Noch ist das Baubetriebsamt mit Bauhof an der Ludwig-Jahn-Straße angesiedelt. An dieser Stelle soll ein neues Einkaufszentrum entstehen. Foto: Archiv

Geplantes Einkaufszentrum gibt Anlass zu Diskussionen. Top-Firmen bevorzugen Innenstadt.

Freudenstadt - Bringt das geplante Einkaufszentrum auf dem Bauhofgelände neue Impulse für Freudenstadt? Viele Bürger wünschen sich attraktivere Geschäfte.

Der Bericht im Schwarzwälder Bote über das Planungskonzept zur Bebauung des Bauhofareals an der Ludwig-Jahn-Straße wurde auf unserer Internetseite heftig diskutiert.

"Ich würde es sehr begrüßen, wenn es endlich mal andere Geschäfte geben würde, wie zum Beispiel einen C&A, H&M, Saturn oder Media Markt. Ein Ikea in Sulzhau wäre auch toll", schreibt ein Leser, der gleichzeitig aber auch einräumt, nicht mehr in die Ballungsräume zu fahren, um in den besagten Geschäften einzukaufen, sondern sich die Artikel im Internet zu bestellen. "Zeit, dass sich was ändert", schreibt ein anderer Diskussionsteilnehmer. "Wann begreifen die Leute mal, dass was getan werden muss, um die Stadt jung zu halten?" Er sieht das Einkaufszentrum weniger als Konkurrenz zu bestehenden Geschäften, weil es auch Kunden von auswärts anlocke.

"Jüngere Leute ziehen weg"

Freudenstadt mit seinen rund 25 000 Einwohnern und einem Durchschnittsalter von 42,6 Jahren sei nicht das Klientel, das von H&M, New Yorker oder anderen Händlern angestrebt werde. "Die jüngeren Leute hier ziehen nach dem Abi in der Regel in Unistädte", so eine weitere Stimme.

"Das grundlegende Problem des Protektionismus à la Freudenstadt ist doch, dass man überholte Geschäftsmodelle stützt, bis sie ohnehin das Zeitliche segnen", meint ein Diskussionsteilnehmer. "Ein vernünftiges Kino und eine Bowlingbahn wären eine enorme Bereicherung für die Freudenstädter Gegend", heißt es ferner in der Diskussion um das geplante Einkaufszentrum.

Kritisch bemerkt ein anderer Freudenstädter: "Nach kurzer Zeit wird's im Center ein Casino und Ein-Euro-Shops geben. Der Bau wird vergammeln, genau wie das Dreikönigcenter und das Neukauf-Center." Ein weiterer Kritiker meint unter anderem: "Was beim Rappenareal keinen Betreiber fand, soll hier gelingen?"

Auch Bauamtsleiter Rudolf Müller hat sich mit der Internetdiskussion beschäftigt. H&M, C&A oder andere "Spitzentextiler" hätten zwar Interesse an Freudenstadt, aber noch kein geeignetes Objekt gefunden, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Das Problem sei die Kleingliedrigkeit der Geschäfte in der Innenstadt. Kein Geheimnis macht er daraus, dass das Einkaufszentrum auf dem Bauhofgelände für solche Firmen nicht interessant ist. Da diese normalerweise nicht in Städte unter 40000 Einwohner gehen, kämen sie nach Freudenstadt nur in eine absolute Top-Lage. Das Bauhof-Areal sei aber zu weit weg vom Kern. Für die Innenstadt verfolge die Verwaltung ein anderes Konzept. "Wir werden alles tun, um die Ansiedlung solcher Top-Firmen zu ermöglichen", so Müller. Das Einkaufszentrum an der Ludwig-Jahn-Straße diene dagegen in erster Linie der Grundversorgung der Bevölkerung. Im Mittelpunkt stünden dabei der Vollsortimenter und ein Drogeriemarkt. Die restlichen Geschäfte wie Schuh- oder Textildiscounter spielten nicht in der ersten Liga.

Bürger haben am Montag, 9. Juli, die Gelegenheit, ab 19 Uhr bei einer öffentlichen Veranstaltung im Stadthaus sich über das neue Projekt zu informieren und mit der Stadtverwaltung zu diskutieren.