Podiumsdiskussion in der Luise-Büchner-Schule / Weihnachten wird wohl nicht abgeschafft
Von Gerhard Keck
Freudenstadt. Eineinhalb Stunden lang standen die Bundestags-Kandidaten Saskia Esken (SPD), Dietmar Lust (Bündnis 90/Die Grünen), Franz Groll (Die Linke) und Reinhard Günther (FDP) weit über 200 Oberstufen-Absolventen der Luise-Büchner- Schule in der Sporthalle des beruflichen Schulzentrums in Freudenstadt Rede und Antwort.
Im Vorfeld hatte Lehrer Tobias Weiß die organisatorischen Fäden für die Veranstaltung gezogen, die Moderation übernahm sein Kollege Wolf Springmann. Stellvertretender Schulleiter Michael Mania begrüßte das Auditorium und appellierte an die Zuhörer, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen.
Die Podiumsdiskussion stand unter dem Leitsatz "Schülerinnen und Schüler treffen Politiker", und nach der obligatorischen Vorstellungsrunde ging es ans Eingemachte. Die Frage "Warum möchten Sie in den Bundestag?" nutzten die Kandidaten als Steilvorlage für die von ihnen vertretene (Partei-)Politik. Bildung, Arbeitsmarkt, soziale Gerechtigkeit und Freiheit hatten sie sich neben anderen brisanten Themen aufs Panier geschrieben. Dabei zeigte es sich, dass ihre Vorstellungen häufig gar nicht so weit auseinander lagen. "Etwas bewegen und Berufserfahrung einbringen" möchte beispielsweise Dietmar Lust. Die "liberale Staatsidee" hochhalten will Reinhard Günther. Das weite Feld der Bildung mit Unterstützung des Bundes beackert Saskia Esken, während Franz Groll anstrebt, das Land "sozial gerechter und zugleich zukunftsfähig" zu machen.
Einigkeit herrschte auf dem Podium hinsichtlich der Frage "Warum sollte ich wählen gehen?". Das Wahlrecht sei ein hart erkämpftes Recht, das man nicht preisgeben dürfe. Schließlich gehe es dabei um die Zukunft der jungen Leute. Den Eindruck, junge Menschen hätten "keinen Bock" auf Politik, interpretierten die Kandidaten beispielsweise mit der Relativierung, dass die Jugend besser sei als ihr Ruf, so Reinhard Günther. "Verkrustete Strukturen" und abgehobenes Sprachverhalten von Funktionsträgern seien für junge Leute ermüdend, räumte Saskia Esken ein und forderte Abhilfe.
Fernsehdokumentationen vermittelten oft ein falsches Bild von harter politischer Arbeit, gab Dietmar Lust zu bedenken, während Franz Groll der "schwächelnden Wahlbeteiligung Jugendlicher" mit dem Aufruf "Mischt euch ein!" begegnete. Die Schüler erweiterten ihren Fragekatalog auf internationale Politik. Die Hexenjagd, die in Russland auf Homosexuelle aktuell stattfindet, verurteilte das Podium aufs Schärfste: Toleranz müsse selbstverständlich sein, und hierin könne Deutschland vorbildhaft wirken.
Was den Schülern besonders auf den Nägeln brannte, war das Problem, dass es ihnen so schwer gemacht werde, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, beispielsweise beim Studium. Abhilfe könne geschaffen werden mit der Änderung von Basisberechnungen für Unterstützungsleistungen oder Elternanteilen, hieß es daraufhin. Angesichts der Häufung gewichtiger Fragestellungen kam eine heitere Note gerade recht: Eine Schülerin zeigte sich besorgt über eine angebliche politische Absicht, nach der Weihnachten abgeschafft werden solle. Das konnte sich die Kandidatenrunde gar nicht vorstellen. Franz Groll ging noch weiter: Die Wirtschaft werde doch einen solchen Absatzmarkt nicht preisgeben.