Poetry-Slammer Marco Michalzik und Musiker Jonnes bieten Neues in der Schalterhalle. Akustische Form der Street-Art.
Freudenstadt - Ein Poetry-Slammer, der rappt, und ein Gitarrist, der Tagebucheinträge fürs Ohr schreibt: Beim Benefizkonzert in der Schalterhalle des Stadtbahnhofs wurde ein interessanter Kulturmix dargeboten.
Die akustische Form der Street-Art, die der Rapper und Poetry-Slammer Marco Michalzik und der Musiker Jonnes in den Stadtbahnhof gebracht hatten, ist vielerorts ein fester Bestandteil der Szenekultur. Spannend war vor allem die Zusammensetzung des Publikums. Viele junge Menschen waren unter den Zuhörern – aber noch mehr aus Altersklassen, bei denen anzunehmen ist, dass Rap- und Poetry-Sessions nicht zu ihrem Standard-Kulturrepertoire gehören. Mancher Besucher steckte nur kurz die Nase herein und zog dann weiter.
Denen, die geblieben waren, schien es offensichtlich zu gefallen. Die Bierbänke in der Schalterhalle waren nahezu vollständig besetzt. Der Philosophie der Veranstalter – Erlacher Höhe, Stiftung Eigen-Sinn und Diakonie – wurde das Programm gerecht: Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebensentwürfe rückten für einen Abend zusammen – an einem Ort, an dem sonst Street-Work statt Street-Art gefordert ist.
Die beiden Künstler, die Theologie studiert haben beziehungsweise als Jugendreferent tätig sind, kamen auf der improvisierten Bühne mit wenigen Mitteln aus: Zwei Barhocker, eine Gitarre und etwas Tontechnik. Inhaltlich gefüllt wurde die Vorstellung vor allem mit Texten – und zwei richtig guten Stimmen, die immer wieder beeindruckend an prominente Vorbilder erinnerten. Wobei auch die selbst geschriebenen Melodien von Gitarrist Jonnes ihren gelegentlichen Solo-Auftritt wert waren.
Die beiden Künstler legten ihr Herz und ihre Seele in ihre Kunst. Viele berührte es, manchem war es zwischendurch auch mal zu viel. Aber mit diesem Extrem schienen die Künstler durchaus zu spielen. Eine in wunderbarer Slam-Performance vorgetragene Ode an die morgendliche Tasse Kaffee ging Hand in Hand mit poetischen Formulierungen wie "Fotografieren mit der Seele".
Die Dramaturgie des Abends war strategisch gestaltet. Zu Beginn gab es Heiteres, Munteres und auch mal Provokatives. Später wurden die Texte geistlicher im Inhalt, während die Musik die Spannung in der Balance hielt. Zwischendurch wurde das Publikum mit Refrain-Passagen und Klatsch-Einlagen integriert. Der Weg nach Freudenstadt in die Schalterhalle hatte über Youtube geführt, wo Hans-Martin Haist, Vorsitzender der Stiftung Eigen-Sinn, die beiden Künstler gefunden hatte. Wolfgang Günther, Leiter der Erlacher Höhe, hörte die beiden Künstler zum ersten Mal und ließ sich gern auf das Neue ein. "Ich finde diese Kombi von Musik und Poetry gut", sagte er.
Die Schalterhalle war an diesem Abend nicht ganz so proppenvoll wie bei vorangegangenen Veranstaltungen. Wenige hundert Meter entfernt war der Freudenstädter Weihnachtsmarkt im Gange. Von dort machten sich einige zu späterer Stunde neugierig auf den Weg in die Schalterhalle, um dort der in Freudenstadt nicht alltäglichen Kunstform zu lauschen.
Marco Michalzik und Jonnes präsentierten viele routinegeprägte Lebens- und Alltagselemente in spannungsreichem neuem Kontext und – dem Applaus des Publikums nach zu schließen – in gelungener Weise.