So kennt man sie: WFG-Geschäftsführerin Claudia Stöhrle (Zweite von rechts) im Kreis von Polit- und Wirtschaftsgrößen auf der Hannovermesse. Doch ein Teil ihrer Gesellschafter werfen der WFG mangelnde Effizienz und Schlagkraft vor. Foto: Archiv

Am Donnerstag will der Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderungsgesellschaft die Weichen neu stellen.

Region Freudenstadt - Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordschwarzwald (WFG) steht am Scheideweg. Gesellschafter nehmen hinter vorgehaltener Hand sogar das Wort "Auflösung" in den Mund. Heute will der Aufsichtsrat die Weichen neu stellen.

Als Vertreter des Landkreises Freudenstadt, der mit einer Einlage von 11 000 Euro an der WFG beteiligt ist, nimmt auch der neue Landrat Klaus Michael Rückert an der Sitzung teil. Er äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung zurückhaltend, ist er doch erst kurz im Amt. Er halte es für wichtig, so Rückert, dass der Nordschwarzwald als Wirtschaftsstandort ein gemeinsames Marketing behalte, "denn gemeinsam sind wir im Konzert der Wirtschaftsstandorte besser wahrnehmbar". Die WFG könne die Wirtschaftsförderung vor Ort in den Städten und Gemeinden nicht ersetzten, sie aber sinnvoll ergänzen. Rückert kündigte an: "Ich werde mich für eine klare Aufgabenteilung und Definition auf allen Ebenen einsetzen, um Dopppelzuständigkeiten zu vermeiden."

Das Damoklesschwert "Auflösung"

Über der WFG-Zentrale in der Pforzheimer Blücherstraße haben sich dunkle Gewitterwolken zusammengebraut. Rainer Prewo, SPD-Kreisrat in Calw und Landtagsabgeordneter, machte, was schon seit geraumer Zeit an Unmut schwelte, in seiner Haushaltsrede Ende vergangenen Jahres öffentlich: "Die WFG Nordschwarzwald", formulierte er, "sollte einmal mehr kritisch daraufhin betrachtet werden, ob ihr Nutzen noch dem ziemlich beträchtlichen Aufwand entspricht." Das war eindeutig. Der Kreis Calw schießt der Gesellschaft in der Goldstadt jährlich 96 000 Euro zu. Im Haushalt des Landkreises Freudenstadt stehen in 2010 73 000 Euro für die WFG-Betriebskosten.

Der Nagolder Gemeinderat hat sich Mitte des Jahres für ein Ausscheiden aus der WFG entschieden, doch Nagolds Stadtoberhaupt Jürgen Großmann (CDU) legte den Ausstieg vorerst auf Eis. Kurz vor der Sommerpause hatten die Freien Wähler im Calwer Kreistag unverblümt den Ausstieg des Kreises aus der WFG gefordert und waren bei der Abstimmung nur knapp gescheitert.

Bei der heutigen Aufsichtsratssitzung sollen die notwendigen Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Mehrere Modelle stehen im Raum: Das kursierende Wort "Auflösung" hängt zwar wie ein Damoklesschwert über der WFG, aber niemand will das endgültige Aus der Gesellschaft wirklich, die wie eine Klammer den Nordschwarzwald – von Freudenstadt über Calw bis Pforzheim – umfasst.

"Effizienter und straffer gestalten"

Wahrscheinlicher ist das Szenario, die Pforzheimer Wirtschaftsförderer dem Regionalverband anzugliedern – eine Lösung, die die CDU-Fraktion in dem Regionalgremium favorisiert – oder aber an die IHK anzudocken. Letzteres verwirft aber sogar deren Hauptgeschäftsführer, Martin Keppler: "Das wollen wir nicht", erklärte er auf Nachfrage. An dem Gesellschaftervertrag dürfe nach seiner Meinung nichts geändert werden: "Es muss eine eigenständige WFG bleiben." Stattdessen fordert der IHK-Chef bei der WFG schlankere Strukturen: "Das muss man alles effizienter und straffer gestalten."

Damit liegt er auf der Linie von Calws neuem Landrat Helmut Riegger, der bei der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats nicht nur zu dessen Vorsitzenden gewählt werden soll, sondern – wie ihm der Calwer Kreistag aufgetragen hat – die Weichen neu stellen will. Ein einfaches "Weiter so" kann es seiner Meinung nach nicht geben. Riegger denkt weniger an eine organisatorische, sondern vielmehr an eine inhaltliche Neustrukturierung. Die WFG soll demnach weiterhin das Marketing für die regionale Wirtschaft übernehmen – also Messen und Veranstaltungen organisieren, das operative Geschäft soll indes den Landkreisen und Städten überlassen bleiben.