Das Freibad in Bad Liebenzell Foto: Wolfgang Krokauer

Die Finanznot von Bad Liebenzell ist groß. Trotzdem soll das Freibad gehalten werden. Dazu will die Kommune neue Wege gehen.

Um das Freibad zu halten, muss die Stadt Bad Liebenzell in den nächsten Jahren einiges in die Einrichtung investieren. Die Stadtverwaltung hat eine Liste von Maßnahmen vorgelegt, die den Betrieb des Bades für die nächsten 15 Jahre sichern sollen. Das Abarbeiten dieser Liste würde rund eine halbe Million Euro kosten.

 

Geplante Investitionen Dazu gehört unter anderem der Austausch von Beckenwasserpumpen. Das Sanieren des Flachdaches auf dem Technikgebäude mit einer Photovoltaikanlage, eine kombinierte Photovoltaik-/Solaranlage zum Erwärmen des Beckenwassers und eine neue Elektroinstallation im technischen Bereich. Damit würde Energie gespart und die Betriebskosten gesenkt.

Hygiene sicherstellen

Andere Maßnahmen wiederum dienen der Hygiene, Sicherheit und Wasserqualität. Dazu gehört unter anderem die Filtersanierung im Kleinkindbecken, eine Quellpumpe, das Sanieren des Treppenaufgangs, von Toiletten und Duschen und das Erneuern der Wasseraufbereitungsanlage.

DNA von Bad Liebenzell Bürgermeister-Stellvertreter Sebastian Kopp hielt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates ein Plädoyer zum Erhalt des Freibades. Es sei eine soziale Einrichtung für die Stadt und gehöre zur DNA von Bad Liebenzell. Er machte sich für die von der Verwaltung in der Sitzungsvorlage genannten Investitionen stark, um die Kosten für den laufenden Betrieb zu senken.

Ehrenamt Das werde aber nicht reichen, machte Kopp deutlich. Menschen müssten für das Freibad ehrenamtlich arbeiten – bei der Pflege der Grünanlagen, an der Kasse, im technischen Bereich und beim Suchen von Sponsoren. Er sei glücklich darüber, dass viele Menschen bereit seien mitzumachen.

Kommt ein Förderverein?

Kopp erinnerte daran, dass es am Dienstag, 4. November, ab 18 Uhr eine Auftaktveranstaltung im Sitzungssaal des Bürgerzentrums zur Gründung eines Fördervereins für das Freibad gebe. Er bedankte sich bei Stadtrat Dietmar Lehmann-Schaufelberger (Grüne) und der städtischen Mitarbeiterin Sandra Fleige. Sie hätten sich in den vergangenen Wochen sehr dafür eingesetzt, dass die Veranstaltung zustande komme.

Großes Interesse

Lehmann-Schaufelberger berichtete in der Sitzung, dass sich bereits 55 Interessierte gemeldet hätten. Komme nur die Hälfte am 4. November, sei das schon mal was wert. Er betonte, dass es sich wichtig sei, sich selbst einzubringen und sich nicht nur auf den Staat zu verlassen. Es gebe viele Dinge, die auch für normale Menschen machbar seien. „Ich hoffe, dass der 4. November das bringt, was wir uns versprechen.“ Dem pflichtete Matthias Stepan, Ortsvorsteher von Maisenbach-Zainen, bei. Bürger könnten damit zeigen, was ihnen wichtig sei.

Lehmann-Schaufelberger und Stepan wandten sich damit gegen Aussagen von Norbert Maier (AfD). Dieser hatte darüber geklagt, dass Bürger immer noch mehr leisten sollen. Es gebe schon genügend Leute, die sich engagierten: „Der Bürger hat etwas getan.“

Fachkräfte fehlen

Kopp verwies mit Blick auf Maiers Aussagen auf den Fachkräftemangel. Zudem lohne es sich, ehrenamtlich zu arbeiten, zumal dadurch neue Netzwerke entstünden.

Zeithorizont Der Gemeinderat fasste einstimmig eine Grundsatzentscheidung, dass es mit dem Freibad weitergeht, ohne einen Zeitraum festzulegen. Angesichts der ins Auge gefassten Investitionen macht ohnehin nur ein langfristiger Weiterbetrieb Sinn.

An Wellenbad erinnert

In der Sitzungsvorlage war die Rede von 15 Jahren als Zeithorizont. Das hielt Thomas Becker (UL) für zu lange. Was passiere, wenn die Kosten davonlaufen würden und die Stadt einen Schlussstrich ziehe. Er erinnerte an das Wellenbad in Schömberg. Dort sei ein Defizit gekommen und „wumms“ sei es weg gewesen. Er bat um eine Prognose zum Abmangel.

Defizit verringert

Diese Prognose legte Bad Liebenzells Kämmerer René Kaufmann für dieses Jahr vor. Demnach liege der Abmangel des Freibads in diesem Jahr bei rund 440 000 Euro. Das seien etwa 40 000 Euro weniger als 2024. Die Einnahmen bei den Entgelten hätten sich um rund 22 000 Euro verbessert. Zum 1. Juni erhöhte die Stadt die Eintrittspreise. 2025 seien rund 44 000 Besucher in das Freibad gekommen, rechnete Kaufmann vor. Im vergangenen Jahr waren es etwa 41000 Gäste gewesen.

Allerdings müssen seit diesem Jahr erstmals auch die Camper Eintritt bezahlen. Ihr Anteil an den Freibadbesuchern liegt bei 5700. Diese waren im vergangenen Jahr in der Statistik noch nicht enthalten, weil die Camper freien Zugang zum Freibad hatten.

Stepan hielt es für richtig eine solche Zeitschiene hinzuzufügen und den Bürgern klaren Wein einzuschenken. Im Hinblick auf einen möglichen Förderverein verteidigte er den von der Verwaltung skizzierten Weg mit dem entsprechenden Zeithorizont. Schließlich solle sich der Bürger auch einbringen.

Daniel Heitzmann vom städtischen Bauamt, zuständig für Tiefbau, Brücken, Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, machte deutlich, dass man so lange brauchen werde, um die notwendigen Maßnahmen abzuarbeiten.

Daniel Mattmüller (ZBL) wiederum plädierte dafür, alles zu tun, um das Freibad zu erhalten und überhaupt keine Zahl zum Zeitplan zu nennen. Damit erklärte sich auch Kopp einverstanden: „Wir haben nicht mehr das Geld herumzuwursteln.“

CDU-Fraktionschef und Ex-Bürgermeister Dietmar Fischer (CDU) hingegen hielt sogar eine Zeitschiene von 50 Jahren für angemessen. Es habe in der Stadt nie eine Diskussion gegeben, dass das Freibad schließen könne. Er kritisierte, dass auf der Homepage der Stadt gestanden habe, dass der Fortbestand des Freibades gefährdet sei.

Kopp entgegnete, dass das Freibad nicht infrage gestellt worden sei. Aber es sei eine freiwillige Leistung. „Wir gehen mit Ressourcen sparsam um“, sagte Kopp.

Sachlich bleiben

Oliver Jäger (UL) griff Fischer direkt an: „Es gibt Gründe, warum wir in dieser Situation sind. Dafür sind sie Herr Fischer mitverantwortlich.“ Hier schritt Kopp ein und forderte Jäger auf, sachlich zu bleiben.