Ab Dienstag können bereits die ersten Achterbahnen Fahrt aufnehmen. (Symbolfoto) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Das Sozialministerium zieht eine positive Bilanz vom Modellprojekt im Europa-Park: Weil es in Rust bislang "kein nennenswertes Infektionsgeschehen" gab und die Inzidenzen sinken, können ab heute, Dienstag, alle Freizeitparks im Land öffnen.

Rust/Stuttgart. "Wir sind froh, dass das Modellprojekt erfolgreich verlaufen ist und wir der Branche insgesamt nun Öffnungen ermöglichen können", wird Uwe Lahl, Amtschef des Gesundheitsministeriums, in einer Pressemittelung vom Montag zitiert. Mehr als 1000 Besucher seien seit dem Neustart des Europa-Parks befragt worden. Seinem Ministerium sei dabei bislang kein nennenswertes Infektionsgeschehen bekannt geworden. Dennoch warnt Lahl: "Weiterhin gilt, dass alle Menschen gefragt sind, Abstands- und Hygieneregeln konsequent einzuhalten."

Der Europa-Park hatte, wie mehrfach berichtet, von der Landesregierung eine Vorreiterrolle bei der Corona-Bekämpfung in der Freizeitbranche zugewiesen bekommen. Unter Auflagen durften die Ruster Spaß-Experten nach einem halben Jahr Lockdown am 21. Mai wieder ihre Tore öffnen. Das Konzept, das in Stuttgart gemeinsam mit der Inhaberfamilie Mack ausgetüftelt worden war, sah unter anderem vor, dass Wissenschaftler der Uni Freiburg vor Ort Erkenntnisse für die Perspektive anderer Parks ziehen. Nach zweieinhalb Wochen nun der erfolgreiche Abschluss.

Wir waren bei der Wiedereröffnung des Europa-Parks vor Ort: 

"Das Modellprojekt hat gezeigt, dass die Öffnung von Freizeitparks mit Abstands- und Hygienekonzepten gut funktioniert. Gleichzeitig konnten mögliche Schwachstellen identifiziert werden", so Lahl. So seien insbesondere die Wartezeiten an den Hauptattraktionen und die damit verbundenen Menschenansammlungen eine große Herausforderung. Der Zwischenbericht der Uni-Mitarbeiter komme zu dem Schluss, dass die Desinfektion von Oberflächen an Fahrgeschäfte aufgegeben werden könne, wenn dadurch kürzere Wartezeiten möglich und den Besuchern gleichzeitig mehr Desinfektionsangebote gemacht würden. Der Europa-Park habe bereits entsprechend reagiert, und auch verstärkt Sicherheitspersonal an kritischen Stellen eingesetzt, um eine bessere Steuerung der Besucherströme zu erreichen.

In Rust zeigte man sich angesichts der Nachrichten aus Stuttgart "sehr glücklich". Zwar liege der offizielle Bericht noch nicht vor, teilte die Park-Pressestelle auf Nachfrage mit. "Wir wissen allerdings, dass die wissenschaftliche Begleitung sehr positiv verlaufen ist und kleine Schwachstellen sofort korrigiert werden konnten." Durch das Modellprojekt seien "weitreichende Schlüsse für andere Freizeitparks und vergleichbare Einrichtungen in Deutschland zu erwarten". Das gelte auch für die Zukunft im Umgang mit möglichen kommenden Pandemien.

Voraussetzung für Besucher: Sie sind genesen, geimpft oder getestet

Andere Freizeitpark-Betreiber in Baden-Württemberg sind nun aufgefordert, "sich die Ergebnisse des Modellprojekts genau anzuschauen und in ihre individuellen Hygiene- und Schutzkonzepte einzubeziehen", erklärt Amtschef Lahl. Laut der frisch aufgelegten Corona-Verordnung dürfen schon am heutigen Dienstag, 8. Juni, in Stadt- und Landkreisen, die seit mindestens fünf Tagen unter einer Inzidenz von 35 liegen, Freizeitparks wieder öffnen. Voraussetzung für die Besucher bleibt: Sie sind genesen, geimpft oder getestet.

Der Freizeitpark Funny World in Kappel hatte bereits Ende Mai angekündigt, mit der Wiedereröffnung noch zu warten: Am 30. Juni soll die dann achtmonatige Schließung vorüber sein. "Für uns ist die wirtschaftliche Situation kritisch, aber wir glauben, dass die Sicherheit und Gesundheit unserer Besucher an erster Stelle stehen", teilte der Park mit. Man wolle "der Regierung und den Gesundheitsbehörden Zeit zu geben, an der Impffront richtig voranzukommen". Zeit, die das Funny World nach eigenen Angaben nutzt, um seien Anlage zu verschönern. Als Neuheiten warten in dieser Saison sechs Riesentrampoline auf die Besucher.

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