Der Horb-Amerikaner Kenneth Tillery traut seinen Landsmännern gegen die Deutschen einen Sieg zu – sein Sohn Ken ist da aber ganz anderer Meinung. Foto: Pieske

Horber Amerikaner setzt im dritten Vorrundenspiel auf die Jungs von Jürgen Klinsmann. DFB-Elf wird Weltmeister.

Horb - Die USA und Fußball? Das war bislang eher eine sich gemächlich aufbauende Freundschaft und keine heiße, lodernde Liebesaffäre. Wir fragten den Horber Amerikaner Kenneth Tillery, ob er seinen Landsmännern gegen die Deutschen eine Überraschung zutraut.

Im Vergleich zu den Gruppengegnern Portugal und Deutschland – oder gar zu Gastgeber Brasilien – ist die USA noch immer ein richtiger Fußballzwerg.

Kenneth Tillery weiß auch warum: "Fußball wird als etwas Ausländisches wahrgenommen – aber vor allem nervt es, dass die Spieler im Zweikampf so leicht fallen". Für den Amerikaner gehört rempeln, raufen und blaue Flecken zum Sport dazu. Deshalb denken Kenneths Landsmänner: Fußball, das ist doch was für Weicheier. Die richtig harten Kerle schauen lieber American Football, Baseball oder Eishockey – so zumindest die Wahrnehmung des Horber Amerikaners.

Er selbst sieht das ziemlich gelassen. "In meiner Highschool-Zeit stand ich als Torwart zwischen den Pfosten – aber ich schaue eigentlich auch lieber Base- und Football", sagt der 47-Jährige.

Der Wahlhorber arbeitet als IT-Experte – aber von Fußball hat er eher wenig Ahnung, gibt er zu. Ein kleiner Wissenstest bestätigt das glatt: Von den deutschen Spielern fällt ihm auf Anhieb nur "Schweinsteiger" ein, von den Amerikanern "keiner".

Wer von den beiden im direkten Duell heute gewinnt, das weiß er aber sehr wohl: "Ich glaube, dass macht die USA". Die Erklärung klingt plausibel: "Die haben diesen Trainer – der ist doch Schwabe – die geben so schnell keine Punkte her", sagt er mit einem dicken Grinsen auf dem Gesicht.

Dass der Schwabe auf einen Amerikaner großen Einfluss haben kann, weiß er aus eigener Erfahrung, schließlich hat es ihn wegen einer Schwäbin aus dem Sonnenstaat Florida nach Horb verschlagen: "Meine Frau muss mich verhext haben!", ist er sich sicher. Kein Wunder, dass er dem Klinsi-Team ähnliches zutraut.

Der Vater von fünf Kindern lebt seit 23 Jahren in Deutschland und bekommt nun in den WM-Wochen kräftig Gegenwind vor dem Fernseher. Ken Junior, sein jüngster Sohn, steht voll und ganz hinter der deutschen Truppe. In der Brust des Vaters schlägt dann aber doch das amerikanische Herz. "Aber laut darf ich das nicht sagen", schielt er in Richtung Sohn.

Aber: Selbst wenn die US-Boys gegen die DFB-Elf gewinnen sollten – für das Achtelfinale wird es nicht reichen, meint Kenneth Tillery (Das Gespräch führten wir vor Beginn der Gruppenspiele). Da wird Deutschland als Gruppenerster und Ghana als Zweiter das Rennen machen. Und das Finale? "Deutschland gegen Brasilien oder Italien". Ja und wer gewinnt? "Wenn ich jetzt etwas anderes sage als Deutschland, dann krieg ich Ärger mit meiner Frau".