Selbst das schönste Weihnachtsgeschenk könnte sich Robert Marijanovic schon am Tag vor Heiligabend in London mit dem Einzug in die zweite Runde der Dart-WM machen. Foto: Vichra Foto: Schwarzwälder-Bote

DartFreudenstädter Robert Marijanovic erwartet in London ein Hexenkessel mit 4000 Fans / Auch Live-Übertragung im Fernsehen

Von Volker Haag

Für Robert Marijanovic aus Freudenstadt fällt das Weihnachtsfest in diesem Jahr wohl aus, der Anlass ist aber ein durchaus erfreulicher. Einen Tag vor Heiligabend ist der Kroate aus dem Schwarzwald sogar live im Fernsehen bei den Dart-Weltmeisterschaften im Londoner Alexandra Palace zu bewundern.

Am Dienstag, ab 21.15 Uhr, ist sein internationales Vorrundenmatch gegen den Holländer Jermaine Wattimena bei Sport1 live im Free-TV zu sehen. Viele Augen werden sich also auf ihn richten, doch nicht nur deshalb hat Marijanovic in den letzten Tagen vor der WM sein Pensum nochmals deutlich gesteigert. Drei Stunden Training, an den Wochenenden sogar etwas mehr, waren zuletzt Standard.

Ganz bewusst reist der 34- Jährige auch zwei Tage vor seinem Wettkampf nach London. "Ich werde schon am Sonntag fliegen um vorher vor Ort zu sein. Bei meiner letzten Teilnahme bin ich erst einen Tag zuvor angereist und habe gemerkt, dass dies zu kurzfristig war. Die letzten Tage verbringe ich damit, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die in der letzten Zeit noch verbesserungswürdig waren." Auch wenn es für Außenstehende manchmal nicht so aussehe, betont Robert Marijanovic: "Darts hat viele Facetten, was den Ablauf und das Training angeht."

Auch nach der Ankunft in London stehen im Spielerhotel noch Trainingsboards zur Verfügung. Dabei freut sich der gebürtige Freudenstädter auf eine Begegnung mit einem Kollegen ganz besonders: "Ich hoffe sehr darauf, dass ich noch mal zusammen mit Max Hopp aus Frankfurt intensiv trainieren kann. Max ist erst 18, gehört aber in Deutschland zu den Topspielern und ist bereits das dritte Mal bei der WM dabei. Er wird sein Erstrundenspiel direkt nach meinem Auftritt bestreiten." Mit den gestern ins Turnier eingestiegenen Sascha Stein und Jyhan Artut sind zwei weitere deutsche Spieler für die WM des Profi-Darts-Verbandes PDC qualifiziert.

Gespannt ist der Nordschwarzwälder auf die Stimmung im Nordlondoner Alexandra Palace, wo an die 4000 Zuschauern die Wettkämpfe lautstark mitverfolgen werden. Alles andere als eine alltägliche Situation für den Nordschwarzwälder: "Ich gehe in den Wettkampf so rein wie in jeden und werde versuchen von Anfang an die Konzentration zu halten. Es wird ein kurzes Spielformat; wer nicht vom ersten Moment an voll da ist, läuft Gefahr einem Rückstand hinterher zu laufen. Sowohl für mich als auch für meinen Gegner wird es darauf ankommen wie man mit der Atmosphäre klar kommt."

Die Berechtigung, zum zweiten Mal an der WM teilzunehmen, holte sich der kroatische Staatsbürger beim Eastern Europe Finale in Wien. Als Achter der Vorrunde bewies er in den weiteren Spielen Nerven wie Drahtseile. Im Halbfinale setzte sich Marijanovic hauchdünn gegen Michael Rasztovits mit 8:7 durch. Im Finale bezwang "Robi", wie er von seinen Kumpels genannt wird, Boris Krcmar mit 10:7 und sicherte sich damit erneut die Fahrkarte für die Weltmeisterschaft in London, die bereits seit Donnerstag Abend mit den ersten Vorrundenbegegnungen angelaufen ist und noch bis zum 4. Januar andauern wird.

Mit 22 Jahren hat Robert Marijanovic das Dartspielen für sich entdeckt, als seine Eltern in ihrer damaligen Wirtschaft eine Dartscheibe aufhängten, ihr Sohn ganz schnell auf den Geschmack kam und sich kleine Erfolg einstellten. Seit fünf Jahren betreibt er den Dartsport fast schon semiprofessionell und ist fast an jedem Wochenende in ganz Deutschland in Sachen Darts unterwegs. Damit holte er sich das Rüstzeug für die anstehenden Herkulesaufgabe, bei der er möglichst erstmals die erste reguläre Turnierrunde erreichen will.

Vor zwei Jahren verlor der 165. der PDC-Rangliste gegen Daryl Gurney knapp mit 3:4. Sollte es am 23. Dezember gegen Jermaine Wattimena klappen, dann würde noch am gleichen Abend mit Stephen "The Bullet" Bunting der amtierende BDO (British Darts Organisation)-Weltmeister 2014 und Ranglisten-28. als Gegner auf ihn warten.

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