Alexander Seiz vom Büro Kohl & Partner (Mitte) informierte über den touristischen Teil des Gutachtens zum Nationalpark. Die Tourismusdirektoren Patrick Schreib (links) und Michael Krause hatten eingeladen. Foto: Blaich Foto: Schwarzwälder-Bote

Experte erläutert touristischen Teil des Nationalpark-Gutachtens / Ein weltweites Qualitätsprodukt

Von Ursula Blaich

Freudenstadt. Dass aus touristischer Sicht noch viele Fragen zum Nationalpark Nordschwarzwald offen sind, zeigte eine Informationsveranstaltung im Kurhaus in Freudenstadt. Die Baiersbronn Touristik hatte zusammen mit Freudenstadt Tourismus alle gastronomischen Betriebe des Kreises Freudenstadt und entlang der Schwarzwaldhochstraße zu einem Vortrag über den touristischen Teil des Gutachtens eingeladen. Referent war der Geschäftsführer des Büros Kohl & Partner aus Stuttgart, das für den touristischen Teil des Gutachtens verantwortlich war, Alexander Seiz. Er stellte sich den Fragen der Anwesenden. Die Brisanz des Themas war schon aus den Vorworten ersichtlich. Baiersbronns Tourismusdirektor Patrick Schreib bat darum, "heute nicht zu politisieren", sondern sich auf den touristischen Teil zu konzentrieren, und Tourismusdirektor Michael Krause aus Freudenstadt bat um ein ruhiges, sachliches und respektvolles Miteinander. Alexander Seiz legte einige Zahlen vor. 3,05 Millionen Besucher seien jährlich zu erwarten, zusätzlich 445 000 neue Nationalparkbesucher. 428 neue Arbeitsplätze, hauptsächlich im touristischen Bereich, würden entstehen, betonte er. Es handle sich um anerkannte Verfahren, deren Studien nicht anzuzweifeln seien, sagte Seiz auf die Frage, wie die Zahlen zustande gekommen seien. Der Schwarzwaldtourismus gehe seit 2003 zurück, daher würde es sich den Anrainergemeinden anbieten, etwas zu unternehmen, damit die Tourismuszahlen wieder nach oben gehen. "Nachhaltigkeit und Sinnsuche" seien Megatrends im Natururlaub.

"Ein Nationalpark ist kein touristischer Selbstläufer", sagte Alexander Seiz. Der touristische Effekt komme aus der Infrastruktur und aus Attraktionen wie Waldwipfelpfad, Tiergehege, Infozentren oder Aussichtsplattformen. Dabei seien auch die Gemeinden gefragt. Auswertungen hätten ergeben, dass Freudenstadt, Baiersbronn und Bad-Wildbad am meisten profitieren könnten. Ein Nationalpark sei mit dem bestehenden Naturpark nicht zu vergleichen, erläuterte der Experte, aber es gebe Berührungspunkte.

Ein Nationalpark passe gut in die touristische und thematische Landschaft der Region und hätte einen ganz anderen Imageeffekt, erklärte Seiz. Er sei ein weltweites Qualitätsprodukt, eine besondere Auszeichnung, die eine hohe Aufmerksamkeit habe. Befürchtungen von Seiten der Hotelerie, es kämen nur noch Rucksacktouristen in die Gegend, die keinen Wert auf Wellness und Sterneküche legen, trat Alexander Seiz entgegen: "Diejenigen Gastgeber, die sich auf das Thema Nationalpark positiv einstellen, werden profitieren, diejenigen, denen er egal ist, dagegen nicht." Er sah im internationalen Tourismus durch den Imagefaktor des Nationalparks auch große Chancen für die gehobene Sterne- und Wellness-Gastronomie.

Bedenken wurden vorgetragen, dass die Übernachtungszahlen aufgrund von zu viel Totholz einbrechen könnten. "Es kommt darauf an, wie man den Gästen diesen Vorgang vermittelt", betonte Alexander Seiz. Eine weitere Frage war, ob und wie schlimm der Imageschaden für Baiersbronn nach der Vorstellung des Gutachtens sei. Der Imageschaden sei groß, antwortete Patrick Schreib. Als "Widerstandsnest" bezeichnet zu werden, habe für Baiersbronn nicht zum positiven Image beigetragen. Und der Tourismusdirektor brachte es zum Schluss auf den Punkt: "Der Nationalpark ist kein Tourismusprojekt, es ist ein Naturschutzprojekt, das muss ganz klar gesehen werden. Unsere Aufgabe ist es, mit einem Projekt, das die Regierung will, umzugehen, damit wir davon profitieren können".