Was für ökologische Kleinode der Sulzer Teilort Holzhausen hat, wird beim Gang über den alten Friedhof und die Streuobstwiese sichtbar. Hier blüht und summt es in einer Tour.
Die Sonne lacht vom Himmel, überall sind grüne Knospen zu sehen, und die Temperaturen steigen deutlich an. Stellt sich die Frage: Was tun mit diesem schönen Wetter?
Eine Idee könnte sein, dem Sulzer Ortsteil Holzhausen einen Besuch abzustatten. Denn hier hat besonders der alte Friedhof in der Patmosstraße seinen Reiz – ist er doch mittlerweile das „grüne Klassenzimmer“ der Grundschule.
Schöne Blüten und süßer Duft
Und was heißt das genau? Jedes Jahr kommen die neuen ABC-Schützen des Ortes, um gemeinsam einen Baum, Strauch oder eine Blume zu pflanzen. Und da das schon seit mehr als zwei Jahrzehnten Brauch ist, stehen entsprechend viele Pflanzen da, sprießt und grünt es überall, auch allerlei bunte Blümchen stecken ihre farbenfrohen Köpfe aus der Wiese hervor.
Ein schöner Anblick sind etwa die schneeweißen Blüten der chinesischen Wildbirne, die nicht nur einen süßen Duft verströmen, sondern auch das Ziel zahlreicher Bienen sind. Schaut man sich weiter um, sieht man die Bartblume – eine bei Bienen und Hummeln sehr beliebte Pflanze –, die Staudensonnenblume sowie die schwedische Mehlbeere.
Auch Apfelbäume sind da
Aber auch ein Schmetterlingsflieder, ursprünglich in Tibet beheimatet, ist zu finden, ebenso der Edelflieder. Ein Eisenholzbaum steht neben einer Kupferbirke und dem Kuchenbaum. Was dieses in direkter Schwarzwaldnähe gepflanzte Gewächs als Früchte bringt – wohl gar eine Schwarzwälder Kirschtorte? Leider nein. Bei feuchtem Wetter riechen die Blätter nach frischem Gebäck, Karamell oder Lebkuchen – deshalb der Name.
Aber das geschulte Auge erblickt auch einen kegelförmigen Spitzahorn, die Säulenhainbuche und eine Stadtlinde. Lecker wird es – allerdings auch erst im Herbst –, wenn die weiteren Bäume ihre Früchte tragen. Denn dann versprechen die Kornell-Kirsche, der Säulenapfelbaum Rondo, der Rheinische Winterrambur, Florina und Topaz schmackhaftes Obst für Feinschmecker.
Erlebnis mit allen Sinnen
Wie es aussieht, wenn all die großen und kleinen Pflanzen in voller Blüte stehen, mag man sich schier gar nicht vorstellen. Denn schon jetzt saust und braust es aus den beiden Einflugschneisen des Bienenhauses, das im hinteren Teil des „Klassenzimmers“ steht.
Wer die Natur nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit den Füßen erleben will, kann das am Barfuß-Feld tun. Die Anlage wurde 2024 von 16 Zweitklässlern mit der Studentin Jenny Strobel errichtet.
Die Streuobstwiese
Hat man sich am Alten Friedhof nun ordentlich sattgesehen, kann man dem „Neckarweg“ des Schwäbischen Albvereins einige Schritte folgen. Erste Station ist der Rast- und Grillplatz Pfingstbrunnen, bei dem das klare Wasser nur so sprudelt. Der Namen nimmt zwar Bezug auf das Ausgießen des Heiligen Geistes – aber auch am letzten Wochenende der Osterferien lässt es sich hier gut sitzen.
Etwas weiter gerät die gleichnamige Streuobstwiese in den Blick. Und mit ihr zahlreiche Info-Schilder und Schautafeln des Netzwerks Streuobst. Sie erklären die traditionelle Nutzung der Flächen zum Anbau von Nahrungsmitteln sowie dem Gewinn von Tierfutter.
Eine große Apfel-Auswahl
Ist hier doch ein gewaltiges Biotop: Mehr als 5000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten siedeln in den Baumkronen, -höhlen oder Totholz. Seit 2021 gilt der Streuobstanbau auch als immaterielles Kulturerbe Deutschlands. Blickt man auf die einzelnen Schilder, fühlt man sich an einem Ort, der um Welten besser ist als jeder reguläre Supermarkt.
Ist dort die Anzahl Apfelsorten klar normiert, kommt man auf der Wiese in Holzhausen aus dem Zählen gar nicht mehr heraus. Zwölf unterschiedliche Apfel- und Birnenarten sind da zu finden, darunter „alte Bekannte“ wie der Rheinische Winterrambur, der auch im „grünen Klassenzimmer“ steht, ursprünglich eine Apfelsorte aus dem 17. Jahrhundert.
Österreich, Luxemburg, USA
Aber ebenso fündig wird man beim Rheinischen Bohnapfel, dem Kugelapfel, einem Schönen aus Boskoop oder dem Welschisner. Royal wird es beim „Kaiser Wilhelm“-Apfel, auch der Grüne Stettiner stammt aus den preußischen Stammlanden in Brandenburg.
Der Brettacher ist hingegen ein waschechter Württemberger, Melrose eine Traditionssorte aus Ohio, Idared kommt aus dem US-Bundesstaat Idaho. Näher ist das Herkunftsland der Luxemburger Mostbirne, aber auch die Oberösterreichische Weinbirne, die man gerne für Secco und Destillate verwendet.
Holzhausen ist also ein wahres Eldorado – nicht nur für Bienen und andere Insekten. Auch Botanikfreunde haben hier beim Spaziergang ihre helle Freude.