Interessengemeinschaft "Unser Nordschwarzwald" gegen Nationalpark.
Freudenstadt - "Das bewahren was wir haben", plädierte Hans-Peter Duss, Forstdirektor a.D., bei einer Informationsveranstaltung, zu der erstmals die Interessengemeinschaft "Unser Nordschwarzwald" in die Aula der Falkenrealschule eingeladen hatte.Unter den Rednern, die sich gegen die Ausweisung eines Nationalparks im Nordschwarzwald aussprachen, waren neben Duss auch die Waldbauern Wilhelm Walter und Karl-Heinz Walter aus dem Raum Loßburg sowie Hotelier Martin Zepf vom Forsthaus Auerhahn in Baiersbronn-Hinterlangenbach.
Gemeinsam war den Referenten in ihren Vorträgen die Besorgnis um eine unkontrollierbare Borkenkäferausbreitung und einen als verhängnisvoll empfundenen Eingriff in einen jahrhundertealten Kultur- und Wirtschaftsraum. Deutlich wurde: Unter dem Bewahren der Natur verstehen die Mitglieder der Interessengemeinschaft ganz etwas anderes, als die Initiatoren des Projekts Nationalpark.
Duss, ehemals Leiter der staatlichen Forstämter Schönmünzach und Klosterreichenbach, gab einen Einblick in den aktuellen Waldbestand seines ehemaligen Wirkungsfelds. Beide Gebiete sollen bei Realisierung des Nationalparks Teil der Kernzone werden. Das Problem: Entgegen mancher Darstellungen handle es sich bei den Gebieten überwiegend um Fichtenbestand, erklärte Duss und diese bergen die große Gefahr des Borkenkäfers.
Verärgert zeigte sich der Forstdirektor über Naturschutzverbände. Die Biotope und Artenvielfalt seien schon jetzt herausragend. Der Begriff Nachhaltigkeit sei nicht von Naturschützern, sondern bereits vor 300 Jahren von den Waldbauern entwickelt worden. "Auswärtige brauchen uns nicht zu belehren", empörte sich Duss unter spontanem Applaus des Publikums.
Hotelier Martin Zepf zeigte sich besorgt über die Auswirkungen auf den Tourismus. Dieser sei auf Basis der vorhandenen Kulturlandschaft entstanden und gewachsen. Im Projekt Nationalpark sieht er ein "extrem hohes Risiko" und ruft dazu auf, lieber den bestehenden Naturpark zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Während Duss und Zepf ihre Befürchtungen mit gesetzten Worten artikulierten, wetterte Waldbauer Karl-Heinz Walter eloquent gegen das in seine Augen desaströse Projekt. Der Nationalpark nehme die Zerstörung einer 300 Jahre alten Kulturlandschaft, einer hervorragenden CO2-Bilanz von Volksgut und von intakten Wildbeständen in Kauf.
Sein Kollege Wilhelm Walter bezeichnete das Projekt als "Ideologie von Leuten, die die Zusammenhänge in der Natur nicht oder nur wenig kennen". Die Risiken hinsichtlich Borkenkäfer, Wasserqualität, Bodenerosion und Waldbrandgefahr seien nur unzureichend durchleuchtet. Teils mit Harvestern müsse in den Managementzonen anderer Nationalparks der Borkenkäferproblematik zu Leibe gerückt werden, um ein Übergreifen auf angrenzende Privatwälder zu verhindern. "Diese ›Unberührtheit‹ verlangt mehr Reglementierung als jetzt", schimpfte Wilhelm Walter auf die in seinen Augen absurde Praktik.
Ideologie war es offenbar nicht, was die Redner an diesem Informationsabend bewegte. Vielmehr die Sorge um eine Wirtschafts- und Lebensgrundlage und Empörung darüber, dass in ihren Augen die Arbeit von Generationen von Waldbauern durch die Nationalparkdiskussion herabgesetzt wird. Diese seien mit ihrer Waldwirtschaft näher an der Natur gewesen, als die Naturschützer heute, postulierte Wilhelm Walter.
Deutlichere Worte fand Karl-Heinz Walter zum Abschluss seines Beitrags: "Wir brauchen dieses Experimentierfeld nicht" betonte er. "Hände weg von unserer Heimat!"