Ein Wappen im Geländer einer Kanzel in der Alpirsbacher Klosterkirche erinnert an Andreas Veringer, der dort als Prälat tätig war. Fotos: Stadtverwaltung Foto: Schwarzwälder Bote

Religion: Ulrich Müller übergibt Forschungsarbeiten an das Stadtarchiv / Wirkungsstätten in Freudenstadt und Alpirsbach

Über zehn Jahre hat sich Ulrich Müller, lange Zeit Pfarrer an der Freudenstädter Stadtkirche, mit Andreas Veringer (1561 bis 1609) beschäftigt. Jetzt hat er seine gesammelten Ergebnisse dem Stadtarchiv Freudenstadt vermacht.

Freudenstadt. Die Arbeiten, darunter viele Dokumente, Fotos und Übersetzungen der originalen Texte, seien besonders wertvoll, weil Ulrich Müller sich nicht nur auf die bekannten Quellen stütze, sondern zahlreiche Archive und die einzelnen Lebensstationen von Andreas Veringer besucht habe, teilt die Stadtverwaltung mit.

1604 kam Veringer nach Freudenstadt und war der erste Pfarrer an der Stadtkirche. In den ersten Jahren nach der Stadtgründung musste sich aus verschiedenen Gruppen der Neubürger erst eine Gemeinde bilden. Ulrich Müller hat sich mit der gesamten Lebensgeschichte von Andreas Veringer beschäftigt. Er hat sich in Herrenberg und Bad Urach umgetan, denn einige Vorfahren Veringers stammten aus Urach.

In Herrenberg wurde Andreas Veringer als Sohn eines Messerschmieds geboren. Auch Heinrich Schickhardt, der die Renaissancestadt Freudenstadt entworfen hat, kam nur drei Jahre zuvor ebenfalls in Herrenberg zur Welt.

Geburt auf 1561 datiert

In den Archiven interessierte sich Ulrich Müller vor allem für die Vorfahren des späteren Predigers. Er datierte auf Grund seiner Forschungen die Geburt Veringers auf das Jahr 1561. Der junge Andreas muss als Schüler aufgefallen sein, denn 1577 wurde er in die Klosterschule nach Alpirsbach geschickt. Sein Weg zum Theologiestudium in Tübingen war damit vorgezeichnet. Neun Jahre später wurde er Magister der Theologie – als Jahrgangsbester.

Ulrich Müller hat auch in den Stuttgarter Archiven gearbeitet. Richtig spannend wurde es aber, als er Veringers Weg nach Oberungarn folgte. Müller fand Hinweise auf Veringer in den Archiven von Schemnitz und Banská Štiavnica. Zu Veringers Zeiten lagen diese Städte in Oberungarn, heute gehören sie zur Slowakei.

Den Hinweis auf Schemnitz hatte schon Josef Haller in den 30er-Jahren gegeben. Der damalige Dekan an der Freudenstädter Stadtkirche hatte an das evangelische Kirchenamt in Schemnitz geschrieben und einiges über den schwäbischen Pfarrer erfahren. Veringer sollte dort im Sinne der Reformation wirken, als er 1590 mit seiner Frau Sophie übersiedelte. Ulrich Müller fuhr erstmals 2012 in die Slowakei und ließ sich auf die Geschichte der alten Silberbergwerksstadt Schemnitz ein. Er betrieb umfassende Studien im Archiv von Banská Štiavnica, wo die Dokumente von Schemnitz liegen, auch deutschsprachige und lateinische Originale, in den Andreas Veringer genannt wird. Vor allem fand er einen Geburtsbrief von Andreas Veringer, der viele Angaben zu dessen Familie in Herrenberg enthält. Veringer blieb fünf Jahre in Schemnitz, dann folgte er dem Angebot des Barons Carl von Liechtenstein nach Feldsberg/Valtice. Er konnte nicht ahnen, dass sein neuer Dienstherr vier Jahre später aus politischen Gründen zum katholischen Glauben übertreten sollte.

Es war Veringers besonderes Schicksal, dass er 1599 aus Glaubensgründen mit seiner Familie fliehen musste. Über einige Zwischenstationen kehrte er nach Württemberg zurück. 1604 wurde er von Herzog Friedrich nach Freudenstadt an die Stadtkirche berufen. Der Kirchenbau wurde in dieser Zeit unter der Regie von Elias Gunzenhäuser ausgeführt. Andreas Veringer kannte den Erbauer der Stadt, Heinrich Schickhardt, wahrscheinlich aus Kindheitstagen, denn er war im württemberger Protestantismus aufgewachsen und teilte das Schicksal vieler Freudenstädter, die als Glaubensflüchtlinge sich zu einer Gemeinde finden mussten.

Kanzel aus Buntsandstein

Ulrich Müller sei den Lebensweg Andreas Veringers akribisch nachgegangen, so die Stadtverwaltung. Er beschreibt, dass Veringers bekannte Predigt zur Einweihung der Stadtkirche 1608 auch dessen Abschiedspredigt war. Der Herzog hatte ihn an den Hof nach Stuttgart bestellt – doch er blieb nicht lange. Pflichtbewusst bis zum Schluss nahm er die Stelle als Prälat in Alpirsbach an, als diese überraschend vakant wurde. Ihm wurde eigens eine Kanzel aus Buntsandstein errichtet, davon erzählt sein Wappen, das in das Geländer der Kanzel eingearbeitet ist. Im Jahr 1609, im Alter von 47 Jahren, starb Andreas Veringer. Ulrich Müllers Wunsch ist es, dass seine Arbeiten zu Veringer für weitere Forschungen genutzt werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: