Die Schilder der Hotel-Route weisen den Gästen den Weg. Doch diese machen sich wegen der Corona-Krise derzeit rar. Foto: Reimer

"Niemand will zurzeit in Urlaub fahren." DEHOGA-Chefin hofft auf staatliche Hilfen.

Freudenstadt - Keine neuen Buchungen, Stornierungen und leere Gästezimmer: Die Tourismusbrache in Freudenstadt leidet unter den Auswirkungen der Corona-Krise.

Die wirtschaftlichen Folgen für die einzelnen Unternehmen unterscheiden sich stark. "Momentan kommen pro Tag fast mehr Stornierungen als neue Zimmerbuchungen rein, diese Situation hatten wir noch nie", sagt Beate Gaiser, Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Freudenstadt. Geschäftsreisen würden häufig abgesagt. Deshalb "klafft nun bei vielen Hotels im Kreis ein erhebliches Loch im Reservierungsplan", erklärt Gaiser.

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Michael Krause, Tourismusdirektor der Stadt Freudenstadt, bestätigt dies. "Wir haben derzeit ein deutliches Minus bei den geschäftlichen Übernachtungen." Das sei darauf zurückzuführen, dass Veranstaltungen und Messen abgesagt wurden und Dienstreisen inzwischen auch ganz untersagt werden.

Sowohl Gaiser als auch Krause bestätigen, dass es auch einen Rückgang bei den normalen Übernachtungen gibt. Das liege daran, dass besorgte Gäste ihren Urlaub auf einen späteren Zeitpunkt verschieben oder ausländische Gäste unsicher sind, ob und wie sie überhaupt anreisen sollen, so Gaiser.

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In der Tourist-Information der Stadt auf dem Marktplatz und am Infopunkt im Stadtbahnhof bemerken die Mitarbeiter auch, dass viele Besucher besorgt sind. "Man spürt eine leichte Verunsicherung", sagt Krause. Vermehrt komme die Frage auf, ob gewisse Veranstaltungen stattfinden oder abgesagt werden. Viele Besucher scheinen auch größere Menschenmengen zu meiden. Die Ticketverkäufe für Veranstaltungen im Kurhaus sind laut Krause zurückgegangen. Auch die Gastronomie ist betroffen: "In den Restaurants geht es sehr ruhig zu, weil sich die Leute nicht in die Lokale trauen", so Beate Gaiser mit. Sie beklagt eine insgesamt düstere Lage: "Die massiven Umsatzrückgänge in unserer Branche führen dazu, dass einige Betriebe in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten werden oder bereits schon sind", erklärt Gaiser, "die Stimmung unter den Kollegen ist gerade geprägt von Nervosität, Ratlosigkeit und Angst, weil niemand weiß, was noch kommt." Auch der ausgehende Tourismus scheint stark betroffen zu sein. So beklagen sich Reiseanbieter, die Busreisen organisieren, über ausfallende Fahrten und wirtschaftliche Verluste. Die Firma Omnibus Katz in Freudenstadt hat laut Geschäftsführer Ludwig Blum etwa 40 Fahrten bisher stornieren müssen, wie beispielsweise einen Skiausflug nach Südtirol. Generell seien die Buchungen stark rückläufig. "Keiner hat Interesse momentan zu verreisen, wegen der Verunsicherung", so Blum.

DEHOGA-Chefin hofft auf Hilfe vom Staat

Jochen Klumpp, Geschäftsführer der Klumpp Bustouristik, berichtet auch von einer derzeit verhaltenen Nachfrage. Er geht allerdings davon aus, dass das nicht ausschließlich an der Corona-Krise liegt. "Solange noch Schnee liegt, läuft das Geschäft eher ruhig", sagt er. Wegen der Coronaverbreitung in Italien musste sein Unternehmen etwas umdisponieren. Die Saisoneröffnungsreise im März zum Gardasee wurde geändert. Stattdessen gehe es nun in den Thüringer Wald. "Dieses Angebot haben unsere Kunden gerne angenommen", erklärt er. Busreisen musste er bisher nicht absagen, ebenso habe sein Unternehmen durch Stammkunden derzeit einen relativ guten Buchungsstand.

Deutlich anders sieht die Lage bei Schweizer Reisen in Waldachtal aus. Das Unternehmen bietet ebenfalls Busreisen an, führt im Landkreis aber auch Reisebüros in Waldachtal und Horb. "Die Nachfrage ist derzeit extrem rückläufig", sagt Geschäftsführer Franz Schweizer. "Niemand will zurzeit in Urlaub fahren." Und das obwohl momentan Hauptbuchungszeit für sein Unternehmen wäre. Schweizer Reisen verzeichnete im Februar und März Umsatzeinbußen von etwa 70 bis 80 Prozent. Alle Busreisen bis Ende April mussten abgesagt werden. Auch beim TUI Reise-Center in Freudenstadt herrscht derzeit "absoluter Krisenmodus", sagt Inhaber Stefan Kroll. "Kunden buchen keine Reisen", fasst er knapp zusammen. Ihm zufolge gibt es derzeit keinerlei Buchungen. Hinzu komme noch, dass bereits gebuchte Reisen storniert werden.

Beim Reisebüro Broermann ging die Zahl der Buchungen etwas zurück, sei jedoch nicht drastisch abgerissen, erklärt Inhaber Wolfgang Kemme. Er weist auf eine weitere Besonderheit hin, mit der sich die Reisebranche derzeit beschäftigen müsse, nämlich den Kundenservice für Personen, die in Risikogebieten feststecken. Wegen Coronafällen auf der Malediveninsel Kuredu, müssen die dortigen Urlauber ihren Aufenthalt zwangsweise um 14 Tage verlängern. Darunter befinden sich auch Kunden des Reisebüros Broermann. "Wir stehen mit diesen Personen laufend im Kontakt und untersützen sie in dieser Zeit", sagt Kemme. So habe man sich für die Betroffenen inzwischen um die Umbuchung der Rückflüge gekümmert.

Viele Betriebe geraten durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Dehoga-Chefin Gaiser sieht den Staat in der Verwantwortung. Ihr Verband habe bereits Vorschläge in Richtung Politik gemacht, wie zumindest den Hotel- und Gastronomiebetrieben geholfen werden könne, zum Beispiel durch Kurzarbeit, damit Mitarbeiter gehalten werden können oder durch Liquiditätshilfen, mit denen in Not geratene Unternehmen unterstützt werden sollen.