Verkehr: Acht Monate soll im unteren Murgtal an Oberleitungen für Hybrid-Lkw garbeitet werden

Um den Bau der Oberleitungsanlage auf der Bundesstraße 462 im Murgtal, mit der ein Einsatz von Hybrid-Oberleitungs-Lastwagen in der Praxis getestet werden soll, ging es bei einer digitalen Informationsveranstaltung.

Region. Technik von gestern? Verkehrschaos im Murgtal? Das sind lediglich zwei der vielen Fragen, die zum Pilotprojekt "eWayBW" thematisiert wurden. Laut einer Pressemitteilung des Ministeriums für Verkehr nutzten viele Interessierte die Kontaktmöglichkeit und konfrontierten die Protagonisten mit Fragen. Im April 2018 wurde die Öffentlichkeit bereits in einer ersten Informationsveranstaltung über das Projekt, an dem das Dornstetter Unternehmen Fahrner Logistics maßgeblich beteiligt ist, informiert, bei der die Bedeutung und der Hintergrund sowie die Technologie im Mittelpunkt standen. Die Vorträge und die Diskussions- und Fragerunde der Informationsveranstaltung konnten wegen der aktuellen Gesundheitslage per Live-Stream über das Internet verfolgt werden.

Verkehrsminister Winfried Hermann machte dabei deutlich, warum der Aufwand für dieses Pilotprojekt betrieben wird: "Wir beteiligen uns an dem bundesweiten Pilotprojekt, da wir die Suche nach der Technik von morgen unterstützen möchten. Ein klimaschonenderer Straßengüterverkehr wird dringend benötigt. Auch wenn große Anstrengungen erfolgen, um den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, wird auf absehbare Zeit der Großteil weiterhin auf der Straße transportiert werden." Man brauche funktionierende Alternativen zum bisher dominierenden Diesel-Lkw, wenn man die Klimaschutzziele im Verkehr erreichen wolle. Auf der Teststrecke im Murgtal sollen täglich 128 Lkw-Fahrten mit Hybrid-Oberleitungs-Lastwagen erfolgen, was rund zehn Prozent der aktuellen Lkw-Belastung über die Teststrecke hinweg darstellt. Dafür ist der Bau der Oberleitungsanlage erforderlich, mit der die Hybrid-Oberleitungs-Lkw den Strom für den Elektroantrieb und die Batterien erhalten.

Ideale Bedingungen für den Testbetrieb

Sylvia M. Felder, Regierungspräsidentin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, erläuterte, wo und wie der Bau der Oberleitungen vonstetten gehen soll und was unternommen wird, um den Verkehr auf der Bundesstraße abzuwickeln. "Wir wissen, dass das Murgtal durch die Baustelle sehr belastet sein wird: Fast acht Monate Bauzeit auf der Lebensader des Murgtals sind eine große Herausforderung. Durch den Einsatz von mehr Arbeitskräften und Bohrgeräten sowie durch einen Zweischichtbetrieb ist es uns gelungen, die Bauphasen mit Verkehrseinschränkungen von neun auf acht Monate zu verkürzen", erläuterte sie. Leider sei eine weitere Reduzierung, wie beispielsweise durch Nachtarbeit, bei den Rahmenbedingungen dieser Baustelle nicht möglich.

Bei der Veranstaltung standen auch Experten der eHigh­way-Technologie zur Beantwortung der Fragen zur Verfügung. Marcel Zembrot, Gesamtprojektleiter von "eWayBW", Martin Wietschel vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung und Leiter der wissenschaftlichen Begleitforschung des Projekts sowie Jan Bachmann, Projektleiter am Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH, berichteten über den aktuellen Stand der Forschung zur Kohlendioxid-Einsparung beim Straßengüterverkehr und beantworteten Fragen zur Technik und den Betrieb der Anlage.

Marcel Zembrot erläuterte, wieso das Pilotprojekt auf der B 462 stattfindet. "Wir finden im Murgtal ideale Bedingungen vor, um die Planung, den Bau und den Betrieb der Anlage zu testen. Die Kombination aus infrastrukturellen Randbedingungen und dem besonderen Betriebskonzept machen ›eWayBW‹ einzigartig und daher so interessant für die wissenschaftliche Begleitforschung." Martin Wietschel betonte, dass in der Begleitforschung unter anderem Themen der Akzeptanz des Projekts, der Auswirkungen von Oberleitungs-Lkw auf die Lärm-, Schadstoff- und Treibhausgasminderung, die Versorgung mit Strom, alternative Lösungen wie Batterie-Lkw und die Ausdehnung des Konzepts auf ganz Baden-Württemberg behandelt werden.

Jan Bachmann, der das Partnerprojekt an der Bundesautobahn A 1 in Schleswig-Holstein betreut, beantwortete zum Beispiel die Frage, welche Auswirkung die Oberleitung für Rettungseinsätze hat. In konstruktiver Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr, den Leitstellen sowie den Bergungsunternehmen seien technische und organisatorische Herausforderungen lösbar.   Wer sich die Veranstaltung erneut ansehen möchte, kann dies auf www.eWayBW.de. Dort ist das Video der Aufzeichnung abrufbar.

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