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Freudenstadt/Freiburg Borkenkäfer bedroht die Wälder

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Waldarbeiter machen fast nichts anderes mehr als Borkenkäfer-Monitoring, heißt es vom Nationalpark. Foto: Nationalpark Schwarzwald

Freiburg/Freudenstadt - Die seit Juli anhaltende Hitze setzt den Bäumen zu – und bietet in den Wäldern überdies dem Borkenkäfer ein ideales Klima.

Für Forstleute werden Erinnerungen an 2003 wach, als der Schädling besonders aktiv war. Die Wälder im Land seien "in diesem Jahr besonders vom Borkenkäfer bedroht", betont auch das Ministerium für Ländlichen Raum. Zum Schutz seien schon 35.000 Festmeter Holz eingeschlagen worden – vor allem in Oberschwaben, auf der Ostalb und im südlichen Schwarzwald, wo sich der Käfer besonders breitmacht. Die überwiegend tiefer gelegenen Waldgebiete im Naturpark Schönbuch und im Schwäbischen Wald scheinen nicht in gleichem Maße befallen zu sein wie die Höhenlagen des Schwarzwalds oder der Schwäbischen Alb.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg urteilt in ihrem jüngsten Monitoring-Bericht jedenfalls: "Die Lage ist sehr ernst." Dessen Autor Reinhold John sagt: "Der Buchdrucker hat vielerorts schon die dritte Generation angelegt. Das passiert nicht in jedem Jahr und vor allen Dingen niemals so früh." Jeder gefährdete Bestand müsse "mindestens einmal die Woche kontrolliert werden", rät die Freiburger Forschungsanstalt.

Dabei gibt es allerdings deutliche Unterschiede im Befall. Während in den Gipfellagen des Feldbergs im Südschwarzwald derzeit erst die zweite Käfer-Generation geschlüpft ist, klagen Förster in Lagen unterhalb 800 Metern über starken Befall – etwa zwischen dem Rheintal und den Schwarzwaldhöhen. In manchen Gebieten erscheint die Situation derart dramatisch, dass als befallen gekennzeichnete Bäume gar nicht schnell genug aus den Wäldern gefahren werden können, weil Fahrzeuge fehlen.

Käfer-Monitoring seit Frühsommer

"Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt war es seit dem Frühsommer viel zu warm", sagt Thomas Rupp, der den Forstbezirk Süd des Hardtwaldes betreut. Dieser erstreckt sich vom Süden des Landkreises Karlsruhe bis zu den Nachbarkreisen Calw, Pforzheim und Rastatt. "Die größten Gefahren gehen vom ex­tremen Niederschlagsmangel und der damit einhergehenden Zunahme der Borkenkäfer aus", berichtet Rupp. 12.000 Hektar Waldflächen betreut er mit seinem Team. Vergleichbar sei die anhaltende Trockenheit nur mit dem Hitzesommer 2003, meint Rupp. Er veranlasste schon im Frühsommer ein "verstärktes Käfer-Monitoring" mit wöchentlichen Begehungen – und dem Einsatz von Lockstofffallen. Das Ergebnis: Weil sehr viele Bäume vom Borkenkäfer befallen sind, mussten die Gehölze gefällt werden. Aber auch wegen Sturmschäden und der anhaltenden Dürre waren "Zwangseinschläge" erforderlich. "Ich habe derzeit schon so viel Käferholz in den Büchern stehen wie im ganzen Jahr 2017", klagt Rupp. Etwa dieselbe Menge liege noch draußen in den Wäldern.

Auch sein Kollege Thomas Eichkorn, der den Bezirk West des Hardtwaldes betreut, beklagt die durch die Trockenheit verursachten Probleme. Zusätzlich würden Misteln den Kiefern Feuchtigkeit entziehen, und die Engerlinge der Maikäfer die Feinwurzeln der Bäume wegfressen, berichtet Eichkorn. Die Förster hoffen nahezu einhellig auf "einen mehrtägigen Landregen". Während in Teilen des Südschwarzwalds bereits eine vierte Population von Borkenkäfern im Anmarsch ist, scheint die Besorgnis im Nationalpark Schwarzwald nicht ganz so groß zu sein. "Im Tonbachtal steht die dritte Generation Borkenkäfer am Anfang", sagt Jörg Ziegler, Förster im Nationalpark. Bislang habe man weniger Borkenkäfer festgestellt als im Vorjahr.

Im Kreis Freudenstadt wiegelt man ab. Zwar hat sich der Borkenkäfer auch dort vermehrt, doch von Problemen könne nicht die Rede sein. Man habe "alles unter Kon­trolle", beschwichtigt Simon Stahl, Leiter des Kreisforstamts. Befallene Bäume würden schnellstmöglich gefällt und das Holz aus dem Wald geschafft, bevor die nächste Generation als Käfer ausfliege. Allerdings stocke der Abtransport des Holzes manchmal ein wenig, weil sich bei den beauftragten Firmen die Sommerferien bemerkbar machen. Aber auch diese Situation entspanne sich schon wieder, erklärt Stahl.

Natur profitiert vom Zerfall der Bäume

Im Kerngebiet des Nationalparks Schwarzwald wird der Wald bekanntlich nicht wirtschaftlich genutzt. Das bedeutet, dass vom Borkenkäfer befallene Bäume sich selbst überlassen werden. Der Borkenkäfer leistet hier quasi einen Beitrag zum natürlichen Kreislauf – mit der Schaffung von Lebensräumen für andere Tiere, die vom Zerfall der Bäume profitieren. Um den umliegenden Nutzwald zu schützen, wurde rund um den Nationalpark ein 500 Meter breiter Puffergürtel eingerichtet, in dem befallene Bäume entfernt werden. "Bei uns herrscht für die Witterungsbedingungen dort Normalzustand", sagt Nationalpark-Pressesprecherin Franziska Schick. Die Kontrollintervalle seien sehr kurz und intensiv, die Waldarbeiter machen fast nichts anderes mehr als Borkenkäfer-Monitoring, sagt Schick. Aber auch das sei für die Jahreszeit normal. Wie der Borkenkäfer-Befall in den Wirtschaftswäldern weitergeht, wird nun erheblich vom weiteren Witterungsverlauf abhängen. Bleibt es weiterhin warm und trocken, könnte es dieses Jahr sogar eine vierte Käfergeneration geben.

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