Etliche Kreisräte aus dem Kreis Freudenstadt informierten sich im Harz über die positiven und negativen Erfahrungen mit dem dortigen Nationalpark. Foto: Landratsamt Foto: Schwarzwälder-Bote

Delegation des Kreistags informiert sich im Nationalpark Harz / Auch kritische Stimmen

Kreis Freudenstadt. Um sich im Austausch mit Fachleuten vor Ort anschaulich mit den Chancen und Risiken eines Nationalparks auseinanderzusetzen, war eine Delegation des Kreistags Freudenstadt mit Landrat Klaus Michael Rückert auf einer zweitägigen Informationsreise im Nationalpark Harz.

Seit mehr als 20 Jahren gibt es den 24 703 Hektar großen und etwa zehn Prozent der Gesamtfläche des Harzes umfassenden Nationalpark. "In erster Linie handelt es sich bei dem Nationalpark um eine Einrichtung des Naturschutzes, deren Erfolg heute praktisch außer Frage steht", berichtete Andreas Pusch, Leiter des Nationalparks. Er blickte auf die Zeit der Neueinrichtung des Naturschutzprojekts zurück: "Auch hier gab es Widerstand in der Bevölkerung – dieser stand damals allerdings im Schatten der Wiedervereinigung, die in der Region deutliche Auswirkungen hatte", erzählte Pusch.

Im Nachhinein sei festzustellen, dass viele der Ängste und Bedenken im Vorfeld der Gründung sich bis heute nicht bewahrheitet hätten. Ebenso wie die übertriebenen Erwartungen, die teilweise an den Nationalpark gerichtet waren, seien auch Impulse für die Region im Zusammenhang mit dem Nationalpark maßgeblich von den Ideen und Investitionen der Menschen abhängig, die in der Nationalparkregion wohnten und wirtschafteten.

Neben dem Leiter des Nationalparks informierten auch Vertreter des Landkreises Goslar, der Stadtverwaltung Bad Homburg, des örtlichen Tourismusverbands und des Naturparks durch Vorträge und anschließende Gespräche.

Auch ausgewiesene Nationalparkgegner kamen zu Wort. So äußerte sich ein betroffener Forstamtsleiter sehr kritisch: "Weder für den Naturschutz noch für den touristischen Erfolg braucht es einen Nationalpark." Ein Vertreter des Harzklubs (ähnlich des Schwarzwaldvereins) äußerte sich ebenfalls kritisch und berichtete der Delegation aus dem Landkreis Freudenstadt von den Problemen, die in der Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung – vor allem zur Zeit der Errichtung des Nationalparks – aufgetreten seien. Ein Vorstandsmitglied des Harzer Hotel- und Gaststättenverbands berichtete von unpassierbaren oder eingezogenen Wanderwegen. Dies missfalle einigen Gästen.

Am zweiten Tag besichtigte die Delegation ein größeres Investitionsprojekt mitten im Nationalpark Harz, nahe St. Andreasburg, sowie das Touristen- und Bildungszentrum "Torfhaus". Die dortigen Gesprächspartner, ein Hoteldirektor, die Leiterin des Besucherzentrums und eine Fachfrau für Tourismusmarketing, waren von einer positiven Wirkung des Nationalparks auf den Tourismus überzeugt.

Bei Wanderungen durch den Nationalpark erläuterten Förster den naturschutzfachlichen Sinn eines Nationalparks und zeigten der Delegation auch Waldflächen, die der Borkenkäferbefall deutlich in Mitleidenschaft gezogen hatte. Mit Blick auf die Eckertalsperre wurden der Delegation Erfahrungen und Erkenntnisse im Zusammenhang von Wasserqualität, Hochwasserschutz und Nationalpark erläutert. Den Teilnehmern aus dem Kreis Freudenstadt wurden zahlreiche Informationen und Eindrücke vermittelt, die die jeweilige Meinungsbildung zum geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald unterstützen sollen.