Trotz des hohen Arbeitsaufwands und der Preissteigerungen in den vergangenen Jahren können sich Ortenauer auf Spargel freuen. Die Landwirte haben aber auch Sorgen.
Carmen Maier vom Stockernhof in Ichenheim ist zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf. Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit unserer Redaktion ist die Landwirtin in Eile, die vielen Kunden zu bedienen, die Spargel und Erdbeeren kaufen wollen. „Das Angebot wird gut angenommen, man merkt, dass die Menschen vor allem Lust auf regionalen Spargel haben“, erzählt sie.
Preislich bewegt sich das Angebot der Landwirtin zwischen neun und 13 Euro pro Kilo, je nach Sorte. Probleme mit dem Wetter habe sie im bisherigen Saisonverlauf nicht gehabt, berichtet sie. Einzige Sorge der Branche sei der jüngst gestiegene Mindestlohn, erzählt sie und führt weiter aus, dass die Situation einige Landwirte unter Druck setze. Sie selbst habe keine Probleme mit dem Mindestlohn und zahle für gut geleistete Arbeit gerne gut und fair. Im Gespräch merkt sie aber auch an, dass die Produktionskosten am Ende an den Kunden weitergegeben werden müssten, um einen Gewinn erzielen zu können. Dem restlichen Verlauf der Spargelsaison blickt Maier positiv entgegen: „Wenn das mit dem Wetter so weitergeht, sieht es gut aus. Die Kälte hielt sich bisher in Grenzen und wir freuen uns auf die restliche Saison“.
Auch Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) blickt auf eine bisher zufriedenstellende Saison zurück. Die Spargelernte sei bisher gut und ohne besondere Vorkommnisse verlaufen, erzählt er. „Dank des trockenen Herbstes und des kalten Winters konnten die Spargelpflanzen viel Energie einlagern“, berichtet er. Die Spargelpflanzen hätten durch den Temperatursprung von kalten Februartagen zu sehr sonnigen und recht warmen Frühlingstagen einen großen Anreiz bekommen, auszutreiben. „Nach unseren Erfahrungen der letzten Jahre wird die Qualität der Spargelstangen unter den Witterungsbedingungen sehr gut sein.“
Die Ernte ist harte körperliche Arbeit
Die Kälte zu Beginn der Saison betont auch Sophia Speck. Die Landwirtin kommt ursprünglich aus der Rinderzucht und habt nun mit ihrem Lebenspartner Nick Köbel eine Zusammenarbeit mit dem Spargel- und Erdbeerhof Heitz aus Altenheim. „Zu Beginn hatten wir ein wenig gebangt“, erzählt sie. Es sei kurzzeitig sehr kalt gewesen. Inzwischen sei der Betrieb in der Vollernte angekommen, die Pflanzen hätten die Bodenrestwärme unter den Planen gut abspeichern können.
Der Spargel- und Erdbeerhof Heitz bietet Bleich- und Grünspargel verschiedener Klassen an. Klassischerweise bewege sich der Preis je nach Sorte zwischen 8,90 Euro und 15,99 Euro pro Kilo. Die politische Lage und die gestiegenen Preise würden die Kunden verunsichern, das merke man in der ganzen Lebensmittelbranche, bedauert Sophia Speck.
Diesen Aspekt bemerkt auch Schumacher vom VSSE: Die steigenden Produktionskosten machen sich natürlich bemerkbar, erzählt er: „Vor allem ist es für die Betriebe zunehmend schwer, die gestiegenen Kosten auch an die Kunden weiterzugeben, da für diese auch die Lebenshaltungskosten steigen“. Die Kunden sind aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten preissensibler geworden, weiß er. Zu Wochenbeginn und unter der Woche sei die Nachfrage nach Spargel verhaltener, aber „zum Wochenende hin gönnen sich die Kunden etwas und greifen gerne zum regionalen Spargel“. An den Feiertagen wie Ostern, 1. Mai oder auch am Muttertag sei die Nachfrage nach Spargel ungebrochen.
Die Ernte erfordert viel Handarbeit
Laut VSSE hat das Land beim Spargel einen Selbstversorgungsgrad von 82,4 Prozent, der in Deutschland verzehrte Spargel wird also zu 82,4 Prozent inländisch produziert. Die Ernte der unterirdisch wachsenden Stangen erfordert dabei viel Handarbeit, da sie traditionell vor dem Sonnenlicht geschützt werden müssen, um ihre weiße Farbe zu behalten.
Bei der Spargelernte spielten laut dem Verband vor allem Erntehelfer sowie Verkaufspersonal eine wichtige Rolle. „In diesem Jahr gibt es im Ortenaukreis hier keinen Engpass“, so Schumacher. Vor allem beim Verkaufspersonal gab es mehr Anfragen, viele Menschen wollten sich etwas dazuverdienen. Dennoch ist laut dem Verband absehbar, dass die Anzahl der Arbeitskräfte aus Osteuropa schwinden wird und deshalb ein Zugang zu Arbeitskräften aus weiteren Ländern vorbereitet werden muss, da dies oft viele Jahre dauert.
Die Landwirte haben konkrete Forderungen an die Politik
Auf diese Erntehelfer setzt auch Speck vom Erdbeer- und Spargelhof Heitz: „Wir arbeiten mit einer Stammanschaft aus Polen“, berichtet sie und erzählt, dass in diesem Jahr auch weitere Helfer aus Osteuropa, in ihrem Fall Rumänien, tatkräftig bei der Ernte unterstützen würden – „dafür sind wir sehr dankbar“. Auch sie sieht den Rest der Saison positiv: „Wenn das Wetter weiter so mitspielt, werden wir keine großen Probleme bekommen und die Kunden können sich auch weiter über regionalen Spargel freuen“.
Dennoch steht die Spargelbranche laut VSSE-Sprecher Schumacher durch die gestiegenen Produktionskosten und die Mindestlohnsteigerungen unter Druck: „Wir benötigen dringend verlässliche politische Rahmenbedingungen wie beispielsweise Bürokratieabbau und die Abschaffung der Prüfung der Berufsmäßigkeit für sozialversicherungsfrei beschäftigte Erntehelfer durch die Deutsche Rentenversicherung“. Außerdem wünscht er sich auch einen einfacheren Zugang zu Arbeitskräften aus Ländern außerhalb der EU.
Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes übrigens rund 1.350 Spargelbetriebe in Deutschland. Sie bauten das Gemüse auf gut 19.200 Hektar an. Zum Vergleich: Ein reguläres Fußballfeld hat etwa 0,7 Hektar. Bundesweit wurden 2025 fast 105.000 Tonnen Spargel geerntet – und damit durchaus weniger als in den vorangegangenen Jahren. Der überwiegende Teil des geernteten Spargels ist weiß.
Info – Über den Verband
Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) ist mit rund 630 Mitgliedern Deutschlands größter Verband für Spargel- und Erdbeeranbauer. Er setzt sich für moderne Produktionsmethoden sowie die Beschäftigung von Erntehelfern ein und informiert Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit über die aktuellen Herausforderungen der Branche.