Auch die evangelische Kollegin Martina Schlagenhauf freut sich über die gelungene Renovation. Foto: Fritsche

Mit einem Festgottesdienst hat die katholische Kirchengemeinde in Schramberg nach elf Monaten der Innensanierung die Wiedereröffnung ihrer Kirche St. Maria gefeiert.

Schramberg - Weit geöffnet waren die beiden Hauptportale der St.-Maria-Kirche, seit elf Monaten das erste Mal wieder. Eine letzte Gottesdienstbesucherin eilte hindurch um Punkt 10 Uhr, dem Beginn des Festgottesdienstes. Dem Glockengeläut, gerade verklungen, folgte ein klangvolles Orgelspiel zum Einzug der drei Geistlichen: Pfarrer Rüdiger Kocholl, Pfarrvikar Meinrad Hermann und Diakon Markus Schneider hielten den Festgottesdienst gemeinsam.

Alles neu bis auf die Pfarrer

In einem lustigen Sketch über die Renovierung ("Ja, alles neu, bis auf die Pfarrer. Die sind noch die alten") zählten die Jugendlichen Elise Herzog, Johanna Schäfer und David Kuhner auf, was alles im Kirchraum erneuert wurde. "Wir hoffen, ihre genießt es genauso wie wir, das wir nach elf Monaten endlich wieder Gottesdienst in unserer St.-Maria-Kirche feiern können", wandten sie sich an die Gottesdienstgemeinde. In einem Kirchraum mit strahlend weißen Wänden, dezenten Goldverzierungen und glänzenden, sorgfältig gereinigten Skulpturen und Kreuzen.

Corona-Gedenken

Bevor Pfarrer Rüdiger Kocholl mit der Liturgie begann, sprach er über die Skulptur der Schmerzensmutter, die an einer Säule des Eingangsbereichs aufgestellt wurde. Entstanden ist sie vermutlich um 1900, lag dann viele Jahre im Kirchturm, später im Kirchenkeller. Sie wurde 2020 während des ersten Corona-Lockdowns wieder entdeckt und jetzt neu aufgestellt: "Auch zur Erinnerung an unsere Corona-Verstorbenen". Dann fuhr er fort mit einem "Weihegebet", in dem er den erneuerten Innenraum wieder seiner spirituellen Aufgabe zuführte.

Kocholls Predigt und Dank

"Unzählige Menschen haben seit ihrem Bau im Jahre 1844 in dieser Kirche seelische Stärkung erfahren", begann Pfarrer Kocholl seine Predigt. Ein Ort nicht nur der festlichen Lieder, sondern in schweren Stunden auch der Trauer oder des stillen Gebets. Doch solle sich der Glaube nicht nur "in festlicher Liturgie wie an diesem Tage, sondern auch im Alltag bewähren und Taten der Nächstenliebe zeigen", betonte er.

Dann dankte Kocholl den Handwerkern für die Ausführung der Innenrenovierung. Mit Stolz könne er sagen, dass viele Gewerke von solchen aus Schramberg erbracht wurden, von denen wiederum einige sogar zur katholischen Kirchengemeinde gehörten. "Nachhaltigkeit zeigte sich nicht nur in der Auswahl der neuen Technik des Kirchenraums, sondern auch mit der Verbundenheit mit der Region", erklärte Kocholl.

Endgültige Leuchten kommen noch

Namentlich dankte er dem Architekten Konrad Maurer und Andreas Kiefer von der ausführenden Baufirma für die geleistete Arbeit. Nach einem Blick zur Decke des Kirchenraums ("Die endgültigen Pendelleuchten kommen noch, das ist nur die vorläufige Lösung") und dann auf die maskenlosen Gesichter seiner Gottesdienstgemeinde freute sich Kocholl: "Ich sehe nur strahlende Gesichter, davon leuchtet der ganze Kirchenraum". Dann richtete er seinen Dank an die Entscheidungsträger seiner Kirchengemeinde mit ihrem Vorsitzenden Matthias Kunst und an das "Krippenteam", das eine im Kirchraum aufgestellte elektronische Präsentation der Geschichte der St.-Maria-Kirche und ihrer Orgel entwickelte habe, schloss alle anderen ehrenamtlichen Mitstreiter für die Erneuerung des Innenraums unter großem Beifall der Gemeinde ein. "Meine größter und letzter Dank aber gebiert unserem Gott, der mitten unter den Menschen sein möchte und die schützende Hand über die Sanierung gehalten hat", schloss Kocholl.

Nach seiner Predigt würdigte Kocholl die Arbeit der kirchlichen Vereine in der Gemeinde. Er bat ihre Vertreter nach vorne neben den Altar zu kommen und nacheinander die Fürbitten zu sprechen.

Musikalische Gestaltung

Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer hatte die Messe in G-Dur von Lambert Kleesattel ausgewählt. "Es musste ein Stück sein, das man bei Beschränkungen oder Ausfälle durch die Pandemie von auch zu viert hätte singen können", erklärte er nach der Messe. Ein Werk mit freudiger Ausstrahlung und stilistisch in romantischer Tradition stehend, das der Kirchenchor (Frauen- und Gregorianikschola) unter Schäfers Leitung ausdrucksvoll und schwungvoll interpretierte. Die frisch gestimmte und gereinigte Walcker-Orgel spielte Rudolph Mendel, Kirchenmusikdirektor im Ruhestand aus Albstadt-Tailfingen. Virtuos setzte er viele unterschiedliche Register beim Vorspiel zu den Gemeindeliedern oder seinem Solospiel ein und kostete die große klangliche Spannweite der berühmten Walcker-Orgel weit aus. Mit einem Marienlied, inbrünstig von der Kirchengemeinde gesungen, endete der Festgottesdienst.

Gemeinschaft

Draußen wartete auf von den Pfadfindern aufbauten Tischen das reichhaltige Buffet, zu dem der Kirchgemeinderatsvorsitzende Kunst eingeladen hatte, zusammengestellt vom Aladin & Frieda-Restaurant in Lauterbach. Ausgiebig nutzten die Mitglieder der Kirchengemeinde und ihre Gäste die Möglichkeit zu lebhaften Gesprächen ohne hinderliche Pandemie-Einschränkungen, darunter auch der frühere Oberbürgermeister Thomas Herzog mit seiner Familie. Arnhold Budick, der viele Kunstführungen in St. Maria gemacht hat, hob einen kleinen, aber besonderen Aspekt dieses Festtages hervor: Das heutige Priestergewand von Pfarrer Kocholl hatte Bildhauer Erich Hauser 1993/94 zur damaligen Neugestaltung des Kirchenraums entworfen. Es war zur Einweihung im November 1994 erstmals getragen worden.

Führung durch die Kirche

Und um 12 Uhr führten das Ingenieurbüro Kiefer und Architekturbüro Maurer durch das erneuerte Kirchenschiff und erläuterten die Vielzahl der gemachten Arbeiten und Installationen.