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Freudenstadt Die Festnahme schon eingeplant

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Diese Filiale war überfallen worden. Foto: Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Am Landgericht Rottweil startete der Prozess gegen einen 34-Jährigen, der am 14. Januar die Sparkassenfiliale in der Freudenstädter Nordstadt überfallen haben soll. Der Mann hat gestanden.

Rottweil/Freudenstadt. Dem Angeklagten werden erpresserischer Menschenraub und besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie vier weitere Taten vorgeworfen. Bei dem Überfall hatte der Mann 4,06 Promille. Er hatte 24 280 Euro erbeutet.

Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, brachte er eine Kundin in seine Gewalt. Er führte ein 23 Zentimeter langes Küchenmesser mit sich. Eine Maske trug er nicht. Während des Überfalls lächelte er in die Kameras. Zum Bankangestellten sagte er: "Jetzt habt ihr gute Bilder von mir, um mich zu finden."

Am ersten Verhandlungstag verlas die Staatsanwältin fünf Anklagesätze. Der erste betraf den Banküberfall, die weiteren Alkoholfahrten ohne Führerschein. Einmal soll der Mann gegen eine Verkehrsinsel gefahren sein. Im Dezember 2018 prallte er laut Anklage mit dem Auto mit voller Wucht zwischen Hallwangen und Pfalzgrafenweiler auf ein Rettungsfahrzeug.

Bereits als junger Mensch habe er Alkohol probiert, sagte der Angeklagte. Erste Straftaten gehen auf die Zeit als 16-Jähriger zurück, darunter Diebstahl, Körperverletzung und Sachbeschädigung. Zuletzt war er wegen Hausfriedensbruchs für ein Jahr in Haft. Der Angeklagte gab an, damals viel getrunken zu haben. Wegen des Alkohols verlor er Jobs bei Leihfirmen und seinen Führerschein. Er nahm auch Betäubungsmittel.

Bis zu zwei Flaschen Wodka am Tag

Zwischenzeitlich lebte er wegen Mietschulden bei seiner Mutter. Er bezog Arbeitslosengeld und klaute, wenn kein Geld da war. "Alles geriet außer Kontrolle", so der Angeklagte. Vor seiner Untersuchungshaft habe er am Tag ein bis zwei Flaschen Wodka getrunken.

Wie es zu dem Banküberfall kam, war die Frage von Richter Bernd Koch, der gemeinsam mit Richter Patrick Pomreinke in der Schwurgerichtsverhandlung den Vorsitz innehatte. Er habe mit der Beute den Schaden am Fahrzeug seiner Bekannten wiedergutmachen wollte, so der 34-Jährige. Ihr gehörte das Auto, mit dem er auf das Rettungsfahrzeug geprallt war. Anschließend wollte er sich der Polizei zu stellen.

Für die Tat hatte er keinen richtigen Plan. Er wollte sich nur umziehen, damit man ihn an seiner Kleidung nicht sofort erkennt. Die Filiale hatte er ausgewählt, weil er dort Kunde sei. Er sei davon ausgegangen, dass dort nur wenige Kunden seien, er nicht kämpfen und auch niemanden verletzen müsse. "Ich habe gar nicht richtig nachgedacht, alles war irgendwie spontan", so der Angeklagte.

Am Tattag ging er zunächst in die Filiale, sah sich um und verließ sie wieder. Danach trat er nochmals ein und sagte zu einer Kundin, sie solle ruhig bleiben, dies sei ein Überfall und zeigte ihr das Küchenmesser. Die Frau musste den Bankräuber an den Schalter begleiten. Dieser legte den Arm um die Frau, während er sich die Beute in zwei Briefumschläge verpacken ließ.

Danach zog er sich in der Nähe des Panorama-Bads um, wo er Kleidung versteckt hatte, und lief – als wäre nichts gewesen – durch Freudenstadt. Die Polizei nahm ihn in der Lauterbadstraße fest. Im Krankenhaus wurde eine so hohe Alkoholkonzentration im Blut festgestellt, dass er eine Nacht auf der Intensivstation verbringen musste. Der Angeklagte betonte, dass er niemanden, auch nicht die Kundin in seiner Gewalt, verletzen wollte. Aufnahmen zeigten, dass er das Messer meist in die entgegengesetzte Richtung hielt.

Angeklagter verhält sich lammfromm

Acht Zeugen wurden an dem Prozesstag noch vernommen. Sowohl bei dem Bankberater als auch der Kundin, die er in seine Gewalt gebrachte hatte, entschuldigte sich der Angeklagte. Auch die Kundin war im Zeugenstand. Sie beschrieb den 34-Jährigen als die Ruhe in Person, der sie zu keiner Zeit bedroht habe. Auf seine Entschuldigung entgegnete sie mit den Worten: "Das hätte man sich vorher überlegen müssen."

Die Zeugen stimmten mit ihren Aussagen dahingehend überein, dass es sich bei dem Vorfall nicht um einen typischen Banküberfall gehandelt und der Täter sich bei der Festnahme lammfromm verhalten habe.

Am Dienstag wird ein Urteilsspruch erwartet.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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