Nicht mehr viel übrig ist vom Stall des Landwirts Christian Nübel. Foto: Schillaci

"Vor meinen eigenen Augen verbrannt." Landwirt geht von Brandstiftung aus. Engen Bezug zu verendeten Tieren gehabt.

Freudenstadt-Dietersweiler - Hilflos zusehen musste Christian Nübel in der Nacht auf Samstag, wie einige seiner Rinder beim Brand seines Stalls in Dietersweiler qualvoll verendeten. Die Fassungslosigkeit sitzt tief. Doch es gibt ein kleines Trostpflaster: Ein vermisstes Tier ist wieder aufgetaucht.

Um 0.04 Uhr bekam Christian Nübel einen Anruf eines Bekannten. Er informierte ihn darüber, dass der Stall in Flammen seht. Vier Minuten später traf Nübel selbst dort ein. Von den etwa 40 Tieren befanden sich etwa 20 im Freilauf. Die anderen Rinder waren eingesperrt.

"Vor meinen eigenen Augen verbrannt"

Nübels erster Reflex war es, im Gebäude die Treppen hinauf zu gehen, um den Schlüssel zu holen. Doch die Flammen hatten sich bereits ausgebreitet. Somit war es nicht möglich, an den Schlüssel zu kommen. Gemeinsam mit seinem Bekannten konnte der 36-Jährige die Tiere im Freilauf auf die Weide hinaus treiben. Doch den Rindern, die sich im Stall befanden, war nicht mehr zu helfen.

Ein Seelsorger versuchte, Nübel zu beruhigen. Mit der Information, dass die Rinder erstickt und nicht verbrannt seien. "Ich war aber dabei. Ich habe es live gesehen, wie sie vor meinen eigenen Augen verbrannt sind", sagt Nübel im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Ein Deckbulle hatte es sogar nach draußen geschafft. Kehrte jedoch – wohl instinktiv – um und lief wieder in den brennenden Stall. Die vordere Tür des Gebäudes wurde nicht geöffnet. "Die Hitze war zu groß, um bis dahin vorzudringen", so Nübel.

Verletzte Rinder werden behandelt

Die Tiere, die überlebt haben, befinden sich nun wieder auf der Weide. Vier verletzte Rinder wurden auf dem Hof im Rosenweg untergebracht, wo sie nun behandelt werden. Zu den Tieren hat Nübel einen "sehr engen Bezug". "Wer mich und meine Tiere kennt, sieht uns das auch an", fügt er an. Er könne sogar bei jedem Rind etwas zur Abstammung sagen. "Ich war bei deren Geburten dabei und habe die Tiere alle aufgezogen", erklärt er.

Bei der Bergung der Tiere am Montagabend war Nübel ebenfalls dabei. Die einzige positive Nachricht der vergangenen Tage war die, dass eine Kuh, die sich wohl aus Angst in einer Hecke versteckt hatte, am Dienstag wieder gefunden wurde. Ein kleines Trostpflaster. Anfänglich ging man von 13 verstorbenen Tieren aus. Nun bestätigt Nübel, dass es zwölf waren. Zehn starben in der Brandnacht, zwei wurden am Folgetag eingeschläfert. Am Mittwochvormittag hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Die Rinder wurden durch die Tierkörperbeseitigungsanstalt abgeholt. "Es ist nicht in Worte zu fassen", beschreibt Nübel seine Gefühlslage. "Ich habe die komplette Fahrt dorthin durchgeheult", erinnert er sich. "Ich funktioniere grad bloß", fügt er an. Der Schock sitzt tief.

Spendenkonto eröffnet

Joachim Auer, Ortsvorsteher von Dietersweiler, ist sich ebenfalls der "emotionalen Belastung" bewusst. Der Ortschaftsrat Dietersweiler habe ihn gebeten, Christian Nübel Hilfe zukommen zu lassen. Hierzu wurde nun ein Spendenkonto eröffnet. "Leider können wir aber in diesem Fall keine Spendenbescheinigungen ausstellen", erklärt Auer.

Des Weiteren fügt Auer an, dass die Kriminalpolizei Handydaten ansehen wolle. "Um zu erschließen, wer sich zu dem Zeitpunkt in der Brandnacht beim Stall aufgehalten hat", so Auer. Nübel jedenfalls sagt überzeugt: "Ich gehe von Brandstiftung aus." In dem Stall habe es keine Elektrizität, Batterien, Kabel oder Maschinen gegeben. Eine Selbstentzündung des Heus ist aus Nübels Sicht "absolut ausgeschlossen".

Polizei ermittelt weiter

Zum Prozedere und den Handydaten will die Polizei "aus ermittlungstaktischen Gründen" keine Aussage treffen, so ein Sprecher.

 Das Spendenkonto zur Unterstützung von Christian Nübel wurde bei der Volksbank Horb-Freudenstadt eingerichtet.