Stoßen auf die Zukunft des Nationalparks an (von links): Alexander Bonde, die Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl und Wolfgang Schlund, Schauspielerin Ursula Cantieni, Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider, Gerhard Goll, Andre Baumann und vorne die Landes-Behindertenbeauftragte Stephanie Aeffner. Fotos: Wiegert Foto: Schwarzwälder Bote

Naturschutz: Nationalpark Schwarzwald legt zum fünften Geburtstag "Betriebshandbuch" vor

Partylaune statt Protest: Fünf Jahre nach seiner Eröffnung scheint der einst so umstrittene Nationalpark Schwarzwald auch in den früheren Hochburgen des Widerstands Akzeptanz zu finden. Bei der Geburtstagsfeier in Forbach gab es jedenfalls viel Lob.

Region. Es ist noch gar nicht so lange her, dass auch in der Murgtalgemeinde gegen das Naturschutzprojekt gewettert wurde. Jetzt scheint sich der Protest gelegt zu haben. Vor allem die Einbeziehung der Kritiker habe zu einer positiveren Einstellung gegenüber dem Park geführt, bescheinigte Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke dem Nationalparkteam. Das hat gemeinsam mit den Experten und Anwohnern aus der Region in den vergangenen fünf Jahren einen Nationalparkplan erarbeitet, der am Samstag vorgestellt wurde.

Anhand von 14 Arbeitsbereichen wird in diesem "Betriebshandbuch" beschrieben, wie sich der Nationalpark weiterentwickeln soll. Diese Art der Bürgerbeteiligung sei bislang einzigartig, lobte Umweltstaatssekretär Andre Baumann. Der Nationalpark Schwarzwald sei dadurch nicht nur ein Naturschutzprojekt, sondern auch zu einem gesellschaftlichen Projekt im Nordschwarzwald geworden. Entgegen früherer Umfragen, bei denen der Park in vielen angrenzenden Gemeinden auf große Ablehnung stieß, werde ihm jetzt überwiegend eine gute Arbeit bescheinigt.

Für Landrat Klaus Michael Rückert, Vorsitzender des Nationalparkrats, ist die bisher erreichte Akzeptanz des Parks in der Region allerdings kein Grund, sich zurückzulehnen. Die Stimmung sei derzeit positiv, aber noch labil: "Wir müssen das Vertrauen der Bevölkerung in dieses Projekt mit unserer täglichen Arbeit gewinnen", versicherte er, denn derzeit werde der Fortschritt des Nationalparks nicht nur wohlwollend, sondern auch kritisch und distanziert beobachtet. "Uns ist auch an diesem Freudentag durchaus bewusst, dass uns das Thema Akzeptanz bei diesem Projekt noch lange beschäftigen wird", meinte Rückert.

Gerhard Goll, Vorsitzender des Nationalparkbeirats freute sich, dass bei der Erstellung des Nationalparkplans "gute Kompromisse" ausgehandelt wurden. Das sei bei 32 Interessenverbänden, die in seinem Gremium mitreden, nicht immer einfach gewesen – letztlich aber erfolgreich gelungen, so Goll. Ein Verfechter des Projekts der ersten Stunde ließ sich die Feier am Samstag nicht entgehen: Alexander Bonde, ehemaliger Umweltminister des Landes. Er habe immer an den Erfolg des Nationalparks Schwarzwald geglaubt, versicherte er den Festgästen – auch wenn er als Befürworter des Projekts früher oft das Gefühl hatte, alleine zu sein.

Videogrüße vom Ministerpräsident

Video-Grüße zum Geburtstag und zum gelungenen Nationalparkplan gab es unter anderem auch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Nationalpark Schwarzwald sei ein großartiges Projekt, das ihm sehr am Herzen liege, versicherte der Ministerpräsident. Denn von der hervorragenden Arbeit den Nationalparkteams würden vor allem unsere Enkel und Urenkel später profitieren. Und wie steht es fünf Jahre nach der Gründung um die Zusammenlegung des bisher zweigeteilten Nationalparks Schwarzwald? Die ist für Ministerpräsident Kretschmann und Staatssekretär Andre Baumann nicht vom Tisch, für Klaus Michael Rückert aber derzeit kein Thema: "Wir sind uns im Nationalparkrat einig darüber, dass es jetzt nicht an der Zeit ist, darüber zu reden", versicherte er. Erst müsse man auf den bestehenden 10 000 Hektar Parkfläche die Kritiker durch gute Arbeit überzeugen, bevor an eine Zusammenlegung der Parkflächen zu denken sei.