Auf der Hängebrücke in Rottweil haben die Besucher am Mittwochmittag viel Platz und genießen das Erlebnis trotz der aufziehenden Regenwolken. Foto: Otto

Die einen sind vom neuen Abenteuer auf der Hängebrücke in Rottweil hellauf begeistert, die anderen meckern: Die Neckarline sei zu teuer. Wir machen den großen Preisvergleich.

Seit knapp zwei Wochen ist sie offen, die 606 Meter lange Hängebrücke Neckarline, die sich in Rottweil in knapp 60 Metern Höhe übers Neckartal spannt. Ein Tourismus-Magnet, der seither natürlich auch so manchen „Reiseblogger“ aus dem Netz anzieht - schließlich sind spektakuläre Bilder vor der Kulisse der ältesten Stadt Baden-Württembergs garantiert.

 

Unter diversen Beiträgen, unter anderem auf Instagram, entbrennt da meist dieselbe Diskussion. Und zwar jene über den Preis. „13,50 Euro sind doch viel zu teuer“, heißt es vielfach in den Kommentaren. Und es kommt zu interessanten Vergleichen: „Für das Geld esse ich lieber Käsespätzle in der Stadt“, schreibt eine Nutzerin unter dem Reisetipp von „Hikeshotz“.

Der Influencer, der seinen immerhin 169.000 Followern zahlreiche Ausflugs- und Freizeittipps vorstellt, hat für seinen neusten Beitrag die Neckarline in Rottweil besucht. Und er sagt: „Die neue Hängebrücke „Neckarline“ verbindet die Altstadt direkt mit dem Testturm – perfekt für einen Tagesausflug“. Und er schwärmt vom Adrenalin auf der Brücke und der Aussicht von der höchsten Besucherplattform Deutschlands.

In der Debatte um den Preis von 13,50 Euro für Erwachsene hin und zurück und 11 Euro für Kinder betont da auch so mancher, dass so etwas eben überall kostet. „Wo findest du solche Aktivitäten schon kostengünstig?“

Die, die schon da waren, scheinen begeistert: „Also ich habs gezahlt am Eröffnungswochenende und es war’s mir wert. Es war toll. Und man macht des ja ned jede Woche“, schreibt eine Followerin. Und die Todtnauer Brücke, so ein Hinweis, liege schließlich ähnlich bei den Eintrittstickets.

Blick auf Wildline und Blackforestline

Wir schauen genauer hin und vergleichen: Da sind zunächst die anderen Hängebrücken von Investor Günter Eberhardt, die längst zu gut besuchten Touristenattraktionen geworden sind. Über die 380 Meter lange „Wildline“ in Bad Wildbad kann man für 9,50 Euro spazieren, bei der 450 Meter langen „Blackforestline“ in Todtnau werden für das „Kombiticket Brücke und Wasserfall“ 12 Euro fällig.

Das Ticket für die Hängebrücke Neckarline kostet 13,50 Euro für Erwachsene. Foto: Otto

Das heißt: Die „Neckarline“ in Rottweil hat zwar den teuersten Ticketpreis, ist aber dann immerhin die günstigste, wenn man den Preis auf den Meter umlegt. Allerdings: Ein Kombiticket mit dem Testturm, wo der Besuch der Aussichtsplattform 12,50 Euro kostet, gibt es bisher nicht. Man sei dran, hieß es auf Nachfrage bei der Eröffnung. Doch das zwischen unterschiedlichen Betreibern festzuzurren, ist nicht so einfach - nicht zuletzt, weil ThyssenKrupp Elevator samt Testturm jüngst den Besitzer gewechselt hat.

Von Highline 179 bis Titan-RT

Bleibt der Blick auf weitere Hängebrücken und deren Eintrittspreise: Die „Highline 179“ im österreichischen Reutte kostet zehn Euro für Erwachsene, 6 Euro für Kinder, und auch ein Familienticket für 30 Euro ist zu haben. Sie ist allerdings mit 406 Metern ein Drittel kürzer als die Rottweiler Brücke.

Ein Schnäppchen ist die „Titan-RT“, die sich mit 458,5 Metern Gesamtlänge über das Bode-Staubecken im Harz erstreckt. Sie wurde schon 2017 fertiggestellt –und für 7,50 Euro können Besucher darüber gehen. In der „Adrenalin“-Abteilung kann man sich hier auch für die größte Doppelseilrutsche Europas ein Ticket buchen. Da kostet ein Kilometer Fahrt dann 39 Euro.

Die Geierlay ist kostenlos

Tatsächlich gibt es Hängebrücken auch kostenlos: Die 360 Meter lange Geierlay mitten im Hunsrück ist frei zugänglich und bietet viel Natur und Weitblick. Diese Brücke wurde durch bürgerschaftliches Engagement initiiert und durch Fördergelder und Gelder der umliegenden Gemeinden realisiert.

In Rottweil hat bekanntlich mit Günter Eberhardt ein privater Investor die Neckarline gebaut – und sich damit einer besonderen Herausforderung gestellt. Denn die Rottweiler Brücke ist die einzige, die mitten in eine Stadt hinein führt – und dann auch noch in die älteste Stadt Baden-Württembergs, deren ganze historische Innenstadt unter Denkmalschutz steht.

Bei all den Vergleichen bleibt wohl grundlegend: Die einen möchten - oder können - sich den Nervenkitzel auf der Neckarline leisten, die anderen wollen die 13,50 Euro lieber sparen oder für etwas anderes ausgeben. Käsespätzle zum Beispiel. Oder eine Flasche Aperol?

So etwas kostet überall

Wir schauen am Mittwoch noch direkt vor Ort an der Neckarline vorbei, und die Stimmen dort sind einhellig: „So etwas kostet eben. Und man muss ja auch die enormen Investitionskosten bedenken“, sagen beispielsweise Tina und Joachim Schluck aus Geislingen, die gerade die ersten Meter auf der Brücke gehen. Sie haben übrigens damit gerechnet, dass das Ticket nur in eine Richtung gilt. Dass sie nun damit hin und zurück kommen, freut sie umso mehr. „Es ist toll hier, das lohnt sich“, strahlen sie.

„Gemeckert wird immer gleich“

Gleich dahinter gehen zwei Besucherinnen aus Hausen am Tann auf die Hängebrücke. Sie haben Einkaufstaschen vom Stadtbummel in der Hand und nach kurzer Beratung beschlossen, trotz drohenden Regens auch noch über die Neckarline zu gehen. „Wenn wir schon mal hier sind, müssen wir das ausprobieren“. Zur Debatte über den Preis können sie nur den Kopf schütteln. „Gemeckert wird immer gleich. Das war auch bei den Kosten für die Gartenschau in Balingen so. Und jetzt sind alle begeistert, wie schön es geworden ist.“

Auch das ist ein Thema, das in Rottweil mit Blick auf die Landesgartenschau 2028 bestens bekannt ist. Der Eintrittspreis für dieses Ereignis steht übrigens noch nicht fest.