Walter Trefz: "Heimat hängt nicht von zufälligen Gemeindegrenzen ab." Foto: Kuhnert Foto: Schwarzwälder-Bote

Was Ruhestandsförster Walter Trefz unter Heimat versteht / Wie in der Natur: Die Vielfalt macht es

Freudenstadt-Kniebis. Der Begriff Heimat ist für Walter Trefz, 72, eigentlich ganz einfach definiert. Es brauchte nur seine Zeit, bis der streitbare Ruhestandsförster, der über 30 Dienstjahre sein Revier auf dem Kniebis hatte, selbst dahinter kam.

Das Wort Heimat, was löst das bei Ihnen aus?

Da hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Als in den 80er Jahren Studenten des Service Civil International bei uns arbeiteten, gerieten sich ein Spanier und ein Katalone über den Begriff Heimat gottserbärmlich in die Haare. Beim Aufarbeiten des Streits ist es mir schlagartig klar geworden: Heimat hat mit Nationalität überhaupt nichts zu tun, Heimat ist Region, ist ihre Geschichte und Kultur, ist ihre Natur. Heimat: Das sind die Menschen in der Region und ihre Herkunft. Und das ist ein Gewinn.

Aha?

Natürlich ist es ein Zugewinn! Wenn ich sage, der Kniebis ist meine Heimat – ist es nun der badische Kniebis, der Baiersbronner oder der Freudenstädter Kniebis, der Rippoldsauer Kniebis oder der Peterstaler? Nein, Heimat hängt nicht von zufälligen Gemeindegrenzen ab. Wenn ich vom Kniebis auf den Baiersbronner Ellbachsee hinunterschaue, weiß ich, das ist meine Heimat, die Region, der Schwarzwald.

Der Schwarzwald, punktum! Sonst nichts?

So einfach ist es auch wieder nicht. Auch der Landkreis ist meine Heimat. Da wird Schwäbisch, Badisch, da werden noch andere Dialekte geschwätzt. Heimat bedeutet Vielfalt. Und wenn, wie wir wissen, der Natur die Vielfalt gut tut, warum soll sie uns Menschen nicht auch gut tun? Das ist wie bei einer Zwiebel mit vielen Schalen. Ganz innen steckt die Überzeugung: Hier fühle ich mich zu Hause, hier habe ich Familie, Freunde, Arbeit, meine Geschichte, mein soziales Umfeld. Heimat macht mich unwahrscheinlich stark. Aber ich muss auch etwas dafür tun, um sie zu erhalten, zu pflegen und mitzugestalten.

Was tun Sie dafür?

Ich habe mich zum Beispiel in der Pflege von Heide- und Moorflächen engagiert oder mich eingemischt, wenn ich fühle, dass Dinge geschehen, die unserer Heimat nicht gut tun.

Zum Beispiel?

Wie schändlich wir mit den Bauern umgehen. Einen Berufsstand, der unsere Heimat pflegt, haben wir zu Subventions-Empfängern gemacht. Oder die heutige Forstwirtschaft, die oft Nachhaltigkeit vermissen lässt.

Nun, als Förster haben Sie ja selbst den einen oder anderen Baum fällen lassen …

…. Jaja, viele Bäume. Sogar Sonderhiebe habe ich mitverantwortet. Das Recht, Holz zu nutzen, um davon leben zu können, gehört zur Natur. Aber wir haben immer versucht, weniger einzuschlagen als nachwächst. Und wir haben dabei auch starke und alte Bäume geschont. Das gerät zusehends in Gefahr.

Herr Trefz, gibt es denn auch Entwicklungen, die Sie begrüßen?

Oh ja. Es war toll, wie sich die Menschen über die Rückkehr der Bären in Bad Rippoldsau gefreut haben. Oder die Grindenpflege durch Weidewirtschaft. Heimat ist eben auch, die Dinge zu nutzen, die in der Region hergestellt werden. Das gilt nicht nur für Fleisch, Wolle oder Honig, sondern auch für die Produkte unserer Spitzenfirmen wie Arburg, Schmalz, Homag und Schmid oder die Leistungen in der Gastronomie. Das sind – wie in der Landwirtschaft – regionale, heimatliche Erzeugnisse.

u Die Fragen stellte Hannes Kuhnert

Was bedeutet Heimat für die Menschen vor Ort? Wie entwickelt sich ihr Zuhause, was schätzen sie daran, und in welchen Bereichen machen sie sich Sorgen? In unserer Serie "Heimatinterviews" lassen wir in diesem Sommer die unterschiedlichsten Menschen einen ungetrübten Blick auf ihr persönliches Heimatgefühl werfen. Wenn Sie jemanden kennen, der eine besonders interessante Perspektive zum Thema Heimat hat, freuen wir uns auf Ihre Vorschläge für Interviewpartner per E-Mail an redaktionfreudenstadt @schwarzwaelder-bote.de.

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