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Freudenstadt Gegen Kauderwelsch am Arbeitsplatz

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Die Absolventinnen des Sprachmentorenprogramms mit Elke Schönborn von der IHK, Projektmanagerin Roswitha Klepser und Trainerin Esther Dam (vorne von rechts). Foto: Breitenreuter Foto: Schwarzwälder Bote

Hotel- und Gastronomiebetriebe sind oft auf Arbeitskräfte aus anderen Ländern angewiesen. Die Verständigung kann dabei schon mal zum Problem werden. Mit einem Sprachmentorenprogramm sollte die Kommunikation am Arbeitsplatz verbessert werden.

Freudenstadt. Elf Frauen und ein Mann aus Hotels in den Kreisen Calw und Freudenstadt beteiligten sich an der ersten Weiterbildung dieser Art, die federführend von der Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule Weingarten organisiert wurde. Mit im Boot waren die Tourismus-Akademie Baden-Württemberg der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald und die Dehoga-Kreisverbände Freudenstadt und Calw.

Initiatorin des Projekts war Conny-Mayer Bonde aus Baiersbronn von der Dualen Hochschule in Ravensburg. Die Resonanz auf die Sprachmentorenausbildung war groß. Nahezu alle großen Hotels in der Region waren mit Mitarbeitern vertreten.

Im Oktober begann das Projekt mit einem zweitägigen Seminar im IHK-Gebäude in Freudenstadt, dann folgte eine Zwischenphase in den jeweiligen Betrieben. Dort wurde mit ausländischen Mitarbeitern, die sich die Teilnehmer zuvor ausgesucht hatten, die deutsche Sprache trainiert. Die künftigen Mentoren drehten dazu kurze Videos, in denen sie ihren Mitarbeitern auf einfachste Weise einen gewissen Vorgang, beispielsweise das Auffüllen einer Minbar, erläuterten. Auch die ausländischen Mitarbeiter wurden gefilmt, um Fehler zu analysieren.

Zuvor hatten die Seminarteilnehmer mit Hilfe von Trainerin Esther Dam und Projektmanagerin Roswitha Klepser von der PH Weingarten analysiert, auf welcher Sprachebene sich die ausländischen Mitarbeiter befinden. Wichtig war dabei, Fachbegriffe der Hotel- und Gaststättenbranche zu vermitteln.

"Die Arbeit der Mentoren ersetzt keinen Sprachkurs", stellte Seminarteilnehmerin Larissa Borgia vom Hotel Berlins Krone-Lamm in Zavelstein fest. Das bestätigte Roswitha Klepser am Ende der Ausbildung, die mit einer Prüfung im Hotel Fritz in Lauterbad endete. Man habe versucht, den angehenden Mentoren soviel zum Umgang mit der deutschen Sprache zu vermitteln, dass sie ihre Mitarbeiter in den Betrieben unterrichten können, damit sie korrekte deutsche Sätze sprechen können und nicht in ein Kauderwelsch verfallen. "Wir wollen, dass sich die Arbeitskräfte weiterentwickeln können", so Elke Schönborn von der IHK, die das Sprachmentorentraining begleitete.

Uta Kappel vom Hotel Engel Obertal hatte einen Mitarbeiter, der kein Wort Deutsch sprechen konnte. "Da muss man ganz vorne anfangen", schilderte sie ihre Arbeit, um mit ihm den Wortschatz für den Küchenbereich zu trainieren. Doch nach drei Wochen habe man schon einen Fortschritt bemerkt.

Jutta Möhrle, Chefin des Hotels Tanne in Tonbach, machte bei dem Training ebenfalls mit. Es sei wichtig, dass die ausländischen Bediensteten auch sehen, dass man sie fördern wolle. Denn schließlich wolle man die Kräfte auch an den Betrieb binden. Lara Deininger vom Hotel Fritz in Freudenstadt stellte fest, dass sie sich die gleich Möglichkeiten wünschen würde, wenn sie in einem fremden Land im Hotel arbeiten würde. Als positiv empfand Helen Kalmbach vom Hotel Traube Tonbach, dass sie und ihre Kolleginnen während der Praxisphase stets ihre Trainer anschreiben und um Rat fragen konnten. Auch die Teilnehmer hätten sich gegenseitig auf Augenhöhe unterstützt, ergänzte Silke Schranz vom Hotel Barreis in Mitteltal.

Am Anfang der Weiterbildung seien alle noch ein wenig distanziert gewesen, doch am Schluss sei die Gruppe fast zu einer Familie zusammengewachsen. Das zeigte sich auch an der guten Stimmung, als im Hotel Fritz das erworbene Hochschulzertifikat gefeiert wurde. Alle hatten die Prüfung bestanden.

Beim letzten Modul hatte ein Videoexperte den Teilnehmern noch Tipps gegeben, wie sie ihre Technik verbessern können. Denn die Filme sollen den ausländischen Mitarbeitern zum Üben dienen. Sie sollen ein wichtiger Bestandteil des Lernens sein. Das Sprachmentorentraining wurde finanziert über das Projekt "FIER" (Fast Track Integration in European Regions). Elke Schönborn hatte für die Teilnehmer aber die gute Nachricht, dass die Kreisvolkshochschule Freudenstadt bereits zugesichert habe, sich in diesem Bereich zu engagieren. Man könne sich die Sprachmentorenausbildung als Ergänzung zur normalen Ausbildung vorstellen. Die Duale Hochschule in Ravensburg wolle sie als Wahlmodul in das Studium einbauen, erläuterte sie.

Bei der Übergabe der Zertifikate betonte Roswitha Klepser, dass sich jeder Hotelbetrieb bewusst sein sollte, dass für die Integration von ausländischen Mitarbeitern was getan werden muss. Die Projektleiterin Sarah Lukas gratulierte mit einer Video-Botschaft den Absolventen. Stolz war Klepser auf das Wirgefühl in der Weiterbildung, was sie am Schluss mit bewegten Worten deutlich zum Ausdruck brachte: "Es war toll mit Euch".

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