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Freudenstadt Grüne bauen auf die Ost-West-Achse

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Ost-West-Achse statt "Mut für neue Ideen": Die Grünen im Kreis Freudenstadt ziehen mit dem Kandidaten-Tandem Winfried Asprion und Elisabeth Gebele in den Landtagswahlkampf. Sie wollen das Direktmandat holen.

Kreis Freudenstadt. Damit hat die erste Partei im Landkreis ihre Bewerber gekürt. Der Horber Asprion (58) soll es für die Grünen richten. Er erreichte bereits im ersten Wahlgang mit 16 Stimmen die notwendige Mehrheit. Die beiden Interessenten von außerhalb zogen den Kürzeren: Jörg Bischof (35) aus Rottenburg holte elf Stimmen, drei Stimmen entfielen auf Karl-Heinz Trick aus der Ortenau, der ursprünglich aus Fluorn-Winzeln stammt. Elisabeth Gebele aus Freudenstadt, die bei der Landtagswahl "ganz bewusst nur in der zweiten Reihe" stehen will, hatte sich als Zweitkandidatin im Doppel mit Asprion zur Wahl gestellt. 29 Stimmen entfielen auf sie, bei einer Enthaltung.

Nach rund anderthalb Stunden war die Kür im Kienbergsaal des Kur- und Kongresszentrums in Freudenstadt gelaufen, in aller Ruhe und Sachlichkeit. 30 von insgesamt 75 Mitglieder waren dazu gekommen, sie saßen aufgrund der Corona-Schutzvorkehrungen weit im Saal an Einzeltischen verstreut.

Kreisverband im Aufwind

Wolf Hoffmann, Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag und zusammen mit Esther Kießling Kreisvorsitzender, war schon zum Auftakt der Nominierungsversammlung hochzufrieden. Die Grünen hätten zuletzt 50 Prozent Mitgliederzuwachs im Kreis verzeichnet. Dass die Partei zur Landtagswahl "gleich vier überaus kompetente" Interessenten für eine Kandidatur aufbieten könne, sei ebenfalls ein Novum. Wichtig sei, dass am Ende alle das Wahlergebnis akzeptierten und im Wahlkampf "an einem Strang ziehen".

Etwa eine Stunde später war das Stimmungsbild an der Basis klar. Zu den Grundwerten der Grünen wie Umwelt- und Klimaschutz, Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit sowie Kampf gegen Populismus und nationalistische Tendenzen hatten sich alle drei Interessenten bekannt, ebenso ihre Verwurzelung im Landkreis Freudenstadt betont. Bischof und Trick verwiesen auf ihre familiären Verbindungen hierher (Trick: "Ich bin an der Kreisgrenze aufgewachsen, und meine Oma stammte aus 24-Höfe"). Mit dem Unternehmer Trick sowie dem Diplom-Betriebswirt und leitenden Kreissparkassen-Banker Asprion waren zwei wirtschaftsnahe Vertreter in den Ring gestiegen. Bischof, studierter Politik- und Erziehungswissenschaftler sowie Mitarbeiter im Landtagsbüro des Reutlinger Abgeordneten Thomas Porewski, versuchte mit fertigem Konzept "Mut für neue Ideen", jungem Ehrgeiz ("Ich will an 1000 Türen im Landkreis klingeln") und Erfahrung als Wahlkampf-Manager zu punkten. Am Ende folgte die Mehrheit doch dem Motto des Gespanns Asprion/Gebele: "Aus dem Kreis für den Kreis." Es genüge nicht, "von Stuttgart aus die Themen anzusprechen".

Banker und Ehrenamtler

Asprion ist als Banker und Ehrenamtler im Kreis bekannt und vernetzt, verwies auch auf seine "guten Kontakte" zur Wirtschaft im Kreis. Seine Themen: preisgünstiger ÖPNV mit mittelfristig abgasfreier Busflotte, Verkehrswende, weniger Massentierhaltung, zeitnaher zweigleisiger Ausbau der Gäubahn, Ausbau des Radwegenetzes, weniger Landschaftsverbrauch und CO2-neutrale Kommunen bis 2030. "Wer nicht begriffen hat, dass die Folgen des Klimawandels die von Corona bei weitem übersteigen, der hat etwas Grundsätzliches nicht verstanden", sagte Asprion. Wälder müssten nachhaltig bewirtschaftet werden und dürften nicht länger als "Sparbüchse der Kommunen" betrachtet werden. Von kostenlosen Kindergärten, wie sie "eine kleine Partei im Land" fordere, halte er nichts, wohl aber von einer "sozialadäquaten Bepreisung". Der Campus in Freudenstadt sei ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Vorzeigeunternehmen im Kreis wie Arburg, Schmalz und Fischer seien längst "vorbildlich unterwegs" bei der "ökologischen Transformation" der Wirtschaft und Beispiele dafür, wie sich Ökonomie und Ökologie versöhnen ließen. Sie zu fördern, sei besser als "der Sündenfall Staatshilfen für die Lufthansa". Die AfD sei mit Hass und Hetze für ihn "die einzige Nicht-Alternative für Deutschland".

Auch die Zweitkandidatin Gebele beschrieb sich als "bodenständig", sei vom eigenen Elternhaus auch nicht privilegiert gewesen. Es sei für sie deshalb nicht selbstverständlich gewesen, "Abitur zu machen und Medizin zu studieren", so die Reha-Ärztin. Sie wollen ihren Beitrag dazu leisten, im Tandem West- und Ostkreis Freudenstadt zusammenzuführen und Asprion auch inhaltlich zu ergänzen. Ihre Erkenntnis nach Corona: Das Gesundheitswesen gehöre reformiert, auf Basis einer Bürgerversicherung gestellt und besser ausgestattet. Überhaupt stelle sich die Frage, wie das Land gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen könne. Familien hätten gezeigt, wie leistungsfähig sie sein können und "den Belastungstest bestanden". Sie sollten bekommen, was sie bräuchten, um eigenverantwortlich entscheiden zu können, auch in der Bildung ihrer Kinder. Auch müsse die Förderung von Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement "verstetigt" werden.

Direktmandat als Ziel

Kreisvorstand und Kandidaten erhoffen sich von dem Abend eine "Aufbruchstimmung" bei den Grünen. Dann sei es möglich, "dass das Direktmandat im Kreis uns gehört". Das werde allerdings "nicht einfach".

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