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Freudenstadt Bankräuber geht ins Gefängnis

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Fünf Jahre Haft lautet das Urteil gegen den Mann, der die Kreissparkassen-Filiale in der Freudenstädter Nordstadt überfallen hat. (Symbolbild) Foto: ©Volker Witt-stock.adobe.com

Rottweil/Freudenstadt - Ein 34-Jähriger, der eine Bankfiliale in der Freudenstädter Nordstadt überfallen hat, muss fünf Jahre und zwei Monate in Haft. Nach einem gelungenen Alkoholentzug kann er aber nach der Hälfte der Zeit freikommen.

Das Urteil fiel am zweiten Verhandlungstag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Rottweil. Gleichzeitig wurde der Mann wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung verurteilt, weil er betrunken mit dem Auto in einen Rettungswagen geprallt war. Einen Führerschein hatte er zu dieser Zeit nicht.

Der 34-Jährige hatte beide Taten gestanden, Reue gezeigt und sich bei den Beteiligten entschuldigt. Richter Bernd Koch sprach ein milderes Urteil als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Die in der vergangenen Woche eröffnete Hauptverhandlung wurde mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Dem Mann wurde vorgeworfen, eine Bank in der Nordstadt überfallen zu haben. Mit dem Geld wollte er den Schaden bei einer Bekannten begleichen, deren Auto er bei dem Unfall geschrottet hatte. Bei dem Überfall hatte der Mann mehr als vier Promille.

In einem rund 45 Minuten dauernden Statement sah der Gerichtspsychologe bei dem Angeklagten Tendenzen zur Selbstbestrafung, ebenso ein narzisstisches Ego und psychopathische Persönlichkeitszüge. Zudem sei eine beeinträchtigte Gehirnfunktion durch hohen Alkoholkonsum und Opiate nachgewiesen.

Psychologe sieht keine Schuldfreiheit

Zur Tatzeit, so der Psychologe, habe eine psychische Erkrankung bei dem Mann vorgelegen. Gleichzeitig bescheinigte er, dass der Mann wusste, dass er die Bank überfiel, sich routiniert zeigte, in die Kamera schaute, angstfrei auftrat, aber durch fast vier Promille Alkoholkonzentration im Blut in seiner Steuerung beeinflusst und massiv eingeschränkt war. "Andere fallen bei 3,8 Promille ins Koma und sterben", so der Gutachter.

Zusammenfassend war der Psychologe der Auffassung, dass der Angeklagte aus seinem bisherigen Leben mit den zahlreichen Straftaten und mehreren Haftstrafen noch nichts gelernt habe. Trotz vorheriger Alkohol-Entzugstherapien sah ihn der Gutachter noch nicht als austherapiert. Er schlug eine zweijährige Unterbringung in einer Entzugseinrichtung vor. Er bescheinigte ihm verminderte Schuldfähigkeit, nicht aber Schuldfreiheit.

Ebenso sah der Gutachter keine günstige soziale Prognose, da das Verhaltensmuster des Angeklagten nicht versiegen werde und zu erwarten sei, dass er weitere Straftaten begehen werde. Deshalb sollte man ihn auf längere Zeit vor der Alkohol- und Drogensucht bewahren.

Dieselbe Einschätzung wurde für den Unfall abgegeben. Demnach liege in beiden Fällen verminderte Schuldfähigkeit, aber keine Schuldfreiheit beim Angeklagten vor. Trotzdem befand der Gutachter, dass eine Therapie den Durchbruch bringen könnte. Sollte der Erfolg ausbleiben, bestünde immer noch die Möglichkeit des Regelvollzugs. Der Gutachter empfahl, den Mann in enge Strukturen zu zwingen, damit er nicht scheitere. Auf Nachfrage des Verteidigers bestätigte der Psychologe, dass der Angeklagte nach Hilfe gerufen habe, da er zu Selbstbestrafungstendenzen neige.

Nicht erschienen war die Zeugin, deren Auto der Angeklagte bei dem Unfall völlig zerstört hatte. Zwar hatte sie Richter Koch am Telefon mehrfach versichert, dass sie unterwegs sei, doch traf sie nie im Gericht ein. Zuletzt war ihr Handy ausgeschaltet. Daher wurde ihre Aussage, die sie bei der Polizei gemacht hatte, verlesen. Gegen sie wurde ein Ordnungsgeld von 50 Euro verhängt.

Richter folgt Empfehlung des Verteidigers

Die Staatsanwältin ging in ihrem Plädoyer bei dem Banküberfall nicht von einem minderschweren Fall aus. Zwar sei die Schuldfähigkeit erheblich vermindert gewesen, eine Abschwächung des Urteils lag ihr aber fern, weshalb der Banküberfall mit fünf bis 15 Jahren Freiheitsstrafe zu ahnden sei – auch angesichts der Beute von fast 25 000 Euro. Zudem habe der Angeklagte unter Bewährung gestanden. Sie forderte eine Gesamtstrafe von sieben Jahren und zwei Monaten. Davon sollte der Mann 18 Monate in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Verteidiger Claus Unger sagte, die Staatsanwältin berücksichtige nicht die Persönlichkeit des Angeklagten. Sein Mandant habe mit dem Banküberfall einen Hilferuf ausgestoßen. Er plädierte auf eine Gesamtstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten mit Unterbringung in einer Entzugseinrichtung.

In seinem letzten Wort vor dem Urteilsspruch beteuerte der Angeklagte, dass ihm alles leidtue. Er sagte, dass alles mit seinem furchtbar hohen Alkoholkonsum zusammenhänge, von dem er jetzt mit dem Entzug loskommen will.

Mit seinem Urteil gab Richter Koch dem Angeklagten eine große Chance. Verläuft der Alkoholentzug gut, besteht die Möglichkeit, dass der Täter nach der Hälfte der Zeit wieder frei kommt. Ansonsten verbringt er fünf Jahre und zwei Monate in Haft.

Die Strafe setzt sich aus dem Banküberfall und dem Unfall zusammen. Darüber hinaus erhält der 34-Jährige eine Führerscheinsperre über dreieinhalb Jahre, die im Wiederholungsfall auf eine lebenslängliche Sperre ausgedehnt werden kann.

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