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Freudenstadt Eine Aufführung aus einem Guss

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Mit einer Inszenierung von Daniel Kehlmanns Roman "Die Vermessung der Welt" beeindruckte die Badische Landesbühne das Publikum im Freudenstädter Kurtheater. Foto: Keck Foto: Schwarzwälder Bote

Inspirierendes Theater vor verhältnismäßig wenig Publikum: Die Badische Landesbühne Bruchsal läutete im Kurhaus mit ihrer Inszenierung des Bestsellers "Die Vermessung der Welt" die Schauspielserie des Herbstes ein.

Freudenstadt. Das war gleich mal großes Kino. Daniel Kehlmanns 2005 erschienener Roman fand auf Anhieb internationale Anerkennung mit millionenfacher Auflage. Nicht nur, was Einfallsreichtum angeht, sondern auch sprachlich mit genialer Verquickung von Charakterzeichnung, wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit und erfrischendem Humor.

Eine Bühnenfassung wurde bereits 2008 uraufgeführt, 2012 folgte eine wenig geglückte Verfilmung. Was ist das Besondere an dem Werk? Kehlmann lässt mit Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß zwei Geistesgrößen im Jahr 1828 auf einem fiktionalen Naturforscherkongress in Berlin zusammentreffen. Der eine mischt die Karten als weltläufiger Naturforscher neu, der andere revolutioniert Mathematik und Physik.

Abenteurer und Eigenbrötler

Humboldt kämpft sich in Begleitung seines Assistenten Aimé Bonplant durch Urwald und Steppe, klettert in schwindelnde Höhen und tiefe Höhlen, befährt gefährliche Gewässer, lässt für seine Untersuchungen keine Gefahr für Leib und Leben aus, zeigt sich den Genüssen das Daseins weitgehend abhold. Gauß dagegen, Eigenbrötler, Menschenverächter und Nesthocker, geht der Krümmung des Raums von seinem heimischen Schreibtisch aus nach.

Regisseur Arne Retzlaff zeichnet mit seiner Inszenierung nach der sich eng an die Vorlage haltenden Bearbeitung von Dirk Engler "zwei herausragende Wissenschaftler zwischen Scheitern und Erfolg", so der Spielleiter selbst.

Sechs Darsteller aus dem Pool der Landesbühne bringen den Stoff in über zwei Stunden auf die Bühne. In Rückblenden, verteilt auf die beiden Protagonisten, schildert das Stück deren Lebensgänge.

Ganz stark agieren David Meyer als Humboldt und Martin Behlert in der Rolle von Gauß. Sie werden unterstützt von Elena Weber, Sina Weiß, Stefan Holm und Hannes Höchsmann. Den vier Letztgenannten bleibt eigentlich keine Zeit zum Verschnaufen, schlüpfen sie doch in eine Vielzahl von Figuren um die Forscher herum.

Vergänglichkeit der Geistesgrößen

Da sind beispielsweise Daguerre, der Erfinder eines fotografischen Verfahrens, eine Erzählerin, Gauß’ erste Frau Johanna, die bei der Geburt ihres dritten Kindes stirbt, Gauß’ "nichtsnutziger" Sohn Eugen, der nur Stress verursacht, oder Bonpland, der sich ständig mit Humboldt auseinandersetzen muss. Der Herzog von Braunschweig, mit gewissen Schrullen ausgestattet, tummelt sich ebenso auf der Bühne wie eine spanische Tänzerin, eine nackte Frau, deren eindeutiges Angebot Humboldt erschreckt zurückweist, oder der sich großzügig gebende Graf von der Ohe zur Ohe.

Amüsant und vielsagend die Szenerie, in der Humboldt einem preußischen Polizisten einen Gefallen abringen will, ohne zu kapieren, dass ohne Bestechung nichts läuft, was ihm erst Gauß verklickern muss.

Optisch und akustisch eindrücklich aufbereitet ist auch eine Begegnung des Mathematikers mit dem Philosophen Immanuel Kant. Regisseur Arne Retzlaff interessierte daran, wie er sagt, die menschliche Tragik der Vergänglichkeit, die auch vor Geistesgrößen nicht Halt macht. So hätte der historische Gauß in Königsberg "nur einen dementen, sabbernden Greis angetroffen".

Wenn man dem Stück eine Inszenierung aus einem Guss zuschreibt, muss auch die Leistung des Teams um das Ensemble herum gewürdigt werden. Ella Spätes Ausstattung, die selbst mit wenigen Requisiten tolle Effekte hervorruft, Thilo Schwarz’ stimmungsvolle Beleuchtung und Detlef Heinichens verblüffendes Puppenspiel setzen unübersehbare Akzente.

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