Feilenhauermeister Gerhard Bührle ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Foto: Bäuerle Foto: Schwarzwälder-Bote

Einer der letzten seines Berufsstands in ganz Deutschland / Mehrere Jahre Mitglied im Gemeinderat

Freudenstadt. Gerhard Bührle aus Freudenstadt ist am Mittwoch im Alter von 82 Jahren im Beisein seiner Familie gestorben. Der Feilenhauermeister war unter anderem mehrere Jahre im Gemeinderat in Freudenstadt.

 

Gerhard Bührle wurde am 15. Juli 1928 in Freudenstadt geboren. Er wuchs mit seinen Schwestern Hilde, Liesel und Hedwig auf. Die anderen vier älteren Geschwister waren bereits im Kindesalter verstorben. Nach der Schulzeit lernte er im elterlichen Betrieb das Handwerk des Feilenhauers.

In den letzten Kriegsmonaten musste er noch als 16-Jähriger zur Wehrmacht einrücken und kehrte nach nur kurzer Gefangenschaft aus dem Krieg zurück. Danach war er wieder in der elterlichen Feilenhauerei tätig und legte im Jahr 1952 die Meisterprüfung als Feilenhauermeister ab.

Am 30. März 1957 heirateten Gerhard und Anneliese Bührle, geborene Baldenhofer, in Freudenstadt – 2007 wurde goldene Hochzeit gefeiert. Im September 1958 kam ihr Sohn Bernhard zur Welt, im Juli 1961 Tochter Christa und im Juni 1963 Tochter Karin. Mit seinem treuen Arbeiter und Freund Emil Abberger betrieb Gerhard Bührle in seiner Werkstatt im Christophstal das traditionsreiche Feilenhauerhandwerk und den Schleif- und Schärfdienst. Im Büro half ihm seine Frau Anneliese. Auch wenn sich die Arbeit immer mehr weg von der ursprünglichen Feilenhauerei entwickelt hat, war er seinem erlernten Handwerk bis zuletzt stark verbunden, wusste er doch, dass er einer der letzten seines Berufsstands in Deutschland war. Bis in seinen letzten Lebenstagen führte ihn der tägliche Gang in seine Werkstatt und wenn es gesundheitlich möglich war, hat er noch Sägen geschärft.

Gerne führte er in den vergangenen Jahren Besucher durch seine alte Feilenhauerwerkstatt. Dass seine zum Teil über hundert Jahre alten Maschinen noch alle voll funktionsfähig sind, erfüllte ihn mit Stolz. Wer zu einer Führung in die alte Werkstatt kam, kam nie darum herum, sich auch die Wasserkraftanlage mit Turbine und Wasserrad anzusehen. Der Wasserkraft und Stromerzeugung galt seine zweite große Leidenschaft. Bereits über 70 konstruierte und baute er noch ein neues Wasserrad in die Wasserkraftanlage ein.

Gerhard Bührle war in allem ein Mann aus der Praxis mit einem außergewöhnlichen handwerklichen Geschick und Verständnis. Viel Freude bereitete es ihm, dass sein Enkel Michael ihm in der Werkstatt über die Schulter schaute. Enkel Martin war der gefragte Berater, wenn Gerhard Bührle mit dem Computer kämpfte – im vergangenen Jahr hatte er noch einen Computerkurs absolviert.

Von 1978 bis 1984 war Bührle als Stadtrat tätig und setzte sich dort stets dafür ein, dass praxisgerechte und für den Bürger verständliche Lösungen gefunden werden. Wo dies nicht der Fall war, konnte er sehr streitbar sein. Für viele Freudenstädter war er auch nach seiner aktiven Zeit als Stadtrat Ansprechpartner in vielerlei Fragen und Anliegen. Das kommunalpolitische Geschehen verfolgte er bis zuletzt mit viel Interesse.

Die Treffen mit seinem sehr aktiven Jahrgang 1928/29 waren ihm immer wichtig. Bei den Jahrgangsfeiern war er ein gefragter Gedichteschreiber und half bei der Organisation. Mit seiner Frau Anneliese sang er viele Jahrzehnte im Freudenstädter Kirchenchor, wo sich die beiden einst kennengelernt hatten, und später in der Kantorei. Außerdem beschäftigte er sich intensiv mit der Heimatgeschichte Freudenstadts und war bis zu seinem Tod Mitglied im Heimat- und Museumsverein.

Die Beerdigung ist am Montag, 16. August, um 14 Uhr auf dem Friedhof in Freudenstadt.