Freudenstadt ist zwar noch auf dem Papier Sitz der insolventen schlott AG, doch in der Druckerei hat der große Ausverkauf begonnen. Foto: SB-Archiv

Maschinen, Anlagen und Inventar der insolventen Druckerei werden im Internet versteigert.

Freudenstadt - Etwas mehr als vier Monate nach Schließung der Druckerei schlott GmbH im Freudenstädter Gewerbegebiet, bei der rund 300 Mitarbeiter ihren Job verloren, hat nun der große Ausverkauf begonnen.

Innerhalb des Insolvenzverfahrens der schlott AG, die in Freudenstadt ihren Sitz hat, und dem der Freudenstädter Standort zum Opfer fiel, wird im Auftrag des Insolvenzverwalters Siegfried Beck aus Nürnberg alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest ist. Damit wurde das Verwertungsunternehmen Angermann & Lüders aus Hamburg beauftragt. Zu ihm gehört auch die Internetplattform NetBid, eine der größten europäischen Online-Plattformen zur Vermarktung von Investitionsgütern. Auf dieser Plattform hat gestern eine gigantische Versteigerung begonnen, bei der alles von der Firma schlott in Freudenstadt erhältlich ist, von der Tiefdruckmaschine für 300.000 Euro bis zum Schreibtisch für 60 Euro.

Jeder Interessent kann sich an der Auktion beteiligen (www.netbid.com). Bereits seit Montag dieser Woche konnten die einzelnen Güter in den Räumen der Firma schlott besichtigt werden. An diesen Tagen herrschte deshalb an der Wittlensweiler Straße am Gebäude von schlott, wo in den vergangenen Wochen nur noch vereinzelt Autos geparkt waren, ungewöhnlich viel Betrieb.

Das Insolvenzverfahren um die schlott AG, zu der der Freudenstädter Betrieb gehörte, ist längst noch nicht abgeschlossen. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Insolvenzverwalter Siegfried Beck mit, dass insgesamt vier bis fünf Jahre ins Land gehen könnten, bis ein solch komplexes Verfahren beendet ist. Denn auch jede noch so kleine Forderung müsse verfolgt werden, und das sei oft ein mühseliges Geschäft.

Beck erläuterte weiter, dass das Unternehmen Angermann & Lüders gemeinsam mit den Gläubigerbanken ausgewählt worden sei, um den Standort Freudenstadt abzuwickeln. Diese Firma habe auch den Auftrag, das Grundstück zu veräußern.

Doch zunächst einmal müssen die gesamten Tiefdruckmaschinen mit den dazugehören Anlagen verkauft und abgebaut werden. Das Industrieverwertungsunternehmen habe dabei auch den Auftrag "Pakete" zu schnüren, betonte Beck.

Wie es danach mit dem Anwesen der Firma schlott, bei der in guten Zeiten fast 500 Mitarbeiter beschäftigt waren, weitergeht, konnte oder wollte Siegfried Beck noch nicht sagen. Er deutete lediglich an, dass bis zu einer Veräußerung der Immobilie auch denkbar sei, einzelne Teile des Komplexes zu vermieten. Denn das Gebäude müsse unterhalten und gesichert werden, was auch Kosten verursache.

Der ehemalige schlott-Vorstandsvorsitzende Bernd Rose hat zum 1. Juni zusammen mit der Unternehmerfamilie Appl die Firma wwk-Druck in Landau gekauft, die ebenfalls zur insolventen schlott gruppe gehörte und nun Rose-Druck heißt. Gerüchte, Rose hätte bereits Maschinen oder Anlagen aus Freudenstadt gekauft und nach Landau schaffen lassen, dementierte Insolvenzverwalter Siegfried Beck. Bernd Rose habe keinen Sonderstatus. Er müsse für die Anlagen bieten wie jeder andere auch. Beck versicherte, dass nichts vorab verkauft wurde.

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