Haben immer ein offenes Ohr (von links): Diana Schmidt, Beate Frey und Andrea Müller. Foto: Guimouza Foto: Schwarzwälder Bote

Soziales: Malteser Freudenstadt erweitern ihr Projekt zur Begleitung von Kindern und Jugendlichen

Wer sich als Kind nicht adäquat mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen auseinandersetzt, kann auch als Erwachsener noch darunter leiden. Eine Stütze zur Bewältigung liefert das neue Projekt der Malteser.

Kreis Freudenstadt. "Trauer ist ein natürliches Gefühl." Diesen Leitsatz verfolgen die Kinder- und Jugendtrauerbegleiterinnen der Malteser in Freudenstadt. Mit einem erweiterten Angebot zur Trauerbegleitung wollen Magdalena Schittenhelm, Beate Frey und Andrea Müller etwas Normalität in trauernde Familien zurückbringen.

"Bei uns lernen Kinder zu verstehen, was mit ihnen und um sie herum passiert. Sie lernen, Worte für ihre Trauer zu finden und mit ihr umzugehen", erklärt die Leiterin des Kinderhospizdienstes, Diana Schmidt.

Bereits seit 2013 bieten die Malteser ambulante Einzelbetreuungen für Kinder an, die ein ernsthaft erkranktes Familienmitglied in absehbarer Zeit verlieren werden. 30 ehrenamtliche Mitarbeiter stehen unter Leitung von Diana Schmidt für eine individuelle Betreuung zur Verfügung.

Seit 2016 besteht zusätzlich ein Trauerangebot für diejenigen Kinder, die einen nahestehenden Menschen verloren haben. Ab 1. April dieses Jahres soll dieses Trauerangebot erweitert werden. Zwar werden auch weiterhin Einzelberatungen angeboten, jedoch sollen künftig auch monatliche Gruppensitzungen stattfinden. Geplant ist eine Gruppe für Neun bis 13-Jährige und eine weitere für 14- bis 17-Jährige. Zuständig werden die drei ausgebildeten Trauerbegleiterinnen Magdalena Schittenhelm, Beate Frey und Andrea Müller sein.

Vom Konzept der Gruppensitzung erhofft sich das Team neue therapeutische Möglichkeiten: "Einem trauernden Kind wird eher bewusst, dass Trauer etwas ganz Natürliches ist, wenn es sich in Gesellschaft anderer trauernder Kinder befindet", sagt Magdalena Schittenhelm, zuständige Trauerbegleiterin.

Nach einem Erstgespräch zwischen Trauerbegleitung, Eltern und Kind wird entschieden, ob sich eine Einzel- oder Gruppensitzung besser eignet. Schittenhelm erklärt den Ablauf einer Sitzung: "Zunächst gedenken wir des Verstorbenen, etwa mit einer Kerze. Dann erkundige ich mich nach dem Befinden der Kinder. Mit speziellen Texten, Spielen und Bastelaufgaben widmen wir uns dann der Bewältigung der Gefühlssituation."

Kinder seien oft noch nicht in der Lage, die Endgültigkeit des Todes zu begreifen oder ihre Ängste überhaupt in Worte zu fassen. Aber auch Eltern haben zuweilen Probleme mit dem richtigen Umgang mit den eigenen Gefühlen.

"Unser Fokus liegt natürlich auf den betroffenen Kindern", sagt Schmid. Doch ihre Arbeit mit den Kindern sei auch eine Entlastung für trauernde Elternteile, deren Pflichten in einer tiefen Trauerphase zur Bürde werden können.

"Einige Kinder funktionieren nach einem Trauerfall scheinbar normal weiter", berichtet Schmidt. "Manche Eltern unterschätzen die Gefühlslage ihres Kindes." In solchen Fällen könne es passieren, dass sich die unterdrückte Trauer später in Form von Aggressionen oder auffälligem Verhalten äußert und ein Bezug zur Ursache dann nicht mehr direkt erkennbar ist.

Die Grundlagen zur professionellen Trauerbegleitung werden in einer zweijährigen Ausbildung vermittelt. Auch das erfolgreiche Einbinden von Familienmitgliedern und anderen Bezugspersonen steht hier auf dem Lehrplan.

Damit die tägliche Konfrontation mit Trauer und Tragik für die Begleiter nicht zur Last wird, werden psychohygienische Grundlagen bereits in der Ausbildung vermittelt. "Es ist wichtig, Rückhalt im Privaten zu haben und immer eine gewisse Distanz zum Schicksal anderer zu wahren", erklärt Beate Frey. Auch sollten eigene Trauerphasen mindestens zwei Jahre zurückliegen, wenn man sich der Trauerbegleitung widmen möchte.

Da die Trauerbegleitung eine Therapie nicht ersetzt, wird sie als Ergänzung angeboten. Oder wie es Trauerbegleiterin Andrea Müller zusammenfassend beschreibt: "Unser Ziel ist es, etwas Normalität in trauernde Familien zu bringen."  Kontakt: Anmeldungen zur Trauerbegleitung bis zum 16. März unter Telefon 07441/9150595 oder unter E-Mail: kindertrauer.freudenstadt@malteser.org

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