Der Freudenstädter Landrat Klaus Michael Rückert (Mitte) freut sich als künftiger Vorsitzender des Nationalparkrats auf die Zusammenarbeit mit der neuen Nationalparkleitung um Thomas Waldenspuhl (links) und Wolfgang Schlund. Foto: Landratsamt

Klaus Michael Rückert übernimmt Vorsitz. Kein Spaziergang für den ersten Chef. Projektgegner lassen nicht locker.

Freudenstadt - "Das wird kein lauer Job", hatte Freudenstadts Landrat Klaus Michael Rückert (CDU) noch vor einigen Wochen über die Arbeit des künftigen Nationalparkrats Schwarzwald gesagt. Ab Donnerstag hat er ihn – federführend.

Der Schulterschluss zwischen den Nationalparkgemeinden scheint geglückt, denn die wichtige Cheffrage klärten die kommunalen Vertreter im künftigen Nationalparkrat gestern unter sich und einstimmig: Der Freudenstädter Landrat soll am Donnerstag zum ersten Ratsvorsitzenden in der Geschichte des Nationalparks Schwarzwald gewählt werden.

Rückert übernimmt dann die Leitung des 24-köpfigen Gremiums, das paritätisch mit Vertretern der Nationalparkkommunen und des Landes besetzt ist und laut Gesetz einen kommunalen Vertreter an der Spitze hat.

Im Nationalparkrat, der so etwas wie das politische Steuerungsinstrument des Nationalparks ist, sollen die wichtigsten Vorgaben zur konkreten Ausgestaltung des Naturschutzprojekts gemacht und Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung entscheiden werden. Dazu gehören beispielsweise die Aufstellung eines Managementplans für den Park und die Lenkung des Besucher- und Erholungsverkehrs.

FDP wirft der Landesregierung Mauschelei vor

Schon seit einigen Wochen wurde im Vorfeld der Wahlen spekuliert, wer den Job an der Spitze des Gremiums übernehmen könnte, denn ein Spaziergang dürfte das nicht werden: Noch immer ist der rund 10 000 Hektar große Nationalpark rund um den Hohen Ochsenkopf (Kreis Raststatt/Baden-Baden) und im Gebiet Ruhstein/Schliffkopf (Kreis Freudenstadt/Ortenaukreis) heftig umstritten und die Projektgegner lassen nicht locker: Unter dem Namen "Nationalparkwatch" haben sie im Internet eine Community gegründet, die aufzeigen will, dass der Nationalpark eine "Seifenblase" ist.

Auch die Opposition im Landtag gibt keine Ruhe: Während die CDU mit einem eigenen, kleineren Bügernationalpark punkten will, warf die FDP der Landesregierung gestern mögliche Mauscheleien bei der Besetzung der Nationalparkleitung unmittelbar nach der Freigabe der Haushaltsmittel im Nachtragshaushalt vor. Die Reaktion aus dem Agrarministerium folgte prompt: Offenbar ertrage es die FDP nicht, im Landtag mit ihrer Ablehnung des Nationalparks keine Mehrheit gefunden zu haben, so Minister Alexander Bonde (Grüne).

Nachfolger für den Vorsitz des Naturparks Mitte/Nord gesucht

Der Nationalpark ist ein Reizthema und bietet keine leichten Startbedingungen für den neuen Rats­chef. Rückert ist aber optimistisch: »Ich freue mich über die einstimmige Nominierung«, meinte er gestern. Diese Ergebnis kam für einige überraschend: So hatte unter anderem der Gemeinderat von Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) seine Ansprüche auf den Chefplatz im Rat geltend gemacht, da die Gemeinde den größten Flächenanteil (63 Prozent) in der Nationalparkkulisse hat. Deren Bürgermeister Michael Ruf (parteilos) ist mit dem designierten Vorsitzenden aber zufrieden: "Er ist bestens geeignet."

Für Rückert zeigt das Ergebnis die Geschlossenheit der Nationalparkgemeinden, die über die kommunalen Grenzen hinweg zusammenwachsen. "Wir werden den Nationalpark zu einem Erfolg machen«, meint Rückert – und mit Blick auf die Kritiker: »Wir müssen die Menschen mitnehmen und dafür sorgen, dass sie sich mehr und mehr mit dem Nationalpark identifizieren können."

Und dann kommt er doch, der Wermutstropfen: Den Vorsitz im Naturpark Mitte/Nord wird Rückert abgeben. Am 6. Februar will er die Nachfolge bei einer Vorstandssitzung thematisieren, die bei der nächsten Mitgliederversammlung – wohl im März – geklärt werden soll. Als sein Nachfolger an der Naturpark-Spitze wird in Insiderkreisen der Raststatter Landrat Jürgen Bäuerle (CDU) gehandelt. Bis dahin, so Rückert, werde er Nationalparkrat und Naturpark gemeinsam leiten.

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