen – vereinzelt sogar Herren – um sich mit Wolle für Strick- und Häkelarbeiten einzudecken, erzählt Andrea Haizmann vom Elektrozentrum. Sie freut sich über die Wiederentdeckung dieser Handarbeit – schließlich gehöre das mit zur Kultur.

"Das hätt’ ich mir ja nie träumen lassen", lacht Elfi Kuball und blickt auf die graue Wollmütze im mittleren Entstehungsstadium in ihren Händen. Die ist für ihren Sohn. Er ist auch der Grund, warum sie wieder mit dem Häkeln angefangen hat: "Für Mädchen kann man sich ja dumm und dämlich kaufen, aber für Jungs gibt’s nicht so viel". Da gilt es, selbst zur Wolle zu greifen.

Ganz ähnlich war das bei Tanja Beitlich. Die 24-Jährige möchte Pulswärmer haben, die auch noch den Handrücken bedecken. Weil sie im Handel keine gefunden hat, strickt sie jetzt ihre eigenen. Zum "StrickKaffee" ist sie gemeinsam mit ihrer Freundin Susanne Jeremias gekommen. Sie ist mit ihrer gehäkelten Mütze schon fast fertig – und mächtig stolz auf ihr Erstlingswerk. Wie sie zum Häkeln gekommen ist? "Weil gerade alle mit diesen Mützen rumrennen", erklärt die 27-Jährige.

Mit "diesen Mützen" meint sie bunte, selbst gehäkelte Mützen namens "myboshi". Die Studenten Felix Rohland und Thomas Jaenisch entdeckten 2009 an den langen Abenden in einem japanischen Skigebiet das Häkeln für sich – daher auch der Name boshi, das ist den beiden eifrigen Häklern zufolge japanisch für Mütze. Mittlerweile gibt es die boshis im Internet zu kaufen – oder zum Selbsthäkeln. Zwei Bücher haben die Mützenmacher bereits veröffentlicht. Eines davon liegt auch beim "StrickKaffee" auf dem Tisch. Von den sechs Damen häkeln vier Mützen. Das boshi-Fieber ist ausgebrochen.

Angelika Abraham häkelt eine Mütze für ihren Sohn. Er hat sich schon länger eine schwarze Mütze gewünscht, die er unter seiner Fasnets-Maske tragen kann. Gestrickt hat Abraham über die Wintermonate schon seit Jahren, aber: "An Mützen hab ich mich nicht rangetraut". Dann entdeckte die 55-Jährige das boshi-Buch und schwupps sitzt sie da mit einer Häkelnadel in der Hand. "Das macht so Spaß", lacht sie. Beim Häkeln habe man schnell einen sichtbaren Erfolg und müsse nicht viel dabei denken.

Das findet auch Ida Hampel: "Dabei kann man super entspannen", sagt die 71-Jährige und hebt ihr Strickzeug hoch. Früher habe sie viel gestrickt, auch große Sachen wie eine Tagesdecke. Dann verschwanden die Wollknäuel lange Jahre irgendwo im Schrank. Jetzt hat sie sie wieder ausgegraben und strickt fröhlich vor sich hin. Über die gelegentliche Hilfestellung der Kurz-Mitarbeiterinnen freut sie sich ganz besonders – über die Jahre habe sie schließlich das ein oder andere vergessen und es schleichen sich Fehler ein. Besonders, wenn man nebenher zu viel schwatze, lacht Hampel.

Geschwatzt wird trotzdem munter. Über die Kinder oder Enkelkinder, die sich schon auf ihre entstehenden Mützen freuen, über Alltagsgeschichten und natürlich übers Häkeln. Da wird dann flugs der Sitznachbarin in die Mütze gegriffen, um zu testen, wie es sich auswirkt, wenn die selbe Wolle mit unterschiedlich dicken Häkelnadeln verarbeitet wird.

Andrea Haizmann ist von dem neuen Handarbeitstrend begeistert. Junge Leute – auch Männer – würden nach dem Blick in ein Häkel- oder Strickbuch nicht mehr ihre Mutter oder Oma fragen, ob die ihnen so etwas machen würden, sondern wollen es selber lernen.

Angelika Abraham blickt von ihrer Mütze auf und erklärt schlicht: "Ich find’ so etwas Selbergemachtes schön". Zustimmendes Nicken in der gemütlichen Runde – Häkeln und Stricken sind wieder voll im Trend.

 
 

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