Für viele Händler aus Afrika ist das Afrikafest in Freudenstadt eine wichtige Einnahmequelle. Foto: Archiv Hopp

Hohe Hürden für "Wirtschaftshilfe". Ärger wegen Visa: "Legaler Weg der schwierigste".

Freudenstadt - Es ist in Freudenstadt eine feste Größe, hilft Hunderten von Afrikanern und findet laut Organisatorin Susanne Albert in diesem Jahr vielleicht zum letzten Mal statt: Das Afrikafest steht wegen finanzieller und personeller Probleme auf der Kippe.

"Wenn sich im nächsten Jahr nichts ändert", so Albert von der Kulturinitiative Freudenstadt, werde es 2018 wohl kein Afrikafest mehr geben. "Wir sind finanziell an der Grenze", sagt sie mit Blick auf das Fest, das am Samstag, 24., und Sonntag, 25. Juni, auf dem Marktplatz stattfindet. Die Kosten würden seit Jahren stetig steigen. Etwa die GEMA-Gebühren für zwei Tage Live-Musik: Vor sechs Jahren seien noch um die 300 Euro fällig gewesen, heute seien es 1400 Euro. Zudem schlaucht den Verein seit dem vergangenen Jahr eine unerwartete Umsatzsteuer-Rückzahlung im vierstelligen Bereich.

Die Suche nach Unterstützung gestalte sich sehr schwierig: "Unsere Sponsoren kann ich an einer Hand abzählen", sagt Albert. Überaus dankbar seien sie und der gesamte Verein Michael Krause von der Tourist-Information Freudenstadt: "Ohne ihn hätte das Fest wohl in diesem Jahr schon nicht stattfinden können." Insgesamt lägen die Ausgaben für das Fest bei "weit über 13. 000 Euro", so Albert.

Eine weitere, immer höher wachsende Hürde bei der Organisation des Afrikafests sei das "Nachwuchsproblem". In der Kulturinitiative liege das Durchschnittsalter bei mehr als 60 Jahren; es werde immer schwerer, die Arbeiten rund um das zweitägige Fest zu stemmen. Albert: "Es würde uns schon helfen, wenn jemand abends den Marktplatz kehren würde." Sie erwarte auch keine Scharen an jungen Leuten, die sich jetzt der Kulturinitiative anschließen – einige ehrenamtliche Helfer für den Auf- und Abbau wären laut Albert schon eine große Unterstützung.

Sie betont, dass der Verein kein Geld mit dem Fest verdienen will – ein wichtiger Anlass sei beim Afrikafest vielmehr die "Hilfe zur Selbsthilfe". Viele der Händler aus Afrika verkaufen Albert zufolge ihre Waren in den Sommermonaten in Freudenstadt und auf anderen Märkten. Über den Winter flögen sie zurück nach Afrika, um Waren einzukaufen und zu produzieren. Albert: "Wir sehen uns auch als Wirtschaftshilfe." Zudem würden die meisten Händler einen Teil ihrer Einnahmen nach Afrika zu ihren Familien schicken.

Ein Ärgernis sei vor diesem Hintergrund, dass einige Afrikaner von den deutschen Behörden immer wieder daran gehindert würden, überhaupt einzureisen. "Gerade habe ich eine WhatsApp-Nachricht von einem Kameruner bekommen, der hier eine Modenschau machen und Kleidung verkaufen wollte." Die immer im gleichen Wortlaut formulierte Begründung zur Ablehnung des Visums sei willkürlich, vermutet Albert: "Die Erklärungen zur Einreise sind widersprüchlich", heiße es immer. Dafür hat die Organisatorin kein Verständnis: "Für Afrikaner ist der legale Weg hierher der schwierigste." Selbst Händler, die Familie und Arbeitsstelle in Afrika nachweisen könnten, würden teilweise nicht nach Deutschland gelassen.

Trotz allem, versichert Albert, werde auch in diesem Jahr ein "tolles Fest" entstehen: Händler aus knapp 30 verschiedenen Ländern böten original afrikanische Kleidung, Schmuck, Möbel, Essen und vieles mehr an: "Es gibt da nichts, was es nicht gibt." Nur die Kameruner Modenschau müsse wegen des fehlenden Visums leider ausfallen.

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