Adoptivvater Bernd Gaiser, Mutter Jitra Gaiser und Großmutter Ruth Gaiser mussten von Amonwan vor rund einem Jahr Abschied nehmen. Foto: Link

Amonwan kämpft auch ein Jahr nach ihrer Ausreise weiter um die Rückkehr zu ihrer Familie.

Freudenstadt - Jitra Gaiser versteht die Welt nicht mehr – und dabei ist sie nicht alleine. Vor einem Jahr tat sie ihre schwerste Reise und brachte ihre Tochter Amonwan zurück nach Thailand. Seitdem kämpft sie darum, dass ihr Kind zurückkehren kann. Doch immer wieder tun sich neue Hindernisse auf.

Dabei sah alles so gut aus. Denn als Beate Gaiser vom Hotel Adler in Freudenstadt aus dem Schwarzwälder Boten vom Schicksal Amonwans erfuhr, entschlossen sie und ihr Mann sich spontan, dem Mädchen einen Ausbildungsvertrag als Fachkraft im Gastgewerbe zu geben. Unterzeichnet wurde er am 29. Dezember 2009, kurz bevor Amonwan ausreisen musste. Das Hotel war bis zu dem Zeitpunkt zwar noch kein Ausbildungsbetrieb, aber Beate Gaiser leitete alles Nötige in die Wege und wurde von der Industrie- und Handelskammer, wie sie erzählt, sehr unterstützt. Doch Beate Gaiser wartet heute noch auf ihre Auszubildende. Aber sie hält die Stelle offen, auch wenn sie das Ganze Geld kostet.

Amonwan hatte in der Zwischenzeit mit viel Aufwand alle nötigen Unterlagen für die deutsche Botschaft in Bangkok besorgt, trotz Unruhen. Sie belegte einen Deutschkurs beim Goethe-Institut und bestand mit der Note gut. Doch ausreisen durfte sie nicht. "Sie hat immer wieder bei der Botschaft angerufen und gefragt, ob noch etwas fehlt. Doch es hieß immer nur: Warten!", so Amonwans Mutter.

Und dann der Schock: Die Botschaft teilte Amonwan kürzlich mit, dass sie zwei weitere Deutschkurse belegen muss, erzählt Jitra Gaiser. "Das hätte man uns doch schon vor einem Jahr sagen können!" Der Prüfungstermin sei bereits der 10. Januar, die Kurse dauerten aber mehrere Wochen. Jetzt will sich die Familie dafür einsetzen, dass Amonwan die Prüfung später ablegen darf. Ein weiteres Problem: Die Kurse sind teuer, so dass Gaisers sie sich kaum leisten können. Doch sie wollen ihr Kind zurück – Bernd Gaiser hatte die Tochter seiner Frau aus erster Ehe im vergangenen Jahr adoptiert. Also haben sie Amonwan für den ersten Kurs bereits angemeldet.

Schuften von 8 bis 22 Uhr

Amonwan hält sich in der Zwischenzeit mit einem Job in einer Fabrik über Wasser. Erst arbeitete sie von 8 bis 20 Uhr für umgerechnet sechs Euro pro Tag, jetzt bekommt sie zehn Euro, muss aber bis 22 Uhr schuften, wie ihre Mutter erzählt. Doch wenn Amonwan die Kurse am Goethe-Institut besucht, kann sie nebenher kein Geld verdienen. Und noch etwas treibt Jitra Gaiser um: Sie hat Angst, dass es weitere Schwierigkeiten geben könnte, auch wenn Amonwan die nötigen Deutsch-Zertifikate vorlegen kann. Was ihr sehr hilft, ist dagegen die Unterstützung aus der Bevölkerung, für die sie sehr dankbar ist.

Jitra Gaisers Ängste teilt auch Beate Gaiser vom Hotel Adler. Sie findet es "merkwürdig", warum sich die Rückkehr von Amonwan so schwierig gestaltet. "Vielleicht ist da etwas im Hintergrund, das wir alle gar nicht wissen", meint Beate Gaiser. Für sie gestaltet sich die Situation auch nicht einfach: "Irgendwann muss ich schon wissen, habe ich jetzt eine Auszubildende oder nicht?" Sie will sich nun auch einmal an die Botschaft wenden und fragen, wo das Problem liegt. Und vielleicht geht dann auch Jitra Gaisers Wunsch für 2011 in Erfüllung: Dass Amonwan wieder bei ihrer Familie ist.

Amonwans Mutter Jitra hatte vor 13 Jahren bei einem Besuch in Freudenstadt ihren späteren Mann Bernd Gaiser kennen gelernt und geheiratet. Jitras Eltern in Thailand wollten nicht, dass Jitras Tochter Amonwan auch nach Deutschland geht. Das Mädchen stammt aus erster Ehe – der Vater starb, als es ein paar Monate alt war. Schließlich durfte Amonwan ihre Mutter doch besuchen und einen Sprachkurs belegen. Ihre Großeltern in Thailand sind inzwischen zu alt, um sich um Amonwan zu kümmern. Da sie nach deutschem Recht bereits volljährig war, als sie nach Deutschland kam, durfte sie nicht zum Zwecke des dauernden Aufenthalts einreisen.

Ausnahmen gibt es nach Angaben von Rechtsanwalt Andreas Schäfer aus Karlsruhe nur bei außergewöhnlichen Umständen, etwa wenn die Eltern aufgrund einer Erkrankung auf die Pflege des Angehörigen angewiesen sind. Der Anwalt stellte einen Eilantrag auf aufschiebende Wirkung beim Verwaltungsgericht Karlsruhe, damit Amonwan so lange in Deutschland bleiben kann, bis über ihren Fall entschieden wird. Das Gericht lehnte diesen Antrag ab.

Familie Gaiser entschied sich dafür, dass Amonwan "freiwillig" ausreist. Sie flog am 3. Januar nach Bangkok. Seitdem kämpft sie darum, zu ihrer Familie zurückzukehren.