Ort der Begegnungen: Wo ein Fitness- und Generationenpark entstehen soll. Foto: Pfannes

Die Diskrepanz zwischen dem Vorhaben, dem Projekt "Fitness- und Generationenpark", und der Diskussion um eine Kostenobergrenze, um den strapazierten Gemeindesäckel zu schonen, ist auffällig. Dieser Herausforderung stellt sich der Villingendorfer Gemeinderat mit Akribie und Leidenschaft.

Villingendorf - Für das Schöne an diesem Abend in der ungemütlichen Turn- und Festhalle ist Landschaftsarchitektin Stefanie Moosmann (Faktorgrün, Büro Rottweil) zuständig. Sie stellt eine erste konkrete Planung vor und zaubert eine spätsommerliche Atmosphäre herbei, als sie über die Umgestaltung der Fläche spricht, die derzeit zum Beispiel die alte Skateranlage beheimatet und die künftig mehreren Generationen Erholung, Spaß, Freude und Bewegung anbieten soll.

Kurz: das Projekt, das im Rahmen der Ideensammlung des Jugendforums entstanden ist, das im Sommer in Windeseile vorangetrieben wurde und das nun, da so viel Schönes nun mal Geld kostet, mit einem Antrag bei Leader umgesetzt werden soll.

Die Sonne geht auf

Da ist die Rede von einer zeitgemäßen Skateranlage (Beratung von Großmeister Robert Hak aus Rottweil: Mini-Ramp), angrenzend ein Sport-Fitness-Bereich (neudeutsch: Calisthenics, sprich: Eigengewichtsübungen an Stangen, zum Beispiel ähnlich wie die altdeutschen Turngeräte Barren und Reck gestaltet, aber moderner konzipiert), dann ein Picknick- und Chillbereich (also Ruhe-/Erholbereich), ein Bewegungsbereich, ein Spielbereich (für kleinere Kinder), ein Boulefeld und ein Pavillon.

Gehölzpflanzungen, bereits bestehende und neue, grenzen diesen Flecken Erde von der Straße Richtung Schützenhaus ab. Eine Blumen-Kräuterwiese ist ebenfalls vorgesehen. Genauso wie ein Ballfangzaun, der das Kicken auf dem angrenzenden Spielfeld abschirmen soll, und ein Behindertenparkplatz.

Das Stichwort Parkplatz, der nahe Bolzplatz, die Straße, somit der Verkehr und eine gewünschte Beschränkung, sei es eine der Geschwindigkeit, seien es Poller, aber auch die strapazierten Finanzen der Gemeinde trüben wie dunkle Wolken diesen blauen Himmel bald ein.

Zwar kann es durchaus prickelnd sein, einen näher kommenden Sturm zu beobachten und sich über das dann doch noch eintretende Abschwächen dieser Winde zu freuen, doch die meisten sind durchaus zufrieden, nur das Ergebnis nach diesem Naturschauspiel zu erfahren.

Deshalb: Beim Thema Geld einigt sich schließlich die Ratsrunde einstimmig, den Eigenanteil der Gemeinde auf 150 000 Euro festzulegen. Wenn er je mehr werden sollte, dann soll das Gremium erneut entscheiden. Die derzeitigen Kosten beziffert Stefanie Moosmann mit exakt 298 584,01 Euro brutto.

Die 60-Prozent-Sache

Von Leader (EU-Mittel, die die Lebensqualität im ländlichen Raum sichern sollen) sind durchaus 60 Prozent der Nettokosten (250 910,93 Euro) zu bekommen. Doch das gesamte Prozedere ist ein komplexes. Dies erschwert zusätzlich das Abwägen der Ratsmitglieder, so steht sogar der Verzicht auf dieses gesamte Projekt im Raum, falls die Kosten je explodieren sollten. Natürlich haben sich bereits jetzt schon etliche Firmen, Betriebe und Privatpersonen mit finanziellen, tatkräftigen und ideellen Zusagen eingebracht oder wollen sich einbringen. Dieser Art der Finanzierung sind keine Grenzen gesetzt. Moosmann: "Zusätzliches Sponsoring geht immer." Eindeutig, so denn alles, wie erhofft, verläuft, ist der Zeitplan für das kommende Jahr: Planungsphase März, Ausschreibung April, Vergabe Juni, Bauen Juli bis September, Einweihung Oktober.

Ein Happening für alle

Das Ziel ist lohnenswert. Bürgermeister Marcus Türk, der das Projekt maßgeblich forciert hat, fasst in der Sitzungsvorlage sinngemäß das Vorhaben zusammen: Der Fitness- und Generationenpark solle einerseits als Ort der Begegnung und der sportlichen Ertüchtigung dienen, andererseits aber auch ein Platz der Begegnung der verschiedenen Generationen und des Aufenthalts darstellen. Sitzbänke und die Wegeführung soll auch weniger mobilen Bürgern den Aufenthalt zugänglich machen.

Dass Natur- und Umweltschutz ebenso integriert ist, gilt als Selbstverständlichkeit. Die Umweltschutzgruppe Villingendorf ist mit im Boot. Auch können entsprechende Projekte der Schule und der Kindertagesstätten jederzeit auf diesem Gelände umgesetzt werden.