Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Freudenstadt Eltern vertrauen den Sonderschulen

Von
Die Änderung im Schulgesetz wirkt sich im Kreis Freudenstadt kaum aus. Foto: © Fotohansel / Fotolia.com

Kreis Freudenstadt - Was hilft dem Kind am besten? Die Pflicht zum Besuch einer Sonderschule ist seit knapp zwei Jahren abgeschafft. Im Kreis Freudenstadt vertrauen dennoch 94 Prozent der Familien, die ein Kind mit Förderbedarf haben, der Arbeit der darauf spezialisieren Einrichtungen.

Und die Arbeit, die die "Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren" (SBBZ) im Kreis anbieten, ist breit gefächert. Einblicke gaben die Schulleiter in der Sitzung des Verwaltungs- und Sozialausschusses des Kreistags am Montag. Rund 440 Kinder und Jugendliche besuchen derzeit eine der fünf SBBZ-Schulen, die unter der Trägerschaft des Landkreises stehen. Dazu kommen drei private Förderschulen.

Sechs Prozent der betreffenden Eltern ziehen ein "inklusives Setting" vor, wie es die geschäftsführende Schulleiterin Ester Lang formulierte. Soll heißen: Obwohl ein Förderbedarf festgestellt wurde, besuchen sie Regelschulen. Ob das aus Sicht der Pädagogen immer klug ist, blieb offen. Man müsse immer den Einzelfall ganz genau betrachten, so Lang auf Nachfrage. Sie spricht im Übrigen auch lieber von Förderanspruch als von Förderbedarf.

Dabei habe sich mit dem neuen Schulgesetz eigentlich gar nicht viel verändert. Es sei schon zuvor "gute Gepflogenheit" gewesen, "im Konsens mit den Eltern eine gute Lösung zu finden". Dem stimmte auch Kreisrat Eberhard Haug (SPD) zu: "Das staatliche Schulamt hat hier nie gegen den Willen der Eltern entschieden." Dabei verfolgen auch die Lehrer in den SBBZ das Ziel, den Kindern und Jugendlichen auf dem Weg zu einem selbstständigen Leben mitten in der Gesellschaft zu helfen. Sie arbeiten dabei alles andere als abgeschottet von der Außenwelt.

Allerdings verfolgen sie teils einen anderen Weg: Die Lerngruppen seien kleiner, es gebe feste Bezugspersonen, eine ausführliche Diagnostik, eine gezielte Arbeit an den Defiziten und eine Vorbereitung auf den Übergang in eine Lehre oder den Wechsel an eine berufliche Schule. Viele Kinder schaffen auch mittendrin den Sprung an eine Regelgrundschule, an die Werkrealschule oder an eine Gemeinschaftsschule. "In der Regel besuchen später alle eine weiterführende Schule. Das ist auch unser Ziel."

Die Ursachen für Probleme seien vielfältig. "Es gibt Behinderungen, Blockaden, Konzentrationsschwächen oder psychische Probleme. Das kann ganz verschieden sein", erklärte Dunja Möhrle, Leiterin der Christophorus-Schule Freudenstadt. Das würde auch Ester Lang so unterschreiben: "Bis die Kinder zu uns kommen, haben sie in aller Regel schon ganz viel erlebt." Ansatz der SBBZ sei es, den Kinder ihre Stärken bewusst zu machen, "nicht nur die Defizite aufzuzeigen". Der Lehrstoff sei auf das Tempo der Kinder abgestimmt. Es herrsche ein "wertschätzender Umgang". Die Christophorus-Schule beispielsweise biete dasselbe Programm wie eine allgemeinbildende Schule. "Der Unterschied ist, dass die Kinder bei uns ein Jahr mehr Zeit dafür haben", so Möhrle.

So vielfältig die Gründe für Lernprobleme sind, so groß ist das Angebot, den Kindern zu helfen. Der Kreis Freudenstadt bietet an seinen SBBZ viele Förderkonzepte an, die teils schon im Kindergarten-Alter greifen, allerdings nicht überall. Frühförderung und sonderpädagogischen Dienst gebe es aber an allen SBBZ. Neu geschaffen wurden zwei Verbünde im Kreis: die Pestalozzischule für den Raum Horb und die Eichenäcker-Schule für den Raum Freudenstadt. Sie stimmen die Förderangebote im Kreis ab und lotsen die Eltern zum passenden Konzept für ihre Kinder.

Denn die Konzepte sind auf den ersten Blick kaum durchschaubar: Die Roßberg-Schule Horb bietet etwa zusätzlich Lesepaten und Jugendbegleiter an, ferner Schulsozialarbeit, AGs am Nachmittag und soziale Gruppenarbeit, sagte Rektor Joachim Straub. Sie pflegt diverse Kooperationen, etwa mit Vereinen am Ort. Ein Schulförderverein mit rund 50 Mitgliedern habe bislang rund 70 000 Euro Spenden aufgetrieben, um Extras möglich zu machen, etwa den Bau eines Kletterraums in der Schule oder Zuschüsse für Mittagessen und Klassenfahrten. Es gebe eine "Tugend des Monats" und ein "Wochenlob". Ein Lob tue jedem Kind "richtig gut", so Straub. "Am Anfang war es den Schülern eher peinlich. Mittlerweile sind sie fast scharf drauf."

Die Pestalozzischule Horb bietet hingegen Frühförderung von Kinder vom ersten bis zum sechsten Lebensjahr an, so Angelika Pavlicek. Die Betreuung reicht vom Schulkindergarten bis zu Vorbereitungsklassen in den Berufsschulen Freudenstadt und Horb. Sie hat eine Außenklasse an der Grundschule Talheim, eine andere der Chris-tophorusschule gibt es am Schulzentrum Pfalzgrafenweiler – auch eine Möglichkeit der "Inklusion". Auf dem Schulgelände gibt es eine "Trainingswohnung", in denen Jugendliche lernen können, wie es ist, "sich weitgehend selbst zu versorgen".

"Eigene Wege zur Inklusion" beschreitet auch die Eichenäcker-Schule Dornstetten, nach Aussage von Konrektor Volker Thum mit Erfolg: "Es sind unglaublich viele, die wir in einen Arbeitsplatz bringen." Auch die Brüder-Grimm-Schule Glatten meldet Erfolge: "Vier Schülerinnen der beiden zweiten Klassen wechseln an die örtliche Grundschule, 15 Viertklässler an weiterführende Schulen", so Rektorin Ester Lang.

Die Kreisräte waren nach der zweistündigen Runde beeindruckt von der Bandbreite der Konzepte, Landrat Klaus Michael Rückert zufrieden mit dem Ziel der Übung. Tore-Derek Pfeifer (FWV) lobte die Qualität der SBBZ, die "hervorragende und nachhaltige Arbeit" leisten. Rückert war es ein Anliegen, zu zeigen, "wie vielfältig das Angebot" im Kreis ist. Laut Kreisrat Haug hätten auch die Berufsschulen ihre "anfängliche Zurückhaltung" aufgegeben und Berührungsängste abgelegt, nicht ohne Grund. Die Christophorusschule etwa meldet beim Ziel, ihren Schützlingen zum Hauptschulabschluss zu verhelfen, eine "Erfolgsquote von 98 Prozent", die Ausbildungsinitiative zusammen mit namhaften Betrieben der Region existiere seit zehn Jahren. "Einige haben sogar den Industriemechaniker in der Tasche", so Dunja Möhrle, "die sind wirklich angekommen im Berufsleben."

Der Weg der Kinder an ein SBBZ beginnt durch einen Antrag der Eltern beim Schulamt. Die Behörde gibt dann ein Gutachten in Auftrag, das von einem Sonderschul-Lehrer nach standardisierten Testverfahren erfolgt. Wenn ein Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot festgestellt wird, haben die Eltern die Wahlfreiheit: Inklusion oder, je nach Art der Behinderung oder Beeinträchtigung, der Besuch des Kindes in einer SBBZ. Die SBBZ haben unterschiedliche Schwerpunkte, Aufgaben und Stärken. Den Schwerpunkt "Lernen" bieten die Christophorus-Schule Freudenstadt und die Rossbergschule Horb, "geistige Entwicklung" die Pestalozzischule in Horb und die Eichenäcker-Schule in Dornstetten, "Sprache" die Brüder-Grimm-Schule in Glatten. Die fünf Schulen stehen in Trägerschaft des Kreises. Dazu gibt es Kooperationen mit drei SBBZ in privater Trägerschaft: Die Dreifürstensteinschule der KBF Mössingen in Dornstetten (körperliche und motorische Entwicklung) sowie die Ludwig-Haap-Schule in Loßburg der Bruderhausdiakonie Reutlingen und der Osterhof in Klosterreichenbach des Vereins Osterhof (Schwerpunkt soziale und emotionlae Entwicklung). Schulkindergärten gibt es an der Eichenäcker-Schule und an der Pestalozzischule, die Brüder-Grimm-Schule arbeitet im Sprachheilkindergarten der Bruderhausdiakonie in Dornstetten zusammen.

Ihre Redaktion vor Ort Freudenstadt

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.