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Freudenstadt Chefärzte verteidigen Väter-Verbot im Kreißsaal

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Ausgestattet mit Mundschutzmasken erklärten Jürgen Schulze-Tollert (von links), Matthias Meier und Florian Bea die Entscheidung, währden der Corona-Pandemie keine Begleitpersonen mehr in den Kreißsaal zu lassen. Foto: Müller

Freudenstadt - Viel Protest gab es, als das Krankenhaus Freudenstadt bekanntgab, dass die Väter wegen der Corona-Pandemie nicht mehr mit in den Kreißsaal dürfen. Nun verteidigten Chefärzte und Geschäftsführung in einer Pressekonferenz ihre Entscheidung.

In den Kreißsälen könne nicht genügend Abstand zwischen Personal und Vätern eingehalten werden, sagte Jürgen Schulze-Tollert, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Die Räume seien etwa dreieinhalb mal fünf Meter groß, dazu komme das Entbindungsbett, eine Toilette, Kleidung und Verbandsmaterial. Dazu sei eine Hebamme, ein Geburtshelfer, möglicherweise noch der Rufdienst und ein Kinderarzt im Raum, da könne kein Abstand garantiert werden, sagte Schulze-Tollert.

Kreißsaal-Verbot für Väter stößt auf Unverständnis

Es sei eine Güterabwägung, ob man die Gesundheit der Mitarbeiter gefährde oder das Recht des Vaters, bei der Geburt dabei zu sein. Bei Krebspatienten sei ja ebenfalls keine Begleitung erlaubt, so Schulze-Tollert.

In Großstädten gebe es mehrere Krankenhäuser, in die man ausweichen könne, sollte eine Station geschlossen werden müssen, in Freudenstadt sei das aber nicht so leicht. Als einziges Krankenhaus in einem großen Umkreis könne man sich das nicht erlauben. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und die Frage, ob das Recht des Vaters, bei der Geburt dabei zu sein, mehr wiege als die Gesundheit der Mitarbeiter, die dann das Virus auch weiter verbreiten könnten, für sich beantwortet.

Eltern weichen in andere Krankenhäuser aus

Er nannte die ambulante Geburt als Möglichkeit, früh nach der Entbindung nach Hause zurückzukehren. Ob die Zahl der Geburten seit dem Verbot der Begleitpersonen abgenommen habe, könne er nicht sagen, so Schulze-Tollert. Es sei davon auszugehen, dass werdende Eltern in Krankenhäuser ausweichen, wo der Vater dabei sein darf. Ähnliches habe man im Krankenhaus auch bemerkt, als im Ortenaukreis ähnliche Regeln wie in Freudenstadt griffen.

Auch Florian Bea, der ärztliche Direktor der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt (KLF), nannte die Räume in Freudenstadt zu klein für einen Schutz vor Corona. Zwar sei das Virus hoch ansteckend, aber er kenne auch Fälle, wo ein Ehepartner positiv, und der andere negativ getestet wurde, ging er auf das Argument ein, dass, wenn ein Ehepartner das Virus habe, der andere es ja auch haben müsse.

Leichtsinn kann tödliche Folgen haben

Es gebe nur eine Ausnahme von dem Besuchsverbot im Krankenhaus. Dabei handle es sich um einen einzelnen Angehörigen eines sterbenden Patienten. Alle anderen müssten draußen bleiben, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren. Denn das Virus könne tödlich sein.

Man statte zudem die Mitarbeiter mit Schutzausrüstung aus, damit sie sich etwa beim Einkaufen nicht anstecken. Zudem warnte er davor, im Notfall aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona nicht ins Krankenhaus zu kommen, auch das könne tödliche Folgen haben.

Die Corona-Patienten seien von anderen Patienten isoliert. Auch er betonte, dass das Krankenhaus Freudenstadt wegen seiner Lage auf sich allein gestellt sei, und deswegen besondere Vorsicht walten lassen müsse.

Personalinfektionen halten sich in Grenzen

Es sei auch nicht immer einfach, die Väter während des Geburtsvorgangs durchgehend im Auge zu behalten, sagte der KLF-Geschäftsführer Matthias Meier. Sie könnten den Raum verlassen, sich verlaufen und in einem Bereich landen, wo Corona-Patienten behandelt würden oder gar selbst das Virus auf Stationen verbreiten. Die Zahl der Personalinfektionen halte sich Grenzen, fügte er noch hinzu.

Der Kreis Freudenstadt zeigt sich solidarisch mit den Beschäftigten der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt (KLF) und den Patienten. Für die Häuser in Horb und Freudenstadt gingen zahlreiche Spenden ein, heißt es in der Pressemitteilung der KLF.

Die Freudenstädter Gastronomie bot Unterstützung durch ihre Köche an, sollte es Engpässe geben. "Zum Glück war das bis jetzt noch nicht notwendig, aber das ist eine großartige Geste, über die ich mich sehr freue", sagt Frank Kohlmann, Küchenchef der KLF. Ferner gingen zahlreiche Sachspenden ein. "Wir waren teilweise wirklich überwältigt", so Matthias Meier, Geschäftsführer der KLF.

Örtliche Geschäfte zeigen sich solidarisch

Mädchen und Buben des Kindergartens Oberdorf in Baiersbronn bastelten zusammen mit ihren Eltern zu Hause kleine Geschenke, die in den Abteilungen des Hauses verteilt wurden. Ein Eiscafé, das nicht öffnen konnte, spendete eine große Menge Milch und Sahne an das Klinikum Freudenstadt. Ein Discounter in Freudenstadt brachte Mitarbeitern der Notaufnahme und Isolierstation Süßigkeiten. Eine Bäckerei schenkte 250 Brote zum Fertigbacken für die Mitarbeiter, eine andere brachte belegte Brötchen vorbei. Eine örtliche Bank brachte süße Ostergrüße, die an Mitarbeiter und Patienten verteiltet werden.

Über den persönlichen Kontakt des ärztlichen Direktors Florian Bea hat das Klinikum Freudenstadt von der Memminger-Iro GmbH in Dornstetten 2500 Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP2 und 500 Masken der Schutzklasse FFP3 als Spende erhalten. In der aktuell angespannten Lage bei der Materialbeschaffung sei dies eine ausgesprochen großzügige Spende.

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