Das Forbachtal zwischen Freudenstadt und Baiersbronn hat viele Facetten. Historische, längst nicht mehr genutzte Industriegebäude findet man dort ebenso wie malerische Flecken. Das alles soll bei der Gartenschau 2025 erlebbar gemacht werden. Foto: Archiv

Baiersbronn und Freudenstadt stellen weitere Vorgehensweise vor. Hoffen auf Fördertöpfe.

Freudenstadt/Baiersbronn - Die Gartenschau im Forbachtal im Jahr 2025 soll ein verbindendes Element zwischen Freudenstadt und Baiersbronn werden – ein Jahrhundertprojekt. Die Bürger sollen bei der Entwicklung des Konzepts ein gewichtiges Wort mitreden.

Um das aufwendige Verfahren transparenter zu machen, hatten Freudenstadt und Baiersbronn zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ins Freudenstädter Stadthaus eingeladen. Der gute Besuch zeigte, dass das Interesse an dem, was in sieben Jahren entstanden sein soll, groß ist.

Oberbürgermeister Julian Osswald betonte einleitend, dass die Gartenschau gar nicht mehr so weit entfernt sei, wie es den Eindruck mache. Andere Kommunen, die bereits Gartenschauen veranstaltet haben, hätten darauf hingewiesen, dass man nie zu früh dran sei. Die Bürgerbeteiligung hat bereits begonnen. So berichtete Osswald, dass auf der Homepage der Gartenschau zahlreiche Vorschläge eingegangen sind und mit vielen Ideengebern auch gesprochen wurde.

Rudolf Müller, Leiter des Amts für Stadtentwicklung in Freudenstadt, wies darauf hin, dass der Masterplan für das Gesamtprojekt am 1. März europaweit ausgeschrieben wird. "Das ist ein reizvolles Thema mit vielen Hürden", betonte er mit Hinblick auf das rund acht Kilometer lange Forbachtal, in dem sich die Gartenschau hauptsächlich abspielen soll.

Arne Fentzloff vom Büro "Architektur 109", der zusammen mit Landschaftsarchitektin Birke Hörner vom Büro "H+H Landschaftsarchitekten" den Ideenwettbewerb betreut, erläuterte die Modalitäten und stellte die Jury vor, die aus Fachpreisrichtern, Sachpreisrichtern und Sachverständigen ohne Stimmrecht besteht.

Seit November vergangenen Jahres werde an der Auslobung des Wettbewerbs gefeilt, so Fentzloff. Dabei seien auch Erfahrungen aus der Gartenschau in Bad Herrenalb eingeflossen. Im Masterplan sollen unter anderem Vorschläge für die Anbindung von Baiersbronn und Freudenstadt an das Forbachtal und die Anbindung der S-Bahn-Haltestelle in Friedrichs­tal an die Gartenschau aufgezeigt werden. Sechs Pläne und ergänzende Erläuterungen werden von den Wettbewerbsteilnehmern gefordert. Der Zeitplan sieht vor, dass bereits am 12. April ein Kolloquium für die Wettbewerbsteilnehmer stattfindet und die Unterlagen bis zum 28. Juni abgegeben werden müssen. Die Sitzung des Preisgerichts ist für den 3. August geplant. Danach sollen die Wettbewerbsbeiträge öffentlich ausgestellt werden.

Birke Hörner betonte, dass man von dem Masterplan erwarte, dass er Maßnahmen aufzeigt, die im Forbachtal später dauerhaft erhalten werden können. Die Ideen sollen die übergeordneten Ziele der Kommunen wie näher Zusammenrücken, Barrieren abbauen, den Tourismus fördern, die Wirtschaftsstandorte verbessern und Freiräume entwickeln, schützen und erhalten zum Erfolg führen.

Gewünscht wird eine konflikt- und barrierefreie Erschließung für Fußgänger, Radler, Anlieger und Lieferverkehr für die Betriebe. Das Motto "Wälder, Wasser, Wonne" soll im Gartenschaugelände in den Fokus gerückt werden. Birke Hörner räumte ein, dass das teilweise enge Tal des Forbachs eine große Herausforderung für die Erschließung sein wird. Die Stadt Freudenstadt soll auf dem Weg der Besucher liegen, ebenso der Rosenplatz in Baiersbronn und der dortige Bahnhof. Der Langenwaldsee könnte der Einstieg ins Forbachtal sein, erläuterte die Architektin. Rudolf Müller stellte Auszüge aus der Ideensammlung von Bürgern vor (siehe Info). Bewusst habe man keinen finanziellen Rahmen festgelegt und kein Korsett geschnürt, um eine große Vielfalt von Ideen zu erhalten.

In der Fragerunde der Besucher ging es einem Teilnehmer um die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gartenschauplanung. Mit dem Masterplan spanne man den Bogen über die Gartenschau, erläuterte OB Julian Osswald. Die Einzelplanungen würden getrennt ausgearbeitet und vergeben. Wenn dies so weit sei, werde man auch die Generationenfrage stellen, um alle Gruppen – Jung und Alt – einzubinden. Ob das Motto "Wälder, Wasser, Wonne" bereits festgezurrt sei, wollte Stadträtin Anita Zirz wissen. Das könne noch entwickelt werden und sei noch nicht endgültig, antwortete Rudolf Müller.

Ex-Stadtrat Walter Trefz bemängelte, dass jeder Quadratmeter überplant werde und vermisste dabei Freiräume. Kinder könne man zum Beispiel selbst was machen lassen, schlug er vor und wünschte sich Gärten, in denen das angepflanzt wird, mit dem sich die "Ureinwohner" früher selbst versorgten. OB Osswald wies darauf hin, dass viele Bereiche im Forbachtal naturnah belassen oder sogar ökologisch aufgewertet werden sollen. Rudolf Müller ergänzte, dass das Tal zusammen mit den Planern "belaufen" wird, damit sie das Flair spüren und ihre Fantasie walten lassen können.

Auch nach der Finanzierung wurde in der Versammlung gefragt. Über die Förderung des Landes in Höhe von zwei Millionen Euro hinaus werde es Projektförderungen aus verschiedenen Töpfen geben, antwortete Osswald und zeigte sich zuversichtlich, dass Freudenstadt im Vorfeld der Gartenschau bei manchen Förderprogrammen bevorzugt behandelt wird. Doch bei manchen Objekten, wie beispielsweise der alten Tuchfabrik, müssten eben auch die Eigentümer mitspielen.

"Wir wollen dem Gast was Schönes zeigen", betonte der OB und erntete dafür Zustimmung. Michael Kaltenbach, Sprecher des Christophstals, konnte ob so vieler guten Ideen nur sagen: "Wir freuen uns wirklich. Wenn nur die Hälfte umgesetzt wird, wird es ein Traum."

Zum Abschluss hob Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf nochmals die Komplexität des Projekts hervor. "Wir leben davon, was in Ihren Köpfen entsteht", sagte er, "und wir werden mit Stolz auf das Geschaffene blicken können."

Info: Auszüge aus der Ideensammlung

Rudolf Müller, Leiter des Amts für Stadtentwicklung stellte aus sechs Bereichen Ideen der Bürger für die Gartenschau 2025 vor. Hier einige Beispiele:

Mobilität/Infrastruktur: Beförderung von Personen, zum Beispiel auf Schienen, Laufband oder per E-Golfcaddy; Anbindung Christophstal an Freudenstadt durch ein "Förderband"; Christophstal: Zugang über barrierefreien Aufzugturm; Friedrichstal: bergmännische Schrägaufzüge; Verbindung zwischen Freudenstadt und Bahnhof Baiersbronn durch eine Grubenbahn (Personenbahn), die die einzelnen Themenbereiche anfährt; Tal für Scooter, Segway oder E-Cart erschließen; Umnutzung der ehemaligen Tuchfabrik zum Kultur- und Veranstaltungszentrum; Halbhöhenwege mit Trockenmauern freilegen und wieder zugänglich machen.

Wasser: Neues Wasserrad "zum Anfassen" an der Walke beziehungsweise am Standort der Grube Dorothea bauen; Strom aus 100 Prozent regenerativer Energie des Forbachs zum Aufladen von E-Bikes oder Segways; den Forbach als "Wassererlebnis/Wassererleben" umgestalten (ökologischer Umbau mit didaktischen Hinweisen/Erlebnissen); Wasserlauf von den Marktplatz-Fontänen in Freudenstadt bis ins Forbachtal.

Natur: Ein Rosenweg, der von Freudenstadt ins Tal führt; Waldkindergarten und Kepler-Gymnasium zum Thema Garten einbinden, zum Beispiel eigenen Ideengarten anlegen; stille Ecken zur Erholung und Entspannung.

Wald: Freie Sicht von der Wasenhütte aus auf Freudenstadt; Wald-Kugelbahn, Beispiel Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd.

Umwelt: Imkerpfad mit didaktischen Erlebnissen; ökologische Aufwertung der Trockenmauern.

Kultur/Programm: Rußhütte auf das Gelände der Gartenschau versetzen und Bedeutung und Funktion der Anlage erkennbar machen; Kohlenmeiler betreiben; Kongress zum Thema Natur- und Landschaftstherapie.

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