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Freudenstadt Einstiges Grandhotel hat wieder Zimmer frei

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Historischer Charme in funktionellem Gewand: Die Ernst Luz-Suite hat altes Flair und bietet dennoch alle Grundvoraussetzungen für einen einfachen Aufenthalt im ehemaligen Hotel Waldlust. Foto: Kuball

Freudenstadt - Übernachten in einem aufgegebenen, alten Hotel? Das gibt es jetzt in Freudenstadt. Der Denkmalverein Freudenstadt startete kürzlich mit seinem neuen Angebot "Übernachten im Kulturdenkmal".

Dass in dem an manchen Stellen doch schon recht angegriffenen und baufällig wirkenden ehemaligen Hotel noch einmal Gäste übernachten, hätte vor ein oder zwei Jahren niemand, auch nicht der Denkmalverein selbst, für möglich erachtet. Denn sehr lange steht das einst noble und international berühmte Haus in Freudenstadt schon leer. Zudem waren die Bausubstanz und die Innenverhältnisse bis zur Schließung des Hotelbetriebs im Frühjahr 2005 schon merklich abgezehrt. Und der Sanierungsstau damals bereits ein ungelöstes Dauerthema.

Doch als im vorigen Winter die Denkmalfreunde Waldlust daran gingen, die Heizanlage wieder in Betrieb zu nehmen, um zumindest den großen Ballsaal konstant zu temperieren und so auch eine ganzjährige Nutzung zu ermöglichen, wurden weitere Überlegungen im Umgang mit dem alten Bauwerk geboren.

Im gleichen Zug und dank einer Technik-Taskforce um Vorstandsmitglied Björn Kübler wurden die Hauselektrik der Saalräumlichkeiten modernisiert und aufdimensioniert sowie die Beleuchtung in vielen Bereichen funktional verbessert. Ein Außenstrahler taucht seither das Haus auch abends in Licht. Die Besucher-Toilettenanlagen wurden ebenfalls wieder in Betrieb genommen, Warmwasseranschlüsse wiederhergestellt, eine Saaltechnik für Veranstaltungen installiert.

Wohlwissend auch um diese Annehmlichkeiten und Verbesserungen der Infrastruktur in dem Gebäude sind die Buchungsanfragen weiter gewachsen. Seit Jahren wird die "Waldlust" von Fotografen, Hobbyfilmern, Videomachern und Filmproduzenten als begehrte Kulisse nachgefragt. Es reisen ganze Fotoclubs mit Models und Wagenladungen an Equipment an. Die Kontaktmaschinerie und Vertriebswege am Laufen zu halten, kostet Susanne Krutinat vom Vereins-Ressort Eventmarketing viel Zeit, Aufwand und Organisationsgeschickt. Doch diese Nutzungen helfen nicht nur die dringend benötigten Mittel für den Denkmalerhalt und eine Zukunft Hotel Waldlust zu erwirtschaften – diese Belebungsformen sind überhaupt der Sicherungsanker für das Kulturdenkmal.

Der Vorstand der Bauunterhaltung, Stefan Niesner, sagt: "Ein ungenutztes Denkmal ist bald ein totes Denkmal." Immer tatendurstig, dieses Nutzungsspektrum zu erweitern, hat vor allem die Familie Kübler alle aktiven Kräfte um sich geschart und erhebliche Anstrengungen unternommen, um die alte Hotelküche und ausgewählte Zimmer und Suiten tauglich zu machen.

Sogar Flauschpantoffel sind vorhanden

In der zweiten Hoteletage wurde die Wintergarten-Suite einer gründlichen Reinigung unterzogen und auch ausstattungsmäßig auf Vordermann gebracht. Nun gleißt wieder Licht aus den vierarmigen Messingleuchtern im Stil der 50er-Jahre, sind die Betten mit neuen Matratzen versehen, glänzen das Bad und Armaturen und liegen sogar verpackte Flauschpantoffel am Fuß­ende des Betts für den Hotelgast bereit.

Bereits seit Oktober ist der Übernachtungsbetrieb im ehemaligen Hotel Waldlust am Start. Bei der jüngsten Hochzeitsfeier in den Festsälen hatte das Brautpaar die Gelegenheit beim Schopf gepackt und sich einige Treppenstufen höher eine ganze Nacht im Denkmal gegönnt. Mittlerweile und nachdem auch die förmlichen Anmeldeverfahren etwa bei der Freudenstadt Tourismus für einen derartigen Betrieb vollzogen sowie die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, haben die Denkmalfreunde allerlei Vorabbuchungen im Kalender stehen.

Das Interesse an einem "Übernachten im Denkmal" ist merklich gewachsen. Die Gäste in der eigentlich stillgelegten einstigen Nobelherberge erwartet kein durchgängiger Komfort, keine geschäftige Rezeption und kein funkelndes Tafelgeschirr sowie herumeilende Kellner. Das Haus ist weiterhin zu großen Teilen unbeheizt, auf den Fluren spärlich ausgeleuchtet und kann gegen einsame Nächte kein Vergnügungsprogramm aufbieten. Jedoch steht für die Gäste im Parterre ein Kaffee-Vollautomat bereit, in der "American Bar" sind Getränke griffbereit und zur Morgenstunde wird ein Pensionsfrühstück herbeigebracht.

Das "Erlebnis-Übernachten", wo Könige, Fürsten und ein indischer Maharadscha mit ganzem Gefolge einst ihre Häupter zur Ruhe betteten, hat freilich seine ganz speziellen Reize. Die ersten Gäste schätzen die grandiose Aussicht des Panoramahotels, die immense und auch in dem historischen Prunk und Dekor spürbare Geschichtsbedeutung der "Waldlust" und manche auch den sanften Nervenkitzel beim Verweilen in einem Gebäude voller Magie und Musealität.

In diesem Jahr feiert das ehemalige Hotel Waldlust Freudenstadt seien 120-jähriges Bestehen als geplantes Sommerhaus und im Jahr 2020 das Jubiläum 120 Jahre Exklusiv-Hotel und Wald-Restauration.  Eine Nacht im Kulturdenkmal Waldlust kann man für 60 Euro mit Frühstück buchen. Zurzeit stehen sechs Betten in der Ernst-Luz-Grandsuite bereit.

Weitere Informationen: Per E-Mail an info@denkmalfreunde.de oder Telefon 07441/7 08 93 80.

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