Malerisch spiegelt sich die Stadtsilhouette von Freudenstadt im kleinen See unterhalb des Bärenschlössles. Foto: Altendorf-Jehle Foto: Schwarzwälder-Bote

Malerische Erscheinung im Löschteich beim Bärenschlössle / Turm der Stadtkirche besonderer Blickfang

Von Bärbel Altendorf-Jehle

Freudenstadt. "Spieglein, Spieglein in dem See…"  Würde man den alten Löschteich im Christophstal nach der Schönsten fragen, bekäme man sicherlich zur Antwort: die Stadtkirche. Denn diese, und nicht nur sie, spiegelt sich auf märchenhafte Weise in seinem Wasser.Es sind nur noch wenige Menschen, die das Geheimnis des kleinen Fischteichs unterhalb des Bärenschlössles kennen. Doch früher hat die Stadt Freudenstadt mit dem Phänomen der Spiegelung von Freudenstadts Silhouette sogar geworben. 1960 machte sie unter der Rubrik Sehenswürdigkeiten in und um Freudenstadt auf die ungewöhnliche Spiegelung des Kirchturms aufmerksam.

Auch heute kann man dieses Schauspiel der Natur noch sehen, wenn auch etwas eingeschränkt, denn eine große Tanne beeinträchtigt die Sicht. Es muss ein klarer Tag sein mit Sonnenschein, und es sollte auch kein Lüftchen wehen oder keine Ente sollte das Wasser des Löschteichs kräuseln, sonst wird es nichts mit der märchenhaften Spiegelung.

Wenn aber alles stimmt, dann steht der Beobachter staunend am Ufer des kleinen Sees und sieht vor allem den Kirchturm der Stadtkirche, der sich im See spiegelt. Seine Spitze scheint bis tief hinunter auf den Teichgrund zu reichen. Auch die anderen Häuser, die am Hang zum Christophstal stehen, sind in dem See zu erkennen, man muss einfach nur am Ufer entlang spazieren.

Auf dieses Kleinod von Freudenstadt machte Hedwig Katz, eine gebürtige Freudenstädterin, aufmerksam. Sie ist 81 Jahre alt, und wenn auch die Beine nicht mehr so wollen, ist sie doch geistig rührig und weiß viel über Freudenstadt zu erzählen. Es wäre doch schade, meinte sie, wenn diese hübsche Spiegelung so ganz in Vergessenheit geraten würde. "Im vergangenen Jahr saß ich mit Bekannten draußen vor dem Bärenschlössle, und wir sahen sogar die Salenbergstraße", berichtete sie.

Das könne überhaupt nicht sein, meinten Forstleute, Augenärzte, Optiker, also Menschen, die sich mit Spiegelungsphänomenen und der Natur auskennen, denn die Salenbergstraße sei im Christophstal gar nicht zu sehen. Was nicht zu sehen sei, könne sich auch nicht spiegeln, so die Experten. Es handle sich schließlich nicht um eine Fata Morgana. Dass sich die Salenbergstraße an einem heißen Sommertag erst in der Luft und dann umgekehrt wieder im See spiegelt, gilt in den Expertenkreisen als sehr fragwürdig.

Doch Hedwig Katz bekam letztlich die Bestätigung für ihre Behauptung und zwar von Landschaftstherapeut Olfert Dorka. "Die Frau hat natürlich Recht", meinte er, denn in der Salenbergstraße stehe ganz vorne an der Ulanenstraße ein großes Wohngebäude (ehemals ein Sägewerk). Dieses Gebäude sei zwar nicht unten vom Teichrand aus zu sehen, aber sehr wohl vom Bärenschlössle und der unmittelbaren Umgebung aus. Also könne es sich auch im Wasser spiegeln. Erkennen könne man dies aber nur, wenn man am Bärenschlössle steht, erläuterte Dorka.

Übrigens, als das Bärenschlössle vor 40 Jahren gekauft wurde, hatte dessen Besitzer den Teich extra so anlegen lassen, damit sich in dessen Wasser der Kirchturm der Stadtkirche spiegelt.