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Freudenstadt Eine "Sternstunde" mit Literaturprofessor

Von
Guy Stern berichtete den Schülern von seinem Leben. Foto: Schule Foto: Schwarzwälder Bote

Es war eine Sternstunde in doppelter Bedeutung, als Guy Stern in diesen Tagen mit Schülern der Wirtschaftsschule in Freudenstadt diskutierte.

Freudenstadt. Guy Stern, Jahrgang 1922, international renommierter und hochdekorierter Literaturprofessor in Detroit (USA) mit zahlreichen Gastprofessuren auch an deutschen Universitäten, erzählte Episoden aus seinem bewegten Leben als Jude in Deutschland und den USA und stellte sich den Fragen der Schüler.

Guy Stern wurde 1922 als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers in Hildesheim geboren und erlebte in jungen Jahren die Schikanen und Verfolgung der jüdischen Familien. Damals trug er noch den Namen Günther Er las dazu aus seiner derzeit entstehenden Autobiografie "Ihr müsst sein wie unsichtbare Tinte" einige Passagen vor. Den Satz von der unsichtbaren Tinte hatte Sterns Vater zu seinen Kindern gesagt, um sie zu ermahnen, unter der ständigen Bedrohung der Nazis möglichst unauffällig zu leben. Als die Schule für die jüdischen Kinder zur "Folterkammer" wurde, wie sich Stern erinnert, hatte er das Glück, zu den 1000 Kindern zu zählen, die eine Organisation aus St. Louis (USA) aus dem Naziterror holte. Aus Günter wurde Guy, wurde ein Student, der zum US-Militär eingezogen und in den Krieg nach Europa zurückgeschickt wurde.

Als "Ritchie Boy", der deutsche Kriegsgefangene verhörte, erlebte Guy Stern die Invasion in der Normandie mit. Er verlor seine Eltern und Geschwister im Warschauer Ghetto und im Vernichtungslager in Treblinka, sein Elternhaus in Hildesheim wurde zerstört. Zurückgekehrt in die USA beendete er sein Studium, wurde Lehrer, promovierte und wurde Professor für deutsche Literatur.

Immer mit einem Schuss Selbstironie

Mindestens einmal im Jahr kommt Guy Stern nach Deutschland zu Vorträgen, Ehrungen, als Laudator, für ein Spiegel-Interview, zu politischen und literarischen Diskussionsrunden und als Mitglied verschiedener Gesellschaften. Fast immer verbindet er dies mit dem Besuch in einer Schule. Im Multifunktionssaal der Eduard-Spranger-Schule erwies sich Stern als ein weiser, unkomplizierter, witziger und charmanter Erzähler, der ohne jegliche Verbitterung Episoden aus schlimmen und guten Zeiten zu erzählen weiß, immer mit einem Schuss Selbstironie und fern jeglicher Eitelkeiten. Er empfindet mal Studenten als zu "zahm", fordert die Schüler wiederholt auf, zu sich selbst zu finden, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln und ihr treu zu bleiben: "Heute steht viel auf dem Spiel. Bei euch und bei uns. Haltet euch fern von Pauschalurteilen. Wichtig ist es, Gegenbilder zu Verallgemeinerungen zu entwickeln, die in manchen Parteien zu spüren sind."

Mit der ganzen Erfahrung eines langen Lebens als Hochschullehrer und Autor mahnt der Professor: "Eigenes Denken ist die Voraussetzung für eine gesunde Demokratie. Eigene Urteile zu formen, führt zu einem neuen Fortschritt." Wie kommt ein Mann wie Guy Stern in die Spranger-Schule? Das ist eine eigene Geschichte.

In einer Klasse der zweijährigen Berufsfachschule Wirtschaft (2 BFW) setzte sich der Schülerwunsch durch, im Deutsch-Gemeinschaftskunde-Unterricht das "Tagebuch der Anne Frank" durchzunehmen. Daraus entstand der Wunsch, Zeitzeugen aus dieser Zeit befragen zu können. Der Zufall half mit, dass Lehrerin Birgitt Michalek, die zusammen mit ihrer Kollegin Heike Karrer den prominenten Besuch organisierte, über das Netzwerk Wertevielfalt im Nordschwarzwald vom Deutschland-Besuch des amerikanischen Professors erfahren und ihn daraufhin eingeladen hatte. An der "Sternstunde" nahmen auch Schüler der zweijährigen Berufsfachschule 2 und des Berufskollegs (BKFH) teil.

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