Hotel Grüner Wald entstand aus einer Blockhütte für die Eisenbahner / Nächste Generation in den Startlöchern
Von Hartmut Breitenreuter
Freudenstadt-Lauterbad. Einst war es eine Blockhütte zur Verpflegung der Eisenbahner. Heute ist es eins der führenden Vier-Sterne-Häuser in Freudenstadt. Das Hotel Grüner Wald in Lauterbad hat eine bemerkenswerte Geschichte.
An die Hütte, die 1885 aufgestellt wurde, als das Lauterbader Eisenbahnviadukt gebaut wurde, erinnert heute freilich nichts mehr. Doch in 125 Jahren Geschichte ist eins geblieben: die Familientradition. Es waren der Bierbrauer Andreas Heinzelmann und Katharina-Franziska Müller, Schultheißentochter aus Huzenbach, die das Gasthaus Zum grünen Wald um die Jahrhundertwende umtrieben. Schon damals war es bei Kutschern und Fuhrleuten eine beliebte Einkehrmöglichkeit, da auch für die Pferde ein Brunnen und Unterstellplätze vorhanden waren. Sohn Friedrich Heinzelmann heiratete Friederike Oesterle aus Aach, die zusammen mit ihrem Sohn Friedrich den Gasthof in den Jahren des Zweiten Weltkriegs betrieb. In den 1950er-Jahren begann der Aufschwung des Gasthofs Grüner Wald. Die unmittelbar am Haus vorbeiführende Bundesstraße sorgte für steigende Gästezahlen.
Walter, der älteste Sohn von von Friederike Heinzelmann, absolvierte seine Ausbildung zum Koch im Hotel Rappen. 1953 heiratete er Luise Hummel. Die Eheleute machten den Gasthof Grüner Wald zu einem aufstrebenden Hotel und übernahmen das Haus im Jahr 1960. Aus der Ehe stammen die Töchter Elke, Karin und Heike Heinzelmann.
Elke Heinzelmann begann Anfang der 1970er-Jahre eine Ausbildung an der Hotelfachschule, bildete sich zur Hotelkauffrau weiter und kehrte 1978 in den elterlichen Betrieb zurück. Bereits 1968/69 wurde ein Gästehaus mit 40 Betten neu gebaut. Die folgenden Jahre waren durch etliche Investitionen geprägt. 1979 wurden Gasthaus und Gästehaus miteinander verbunden. Es entstanden Appartements und ein Hallenbad.
Im Mai 1981 heiratete Elke Heinzelmann den Hotelkaufmann und Küchenmeister Horst Hoyer, der noch bis 1986 in internationalen Hotels seine Erfahrungen sammelte. 1985 wurde die Umgehungsstraße fertiggestellt. Lauterbad war plötzlich "abgehängt" vom großen Verkehr. Was anfangs von Elke Heinzelmann skeptisch beurteilt wurde ("wir haben viel von der Straße gelebt") erwies sich nach kurzer Zeit als Glücksfall. Die Ruhe und die Lage, umgeben von Wald und Wiesen passte hervorragend zum Wachstumsmarkt Wellness.
Dem trugen Horst und Elke Hoyer, die das Haus am 1. Mai 1986 übernahmen, durch zahlreiche Investitionen Rechnung, um den internationalen Anforderungen gerecht zu werden. Im Jahr 2000 wurde eine neue Sauna- und Badelandschaft gebaut. Regelmäßig wurden die Zimmer, das Restaurant, die Tagungsräume und die Außenanlagen den Erfordernissen der Zeit angepasst.
Die Klassifizierung als Vier-Sterne-Haus belohnte die Familie dafür. 30 Mitarbeiter kümmern sich heute um das Wohl der Gäste in Lauterbad. Auch nach 125 Jahren ist Elke und Horst Hoyer die familiäre Atmosphäre in gehobenem Ambiente wichtig. Viele Stammgäste kommen regelmäßig nach Lauterbad. Familien mit Kindern gehören ebenso zum Kundenkreis wie Geschäftsleute aus zahlreichen Firmen der Region. Vier Pferde, Ponys und Ziegen gehören ebenfalls zur "Hotelbelegschaft". Auch prominente Gäste wie zum Beispiel Lothar Späth, Hardy Krüger oder Gotthilf Fischer konnten in Lauterbad begrüßt werden.
Die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen will auch die Familie Hoyer nutzen und plant über den kommenden Winter erneut Investitionen in die Haustechnik, in die Zimmer und ins Restaurant.
Das 125-jährige Bestehen des Hotels Grüner Wald wurde stilgerecht gefeiert. Die Familie hatte Gäste eingeladen, die in den vergangenen Jahren 125 und mehr Tage in ihrem Hotel Urlaub gemacht hatten und verwöhnte sie mit einer Festwoche.
In die Zukunft können Horst und Elke Hoyer mit Zuversicht blicken. Tochter Anke hat gerade ihren Bachelor im Hotelmanagement absolviert. Die Weichen für den Hotelbetrieb in Familienhand sind gestellt. Es ist dann die fünfte Generation.