Das Schild ist bezeichnend: Das Filetgrundstück hinter der Seniorenresidenz befindet sich in Besitz eines Investors. Dieser möchte dort zwei Wohnkomplexe errichten. Foto: Alt

Gemeinderat stimmt Änderung des Bebauungsplans Straßburger Straße zu, auch wenn Bedenken groß sind.

Freudenstadt - Auf dem Waldeck-Areal dürfen Wohnungen gebaut werden. Der Gemeinderat gab der Änderung des Bebauungsplans grünes Licht – wenn auch erst nach langer Debatte.Das Grundstück hinter der Seniorenwohnanlage entlang der Straßburger Straße gilt als Filetgrundstück mit Portalfunktion für Freudenstadt. Dass dort nun statt einem Hotel, wie bislang im Flächennutzungsplan vorgesehen, zwei Komplexe mit je sieben Wohnungen gehobener Kategorie gebaut werden sollen, stieß einigen Gemeinderäten in jüngster Sitzung bitter auf. Vergibt man sich langfristig gesehen eine Chance, Touristen mit dem romantischen Blick ins Christophstal nach Freudenstadt zu locken, oder wird die Gelegenheit beim Schopf gepackt, wohlhabendes Klientel als Einwohner hinzuzugewinnen? Die Frage ist nun geklärt, die Richtung eingeschlagen. Mit 18 Ja-, acht Neinstimmen und zwei Enthaltungen hat der Gemeinderat eine Änderung des Bebauungsplans Straßburger Straße/Steinbruchgelände abgesegnet. Namentlich wurden Befürworter und Gegner im Protokoll festgehalten, so wollte es Stadtrat Friedrich Volpp (FWV). Er hatte einen entsprechenden Antrag gestellt, damit die "nachfolgenden Generationen wissen, wer dafür verantwortlich ist".

Volpp war es auch, der die Debatte in jüngster Sitzung ins Rollen gebracht hatte. Er könne die Vorteile einer Wohnbebauung entlang der Hartranft-Promenade nicht nachvollziehen. Auch warf er Oberbürgermeister Osswald erneut vor, die Bebauungsplanänderung in der Sitzung vom 23. Oktober von der Tagesordnung genommen zu haben, weil die Änderung sonst nicht durchgegangen wäre. Sechs Gemeinderäte hatten gefehlt.

Dies wies Osswald entschieden zurück. In einem Mittelzentrum, das stetig Einwohner verliere, müsse in Wohnraum investiert werden, so der OB. Grund für die Vertagung des Tagesordnungspunkts sei allein die Tatsache gewesen, dass noch Gesprächsbedarf mit dem Investor und dem Architekten bestanden habe. Der Grund: An eine Änderung des Bebauungsplans beziehungsweise des Flächennutzungsplans im Parallelverfahren waren Änderungen in der Gebäudeplanung geknüpft, die der Investor nun allesamt umsetzen wird. "Wir haben versucht, eine Verträglichkeit hinzubekommen", sagte Osswald. Da könne man nun nicht kommen und sagen, dass man gar keine Wohnbebauung mehr wolle.

Der Investor habe entgegen der ursprünglichen Planung, die Gebäude gedreht, diese von der Promenade weg gerückt und habe der Bedingung zugestimmt, entweder Photovoltaik und Solarmodule auf den beiden Flachdächern anzubringen, oder diese – vor allem auf den Blick vom Kienberg bezogen – zu begrünen.

Dennoch – die Bedenken im Gremium vor allem hinsichtlich der optischen Wirkung der beiden Gebäude sind groß. Kurt Breuer (BA): "Ein Flachdach mit aufgeständerter Photovoltaik- und Solaranlage kann ich mir nicht schön vorstellen." Ein bisschen schwanger gehe halt nicht, konterte Osswald. Bauamtsleiter Rudolf Müller rechnet bei den Modulen auf dem Flachdach eines der 22 Meter hohen Häuser mit einer Neigung von etwa 30 Grad, die nach der größtmöglichsten Einstrahlung ausgerichtet werden. Ähnliche Bedenken äußerte Elmar Haug (SPD). Bei einem investorbezogegen Bebauungsplan sei besondere Vorsicht geboten. Aus seiner Sicht geschehe die Überplanung zum falschen Zeitpunkt und am falschen Ort. "Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass das Hotel Palmenwald nochmals in die Gänge kommt", gab Haug zu bedenken. Wer vorausschauend plane, müsse die Fläche freihalten. Hier werde ein Kleinod bebaut, in dessen Genuss dann nur wenige kämen.

OB Osswald sieht das anders. Zum einen befinde sich das Waldeck-Areal im Besitz des Investors. Zum anderen wünsche er sich ein Hotel an zentraler Stelle in Freudenstadt. "Außerdem sollten wir froh sein, dass hier Wohnraum für ein gehobenes Klientel geschaffen wird", so Osswald. Stadträtin Carola Broermann (CDU) erhofft sich von der Wohnbebauung vor allem eine Belebung der Straßburger Straße mit ihren Einzelhändlern. Allein 2011 habe Freudenstadt rund 100 Einwohner eingebüßt, der ganze Landkreis sogar 1700. Der Mangel an attraktivem Wohnraum sei einer der Gründe für den Wegzug gewesen.