Nicht nur viele St. Georgener haben hier schon schöne Tage verbracht: Seit 75 Jahren gibt es das Freizeitheim Weißloch der evangelischen Kirchengemeinde. Von viel Arbeit, einem Unglück und großem Zuspruch – ein Blick in die wechselhafte Geschichte.
Was vor ziemlich genau 75 Jahren mit einem maroden Haus bei Langenschiltach begann, ist heute „eine einmalige Erfolgsgeschichte“, findet Herbert Jäckle.
Und er muss es wissen: 1957 packte er als 15-Jähriger erstmals beim Freizeitheim Weißloch der evangelischen Kirchengemeinde mit an. Noch heute engagiert er sich als Heimwart und Vorsitzender des Weißlochausschusses. Er hat die Höhen und Tiefen der Historie des Freizeitheims Weißloch miterlebt.
Die Anfänge
Die Geschichte des Freizeitheims Weißloch beginnt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg – auch wenn das Gebäude an sich eigentlich schon älter war: 1811 hatte Georg Fichter das Haus gebaut. Als ein junger Vikar der evangelischen Kirchengemeinde es 1947 entdeckte, war es bereits in einem bedauernswerten Zustand. Doch es hatte Potenzial – und der Einfall kam schnell: ein Haus für die Jugend, mitten in der Natur. „Alle waren begeistert von der Idee“, schreibt Herbert Jäckle in seiner Schrift zum 60-jährigen Bestehen des Freizeitheims. Doch bis die Vision Wirklichkeit wurde, dauerte es noch zwei Jahre: Erst am 26. April 1949 konnte die Kirchengemeinde das Haus für zunächst zehn Jahre anmieten.
Die Sanierung
Bevor im Weißloch allerdings die ersten Freizeiten stattfinden konnten, gab es viel zu tun: Das Haus war an vielen Stellen undicht, Strom und Wasser gab es nicht – viel Arbeit für die freiwilligen Helfer. Die untere rechte Hälfte des Hauses wurde neu gemauert, der Balkon erweitert, ein Teil des Dachs – für die gesamte Fläche war nicht genug Geld da – erneuert sowie ein Tagungsraum und ein Schlafsaal eingerichtet. Bereits im September 1949 konnte das Haus eingeweiht werden.
Größere Umbauten nahmen die Helfer erst vor, nachdem die Kirchengemeinde das Haus im Jahr 1955 gekauft hatte: ein Anbau für Sanitäranlagen, ein Küchenumbau und weitere Zimmer folgten. 1957 wurde das Weißloch elektrifiziert. In den Folgejahren wurden im und rund um das Haus weitere Maßnahmen realisiert: Unter anderem erhielt das Freizeitheim eine Ölheizung, einen Gasherd, einen Telefonanschluss und ein neues Dach.
Die Nachfrage
Anfangs wurde das Freizeitheim nur von eigenen Gruppen der Kirchengemeinde genutzt. Das änderte sich Anfang 1950, als die ersten auswärtigen Gäste aus Karlsruhe im Weißloch ankamen. Das Haus fand großen Anklang, wie aus Jäckles Statistik der Übernachtungen hervorgeht: Sie weist ab 1960 jeweils mindestens 2000, nicht selten mehr als 3000 und im Jahr 1963 sogar 4200 Übernachtungen pro Jahr aus.
Das Unglück
Eine Gasexplosion erschütterte am 30. September 2006, 18.44 Uhr, das Weißloch. Aus einem Haarriss in der Gasleitung war im Erdreich Gas ausgeströmt – durch eine elektrische Pumpe entzündete es sich. Zurück blieb ein Bild der Zerstörung: Die komplette Vorderwand war über zwei Stockwerke herausgesprengt worden, das Dach weggekippt, bis es auf dem Boden aufstand. Die 22 Gäste, die sich im und vor dem Haus befanden, wurden verletzt, drei von ihnen schwer – ein Kind zog sich schwere Verbrennungen zu, eine Frau wurde unter Trümmern eingeklemmt.
Der Wiederaufbau
Was nun? Diese Frage stand nach der Gasexplosion im Vordergrund. „Für mich war klar, dass wir das Haus wieder aufbauen“, erinnert sich Jäckle. Angesichts der Rücklagen und der Nachfrage war er sich sicher: Das neue Haus wird angenommen und ganz sicher nicht leer stehen. Der Wiederaufbau sei auch der Wunsch vieler St. Georgener gewesen, schildert Jäckle: „Der Rückhalt war einfach wahnsinnig groß.“
Doch der Wunsch allein reichte nicht zur Umsetzung: Die Oberen der evangelischen Landeskirche waren gegen den Wiederaufbau, schildert Jäckle. Und die finanziellen Mittel nicht gerade üppig, da lange unklar war, ob und mit welchem Betrag die Versicherung einspringt. „Ich weiß nicht, wie alles weitergegangen wäre, wenn sich nicht Georg Papst eingeschaltet hätte“, schreibt Jäckle in der Broschüre zum 60-jährigen Bestehen. Er sagte zu, sämtliche Kosten des Aufbaus zu übernehmen, die nicht von der Versicherung bezahlt werden.
Und so konnte es losgehen – zunächst mit dem Abbruch des alten und der Planung des neuen Hauses. Im September 2007 wurde der Bauantrag gestellt – und dann hieß es Warten: ein ganzes Jahr ging es, bis die Baugenehmigung erteilt war. Die Arbeiten gingen dann schnell voran. „Die Maurer waren gerade fertig, da hat es zum ersten Mal geschneit“, erinnert sich Jäckle. Dann wurde das Wetter noch einmal schön, was den Zimmerern die Gelegenheit gab, den ganzen Bau innerhalb weniger Wochen und noch vor dem Wintereinbruch aufzurichten. In den folgenden Monaten lief der Innenausbau auf Hochtouren, sodass das neue Freizeitheim kurz vor knapp einsatzbereit war: Am 17. Juli 2008 reiste die erste Gruppe an.
Die aktuelle Lage
Seitdem hat sich die Erfolgsgeschichte fortgesetzt, sagt Jäckle. Gruppen aus ganz Baden-Württemberg, gelegentlich auch von weiter her, besuchen das Weißloch – und ihre Rückmeldungen geben der Entscheidung pro Wiederaufbau recht. Bis zu 5000 Übernachtungen verzeichnet das Haus jährlich – im Belegungsplan ist quasi keine Lücke. Wer im Weißloch übernachten will, muss sich zwei Jahre im Voraus anmelden. „Es ist ein Selbstläufer“, sagt Jäckle mit Blick auf die Nachfrage.
Doch nichts liefe ohne die fleißigen Helfer, die sich in der Vergangenheit eingebracht haben und heute einbringen. „In den 75 Jahren hatten wir an die 40 Heimwarte“, sagt Jäckle – manche nur für einige Wochen, andere für einen Zeitraum von zehn oder noch mehr Jahren. Und Jäckle ist zuversichtlich, dass sich solche Engagierten auch in Zukunft finden werden, um den Betrieb des beleibten Freizeitheims Weißloch am Laufen zu halten.