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Freudenstadt Freibad öffnet - und was ist mit dem Hallenbad?

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Ob das Panorama-Bad nach dem Sommer öffnet, entscheidet der Gemeinderat wohl im August. Zunächst öffnet Mitte Juli das angrenzende Freibad. Foto: Stadtverwaltung

Freudenstadt - Nach dem Beschluss des Gemeinderats, das Panorama-Freibad ab Mitte Juli für zwei Monate zu öffnen, tun sich neue Fragen auf. Etwa diese: Was geschieht im Anschluss mit dem Hallenbad? Und was mit dem Personal, das für die Freibadsaison aus der Kurzarbeit geholt wird?

Noch einmal entwickelte sich am Donnerstagabend in der zweiten Sondersitzung zur Bäderöffnung im Kienbergsaal des Kurhauses eine lange Diskussion, die sich im Kern um eine Frage drehte: Soll die Stadt das Freibad öffnen oder nicht?

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Drei Anträge der Fraktionen und der Verwaltungsvorschlag lagen auf dem Tisch. Der CDU-Antrag sah vor, das Panorama-Bad zum 30. Juli zu öffnen und alle anderen Bäder im Stadtgebiet, also das Hallenbad Wittlensweiler, das Waldschwimmbad Kniebis und auch das Panorama-Freibad, bis auf Weiteres geschlossen zu lassen. Dem ähnelte der Vorschlag der Stadtverwaltung, die plante, das Panorama-Bad inklusive Freiflächen zum 20. Juli zu öffnen und die übrigen Bäder vorerst geschlossen zu lassen.

Dem entgegen stand der Antrag der Fraktion Freie Wähler/FDP, das Freibad Mitte Juli für etwa zwei Monate zu öffnen und nach der Sommerpause mit Blick auf Haushaltslage und Pandemieentwicklung zu entscheiden, ob für den Rest des Jahres das Panorama-Bad und/oder das Hallenbad Wittlensweiler geöffnet werden soll. Auch die Bürgeraktion hatte beantragt, das Freibad zu öffnen und im Anschluss – je nach Corona-Lage – das Panorama-Bad.

Oberbürgermeister Julian Osswald, der vor zweieinhalb Wochen der Ratsentscheidung zur Öffnung des Freibads wegen der finanziellen Situation widersprochen und somit die zweite Sondersitzung erzwungen hatte (wir berichteten), wies am Donnerstagabend noch einmal auf die angespannte Haushaltslage hin. Die habe sich inzwischen nochmals verschlechtert: Weitere 100.000 Euro weniger an Gewerbesteuereinnahmen seien zu erwarten. "Jeder Euro, den wir heute beschließen, muss kreditfinanziert werden", warnte er und erinnerte an den Genehmigungserlass des Regierungspräsidiums zum Haushalt. In Karlsruhe habe man eine "Schieflage" diagnostiziert und eine Haushaltskonsolidierung empfohlen.

Ein Verlustgeschäft wird die Saison sowieso

Dennoch zielten sowohl der Verwaltungsvorschlag als auch der CDU-Antrag darauf ab, ganzjährig eine Bademöglichkeit – von Badevergnügen könne in diesem Jahr wegen des Sicherheits- und Hygienekonzepts ohnehin nicht die Rede sein – anzubieten: im Hallenbad mit Freigelände. Die Fraktion Freie Wähler/FDP hatte ihren Antrag seit der vorangegangenen Sitzung modifiziert. Am 10. Juni war beschlossen worden, das Panorama-Freibad und danach das Panorama-Bad zu öffnen. Letzteres war nun flexibler formuliert: Über die Hallenbadöffnung werde nach der Sommerpause entschieden.

Fraktionssprecher Wolfgang Tzschupke, der den Antrag vorstellte, betonte deshalb, dass die Verwaltung ihrem Kostenvergleich die falschen Zahlen zugrundegelegt habe, indem sie weiterhin von der Öffnung des Hallenbads nach der Freibadsaison ausgegangen war. "Dann gehen Sie davon aus, dass das Panorama-Bad bis Ende des Jahres zu bleibt", staunte nicht nur der OB, sondern auch Carola Broermann (CDU), die die Argumentationskette Tzschupkes, der einen um 30.000 Euro günstigeren Kostenansatz für seine Fraktion in Anspruch nahm, für "nicht schlüssig" hielt. So seien die Anträge, was die Auswirkungen auf den Wirtschaftsplan des Bäderbetriebs betrifft, nicht vergleichbar, stellte Broermann fest.

Eines war allen klar: Ein enormes Verlustgeschäft wird die Badesaison 2020 sowieso – schon wegen des Personalaufwands, den die strengen Hygienevorgaben des Landes zur Corona-Pandemie nach sich ziehen. OB Osswald machte deutlich, was das bedeutet: Zur Öffnung des Freibads würden 100 Prozent der Mitarbeiter des Panorama-Bads, 80 Prozent der Garderobe und 100 Prozent der Kasse aus der Kurzarbeit geholt. Die Freibadöffnung erfordere einen dreifachen Personaleinsatz. "Wie gehen wir danach mit den Mitarbeitern um, wenn im August eine weitere Diskussion ansteht?", fragte er in Richtung Freibad-Befürworter. Müsse man diese Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit schicken, sollte das Hallenbad geschlossen bleiben?

Er, so Osswald, könne sich nicht vorstellen, dass die Stadt dann monatelang kein Bad öffne – deshalb unterscheide sich der Antrag von FWV/FDP nicht sehr vom vorigen. "Alles, was über die nächsten sechs Wochen hinausgeht, ist Spekulation", entgegnete Tzschupke in Hinblick auf eine mögliche zweite Corona-Welle.

Haug für Arbeitsteilung mit Baiersbronn

Seine Fraktionskollegin Beate Gaiser lieferte sich einen Disput mit dem OB. Sie sei enttäuscht gewesen, dass Osswald in der letzten Sitzung den touristischen Aspekt bei der Freibadöffnung "so in Zweifel gezogen" habe. Eine Bademöglichkeit sei für Gäste nicht unerheblich, egal ob Tagestouristen oder Übernachtungsgäste. "Tagestourismus ist auch Tourismus", sagte sie. Zudem habe die Stadt das Freibad "über den Tourismusfördertopf finanzieren lassen". Die Vertreter der Verwaltung widersprachen. Osswald zweifelte eine starke Bedeutung des Freibads für den Tourismus genauso an wie Bäderchef Tobias Degout, der sagte: "Es kommt kein Tourist hierher wegen des Freibads." Attraktionen wie der Rutschenturm gehörten zum Panorama-Bad.

Hermann John (FWV) führte weitere Lockerungen ins Feld, die an diesem Freitagabend zu erwarten seien: "Wenn wir uns heute entscheiden, das Freibad zu zu lassen und das Hallenbad in drei, vier Wochen zu öffnen, und dann kommen Lockerungen, dann haben wir verloren." Lockerungen beträfen eines sicherlich nicht, entgegnete der OB: die Abstandsregelung. "Und die hemmt uns bei der Besucherzahl und der Aufsicht."

Friedrich Volpp (FWV) bezeichnete das Schwimmen als Grundbedürfnis des Menschen. Nicht ganz ernst gemeint schlug er vor, es bei Engpässen im Etat zu machen wie in alten Zeiten: ein Sonderhieb im Wald.

Bärbel Altendorf-Jehle, die mit ihrer Bürgeraktion für die Öffnung des Freibads stimmte, wähnte im Hallenbad mehr potenzielle Corona- "Hotspots" als draußen und hob soziale Aspekte für Familien hervor: Das Freibad sei günstiger.

Freie Wähler/FDP und Bürgeraktion setzen sich durch

"Für uns ist es wichtig, dass wir jeden Euro sparen", betonte Carola Broermann und argumentierte wie ihre Fraktionskollegen Andreas Bombel und Rolf Megnin dahingehend, auch im kommenden Jahr freiwillige Leistungen bieten zu wollen: "Wir haben nichts für Vereine, wenn wir’s Geld verpulvert haben." Das wiederum wollte Beate Gernsheimer (FWV) so nicht stehen lassen. Sparen wollten alle, betonte sie – und erinnerte an die Investition von 80.000 Euro für die Kletterwand im Panorama-Bad: Die Entscheidung sei gefallen, als es Corona bereits gegeben habe.

Eberhard Haug von der SPD, die in der Bäderfrage mit der CDU übereinstimmt, sprach sich für eine Aufgabenteilung mit der Nachbargemeinde Baiersbronn aus, mit der man ja auch in Sachen Gartenschau eng zusammenarbeite: Baiersbronn öffne die Freibäder, Freudenstadt das Hallenbad. "Wir müssen als Region denken", sagte Haug.

Am Ende setzen sich aber Freie Wähler/FDP und Bürgeraktion durch. "Wir werden das Panorama-Freibad zum Termin Mitte Juli öffnen", verkündete der OB eine Entscheidung, die ihm nicht gefällt. Im August steht die nächste an: Soll das Panorama-Bad im Herbst öffnen?

Böse Zungen behaupten, die Freien Wähler hätten sich auch deshalb so auf die Öffnung des Pano-Freibads versteift, weil unter ihnen der eine oder andere Frühschwimmer auf sein Recht poche. Nun gut, in aller Herrgottsfrühe dürfte ja noch nicht allzu viel los sein in so einem Bad – und die Angst vor einem Corona-"Hotspot" oder einem "Super-Spreader" in der Nähe geringer. Wie dem auch sei: Sollten sich die Gemeinderäte bald selbst in die Pano-Fluten stürzen wollen, sollte sich das eine oder andere Gremiumsmitglied nochmals eingehend mit dem Abstandsgebot in der Pandemie befassen. Eineinhalb Meter werden uns da täglich eingetrichtert. Und das, liebe Gemeinderäte, sind großzügig geschätzt 1,30 Meter mehr, als einige von Ihnen den Zuhörern bei Ihrer Grüppchenbildung in der Sitzungspause – wenn auch mit Mund-Nasen-Schutz – vor Augen führten.

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