Erhaben thront die Burgruine Wehrstein bei Fischingen über dem Neckartal. Foto: Schneider

Ein Aufstieg zur Burgruine Wehrstein, die über dem Sulzer Teilort Fischingen thront, lohnt sich allemal. Wer mag, kann dort auch das Buch „Wehrstein“ zur Hand nehmen.

Sulz liegt nicht an der berühmten „Burgenstraße“ – führt diese doch von Mannheim und Heidelberg über Heilbronn, Rothenburg ob der Tauber, die Cadolzburg, und Nürnberg nach Coburg und Bayreuth. Auf 840 Kilometern gibt es rund 60 Burgen und Schlösser zu entdecken.

 

Ganz so viele sind es auf der Sulzer Gemarkung zugegebener Maßen nicht – aber steht man im Teilort Fischingen, kann man jedenfalls schon einmal einen Anfang machen. Denn dort thront erhaben – und einst äußerst wehrhaft – die Burgruine Wehrstein über dem Neckartal.

Ortskern wird „wie neu“

Aber auch ohne „Burgenstraße“ kann sich die 1280 erstmals erwähnte Burg zahlreicher Besucher gewiss sein – liegt sie doch direkt am Jakobs-, Hohenzollern- und Neckarweg. Und der Neckartalradweg liegt auch nur eine Steinwurfweite entfernt.

Über die Brücke am Rathaus, die ab 2027 grundlegend saniert wird, geht es durch den Ortskern an der St. Margaretha-Kirche und dem Rathaus vorbei. Letzteres soll unter umfassender Bürgerbeteiligung zu einem modernen Bürgerzentrum umgebaut werden.

Fachwerk und ruhige Pfade

Durch enge Straßen, die gesäumt sind von gut erhaltenen Fachwerkhäusern, geht es die vollmundig klingende „Schlossbergstraße“ entlang. Allerdings wird das Schild „Wehrstein-Halle“ wortwörtlich rechts liegen gelassen, da der Hinweis „Zur Ruine Wehrstein“ nach links zeigt.

Steigt man dort einige steinerne Treppenstufen, gesäumt von blühenden Vergissmeinnicht und Tulpen, empor, befindet man sich schon nach wenigen Schritten oberhalb des „Städtleins“. Auf dem nadelbedeckten Waldpfad wechseln sich Licht und Schatten ab, eine kleine Spinne sucht flink den Schutz des rettenden Efeus vor den Schritten des Wanderers.

Steinerne Überreste

Die Vögel zwitschern ihr fröhliches Lied, das saftige Grün der austreibenden Laubbäume prangt vor dem strahlend blauen Himmel, farbenfrohe Schmetterlinge schweben über kräftig leuchtenden Löwenzahn-Blüten.

Plötzlich wird man dem mächtigen Mauerwerk der Burg gewahr – und rechter Hand illustriert eine Tafel mit drei Rekonstruktionszeichnungen –, wie die Anlage mit Burgfried, Palas, Türmen, Ringmauern und Wirtschaftsgebäuden einst ausgesehen haben mag.

Zerstörung im Krieg

Dabei hat sie eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Wegen einer Fehde gegen die eigenen Dienstherren – die Grafen von Hohenberg –, verloren die Herren von Wehrstein 1323 ihre Burg.

In den nächsten Jahrhunderten wechselten sich die Herren von Weitingen, Herzog Leopold von Österreich und die Grafen von Zollern als Besitzer der Burg Wehrstein ab, bis diese 1645 – nur drei Jahre vor Ende des 30-jährigen Krieges – von kurbayerischen Truppen zum Großteil zerstört wurde.

Bequem Rast machen

2008 kam es zu Restaurationsarbeiten an der Außenmauer der Rüstkammer, im darauffolgenden Jahr gründete sich der Förderverein Burgruine Wehrstein. Bis 2011 wurden Baumaßnahmen am Rundturm, der Kaminwand sowie der Bastion durchgeführt.

Und wer heute den Aufstieg hinter sich gebracht hat, kann sein Vesper an den stabilen Holztischen mit dem Blick ins weite Neckartal einnehmen – oder sich auf den Neckar-Erlebnis-Liegen ausruhen.

Spannendes Lese-Abenteuer

Angefertigt wurden diese von der Bergfelder Firma „Heimatbänkle“, aufgestellt vom Förderverein. Und wer mag, kann auf der Liege auch ein Buch zur Hand nehmen – zum Beispiel „Wehrstein“ der Fischinger Autorin Gabi Kreher.

Dabei geht es um vier Jugendliche, die per Zeitreise ins Jahr 1489 kommen, um auf der Burg Wehrstein einen Mord aufzuklären und eine verhängnisvolle Prophezeiung zu ändern.