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Freudenstadt Designgeschichte aus Christophstal

Von
Design aus dem Schwarzwald ist nicht für Arno Votteler (Mitte), Florian Hufnagl und Petra Hölscher zentraler Bestandteil der modernen Geschichte. Auch ein Münchner Mops kann sich dafür begeistern. Foto: Eberhardt Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Tina Eberhardt

Freudenstadt-Christophstal. Arno Votteler hat Designgeschichte geschrieben. Nun werden einige Werke des Christophstaler Industriedesigners und Innenarchitekten in den Olymp der zeitgenössischen Kunst aufgenommen: in die Sammlung der Pinakothek der Moderne.

Im Werkraum der alten Manufaktur in der Christophstaler Talstraße reihen sich Ikonen: Der Ruhesessel 368 aus dem Jahr 1953, der Bürostuhl "Holson" von 1983, oder der Stapelstuhl "S01" aus dem Jahr 1985 – einer der ersten und innovativsten Stapelstühle, die später in zahllosen öffentlichen Einrichtungen der Bundesrepublik zu finden waren.

Am Kopf der Reihe ein schlichter Sessel, der bekannt vorkommt. Arno Votteler lächelt: "Die stehen im Kurhaus." Tatsächlich. Dort lümmelt sich bis heute, wer auf Einlass ins Kino wartet. Und wer hat nicht schon gefrotzelt über die "alten" Möbel, die dort noch ihren Platz haben. Ahnungslos des geschichtlichen Werts, den da man gerade unter den Sitzbacken hat.

Geschichte ist bei Arno Votteler, emeritierter Professor für Innenausbau und Möbeldesign, zum Anfassen. Die Verbindung zwischen Design und Handwerk, zwischen Vision und Fertigung, war ihm von Kindesbeinen an mitgegeben. Sein Vater betrieb eine Manufaktur für Schwarzwaldsouvenirs. Votteler saß als Kind beim Schnitzer auf der Fensterbank, lief zwischen den Maschinen herum und sah, wie Holz zu Form wurde. Dem Menschen und seiner Umwelt dienend, nicht umgekehrt. "Eine faszinierende Welt." Die Kenntnis des Handwerks, die Gabe, Form und Funktion auf ein noch nicht dagewesenes Niveau zu heben, wurde ihm zum Markenzeichen. "Das ist die Aufgabe eines Designers", erklärt Florian Hufnagl. "Designer denken unsere Zukunft."

Hufnagl versucht seit Jahren, Votteler dazu zu bewegen, einige seiner Stücke ins Museum zu geben. Bis zum vergangenen Jahr war er leitender Direktor der Neuen Sammlung in München. Sie war seinerzeit das erste Design-Museum der Welt und ging nach Gründung der Pinakothek der Moderne in diese über.

Wenn Hufnagl über Votteler spricht, wird die Zeit kurz. "Baden-Württemberg war in den Fünfzigern für seine klassische moderne Linie berühmt. Damit hat man das ›Made in Germany‹ verbunden". Es war die Zeit, die Votteler und seine Kollegen maßgeblich geprägt haben. "Die Kerle waren rotzjung damals", erklärt Hufnagl. "Die wurden nicht als Designer geboren. Das Berufsbild gab es ja damals noch gar nicht."

Wo Konventionen zu Richtig oder Falsch fehlen, entstehen Innovationen, die lebendig und damit ewig bleiben. Votteler zog später von Chris­tophstal nach Stuttgart. Doch der Einfluss der Schwarzwälder Einsamkeit – oder dem Erfindergeist des "Middle of nowhere", wie Hufnagl formuliert – auf seine wegweisende Arbeit war prägend. "Das sind schon die Wurzeln, wo man direkt mit dem Holz zu tun hat." Votteler reflektiert bis heute im Gespräch die Funktion und die Möbel – nicht seine Person und die beeindruckende Vita.

Der innovative "Sitz-/Steharbeitsplatz, 1984", den Votteler für einen von vielen international bekannten Möbelproduzenten entwickelte, ruht wie ein eben auch noch erhaltenes Erbstück zwischen den Stühlen. Die Tischplatte dient gerade als Kaffee- und Frühstücksplatz. Man sieht ihr an, dass sie immer noch in vielen Diensten steht. Ein museales Dasein ist dieser Ikone zumindest in Christophstal nicht zugedacht – wie auch sonst keinem anderen Objekt im Hause Votteler.

"Wir leben in den Möbeln", erklärt Vottelers Tochter Juliane lächelnd. Florian Hufnagl und Petra Hölscher, Oberkonservatorin in der Neuen Sammlung, wollen an diesem Tag sieben Stühle mit nach München nehmen. Dort werden sie zunächst restauriert, fotografisch dokumentiert und dann Wissenschaftlern vorgestellt. Denn die meisten Möbel in Vottelers Sammlung sind noch Prototypen und Vormodelle. "Aber wir werden baldmöglichst versuchen, die Stücke auf die Bühne zu heben", erklärt Hölscher entschlossen.

Die Ausstellung "German Design" vor zwei Jahren in Hongkong wäre schon so eine Wunschbühne für sie gewesen. Doch Trennung dauert. Während die Experten begeistert hierhin und dorthin auf Details und Besonderheiten zeigen, geht Arno Votteler still lächelnd hinterher. Tut es weh, seine Stücke herzugeben? Vor allem wenn man einen so handfesten und alltagsintegrierten Bezug zu ihnen pflegt? "Ich hab’s mir lange Zeit überlegt", gibt Votteler zu. Und als wüsste er um die Bedeutung seines Lebenswerks, fügt er bescheiden an: "Aber für mich ist es eine große Ehre, da überhaupt anzukommen."

 
 
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